Wirtschaftsrat besucht Albert Fischer /„Mindestlohn ist ein Problem“

Hoher Besuch ist zu Gast in Elze

Rund 20 Gäste empfängt der Bauunternehmer Albert Fischer (Mitte) in Elze: Neben Vertretern des Wirtschaftsrats Deutschland sind auch Vertreter der Orts-, Landes- und Bundespolitik der Einladung gefolgt. Foto: Vogelbein

ELZE Vertreter des Niedersächsischen Wirtschaftsrates waren zu Gast in Elze. Begleitet von der Bundestagsabgeordneten Ute Bertram erkundeten die Unternehmer aus der Region Hildesheim gemeinsam die Albert Fischer GmbH. Gleichzeitig gewährte Ute Bertram einen Blick hinter die Kulissen des Bundestags, verriet Details über ihren Alltag und versprach zugleich, Anregungen aus der regionalen Wirtschaft mit nach Berlin zu nehmen.

Obwohl der Verein „Wirtschaftsrat der CDU“ die Bezeichnung der Christdemokratischen Partei deutlich im Namen trage, bemühe sich die Interessensgemeinschaft um politische Neutralität, erklärte Tobias Dammeier, Referent des Landesverbands Niedersachsen. Die „Altlast“ aus der Gründungszeit spiegele lediglich eine Epoche, in der die CDU noch als typische Unternehmerpartei galt. Heute sei das Bild ein anderes, sodass sich die Interessen der Mitglieder unabhängig ihrer Parteibücher im Wirtschaftsrat wiederfinden. Dieser sieht sich insbesondere als Netzwerker zwischen den Unternehmen, aber auch als Vermittler bei politischen Entscheidungen. So war auch in der Vergangenheit der ehemalige Bundestagsabgeordnete Eckart von Klaeden ein gern gesehener Gast der Runde. Nach seinem Abschied in die Wirtschaft und einem neuen Posten als Lobbyist beim Autohersteller Daimler, gewann die Alfelderin Ute Bertram den Wahlkreis direkt für die CDU und folgte auf Eckart von Klaeden. Erst wenige Monate nach ihrem Amtsantritt in Berlin nahm sie die Einladung des Wirtschaftsrates an und nutzte die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit den regionalen Unternehmern vorzustellen. Entsandt in die Ausschüsse für Gesundheit sowie Kunst und Medien betonte sie, wie wichtig es sei, „sich auch mit anderen Ressorts wie zum Beispiel der Wirtschaft detailliert auseinanderzusetzen“. Dabei sprach Bertram auch von Liebe – oder vielmehr das fehlen eben dieser: „Der Koalitionsvertrag ist keine Liebeshochzeit zwischen CDU/CSU und SPD“, stellte die Alfelderin heraus.

Insbesondere beim Thema Mindestlohn gaben ihr die Hildesheimer Unternehmer, allen voran der Gastgeber Albert Fischer, einiges an Gepäck mit nach Berlin. „Ich habe Probleme mit dem Mindestlohn“, so die klare Aussage des Elzer Bauunternehmers. So sei seiner Ansicht nach der Mindestlohn von 8,50 Euro nicht flexibel genug: Junge Aushilfsarbeiter und Lehrlinge müssten von dieser Regelung ausgenommen werden, „sonst kann ich das in dieser Form nicht mehr umsetzen.“

Zustimmung von seinen Unternehmerkollegen erhielt Fischer auch bei dem Hinweis auf die „plötzliche Rente ab 63“. Kritisch sei demnach, dass sich viele Arbeitnehmer, die sich bereits auf die Rente mit 67 eingestellt haben, nun schon vier Jahre früher in den Ruhestand verabschieden könnten. „Vielen sei gar nicht klar, was das für sie bedeute“, so die Meinung der Unternehmer. Investitionen in Fortbildungen seien folglich wertlos und auch die Berufserfahrung ginge in den Betrieben verloren. Das Problem liege dabei insbesondere in der Kommunikation, wer davon überhaupt betroffen sei: „Da ist Nachholbedarf“, so die Bitte an Bertram. Ähnlich engagiert zeigte sich Fischer auch bei der Vorstellung seines Unternehmens: Ob enge Zeitpläne bei Gleisarbeiten am Hamburger Bahnhof, modern gestaltete Wohnhäuser oder große Werkshallen – besonders als es um seine Mitarbeiter ging, geriet der Elzer ins Schwärmen. Ohne diese tollen Menschen sei es nicht möglich, viele Aufgaben zu bewältigen, so Fischer. Dass auch er selbst viel vom Fach versteht, machte er deutlich, als er anhand eines Models Ute Bertram die Funktionswiese eines Zwei-Wege-Baggers erklärte. Dieser mit viel teurer Sicherheitselektronik ausgestattete Schaufelbagger sei in der Lage, auf der Straße und auf Schienen zu fahren und beeindruckte – wenngleich nur in Spielzeuggröße – auch die Mitglieder des Wirtschaftsrats.

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