Sehlder Dorfleben funktioniert durch Gemeinschaftssinn / Kontakte am Bücherschrank pflegen / UWE informiert sich

„Hier wird geregelt, was aufkommt“

Klaus Janke und Joachim Rathmer von der Unabhängigen Wählergruppe Elze kommen am Bücherschrank in Sehlde mit Anke Mitschke und Sandra Offenbach (von links) über aktuelle Themen ins Gespräch. Fotos: Hüsing

SEHLDE Eigentlich sollte es ein Bürgergespräch zwischen Mitgliedern der Unabhängigen Wählergruppe und interessierten Sehldern werden. Doch am Ende standen Anke Mitschke und Sandra Offenbach vom Heimatverein mit den Ratsherren allein am Bücherschrank. Themen zu diskutieren, gab es dennoch genug.

So wünschen sich die Freiwilligen, die sich um den Bücherschrank kümmern, noch einen Anfahrschutz für ihren Schrank. „Hier ist eigentlich eine Parkfläche, und viele Verkehrsteilnehmer kommen rasant um die Ecke“, sagte Sandra Offenbach, die sich einen Metallbügel am Fuß des Schrankes vorstellen könnte. „Die Regale müssen aber auch mit dem Rollator erreichbar bleiben“, wandte Joachim Rathmer von der Unabhängigen Wählergruppe Elze (UWE) ein. Er versprach, sich zu informieren, wie das Problem zu lösen sei.

Da es sich bei dem Bücherschrank in Sehlde um ein Pilotprojekt handelt, das gerne Nachahmer in anderen Ortsteilen finden darf, hat Sandra Offenbach noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag: „Die Klappen müssen festgehalten werden. Das fällt vielen schwer. Dämpfer zum Einrasten wären schön.“

Gemeinsam mit Anke Mitschke und zwei weiteren Mitgliedern des Heimatvereins kümmert sie sich um den Bücherschrank. „Ich wohne hier direkt und schaue regelmäßig, ob alles in Ordnung ist“, so die Sehlderin. „Die ersten Erfahrungen sind sehr gut“, ergänzte Anke Mitschke. Auch, wenn die Rückmeldungen geteilt ausfallen. „Einige ärgern sich über das Aussehen des Schrankes. Dabei soll er seinen Zweck erfüllen und gepflegt aussehen, nicht hübsch“, sagte Offenbach.

Teil der Bildung

Und seinen Zweck erfüllt er. „Er wird sehr gut angenommen“, zeigten sich die Helfer überrascht. Romane, Krimis und Kinderbücher sind gefragt. Aber auch die Sachbücher über Pflege sind aus dem oberen Regal verschwunden. „Ich habe auch schon Unbekannte gesehen, die wohl nicht aus Sehlde waren, die Bücher gebracht, aber auch welche mitgenommen haben“, so Mitschke. Der offene Bücherschrank ist jederzeit zugänglich, Menschen können ihre ausgelesenen oder neuen Bücher bringen, sich dafür anderen Lesestoff aussuchen, den sie mitnehmen, oder auch einfach mit den Menschen ins Gespräch kommen. „Ich habe gemerkt, dass ich durch meine Arbeit hier wieder mehr Kontakte pflege“, erzählte Mitschke. Sollte es dem einen oder anderen nicht möglich sein, die Bücher direkt nach Sehlde zu bringen, bot Joachim Rathmer von der UWE an, sie im Bürgerbüro an der Hauptstraße in Elze gerne entgegenzunehmen.

„Für mich sind die Bücherschränke ein Teil Bildung“, erklärte Michael Röver noch einmal, wieso seine Gruppe vor einiger Zeit den entsprechenden Antrag gestellt habe, der letztendlich das Pilotprojekt in Sehlde ermöglichte. Denn Menschen mit einem kleinen Budget, die sich nicht unbedingt die neuesten Bücher leisten können, haben dort die Möglichkeit, auch an aktuellen Lesestoff zu kommen.

„Was fehlt in Sehlde?“

„Der Betreuungsaufwand ist nicht so hoch. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir eine Konkurrenz zur Stadtbücherei sind“, reagierte Anke Mitschke auf eine Nachfrage der UWE. Diese nutzte die Gelegenheit, mit den beiden Bürgern auch über andere Themen ins Gespräch zu kommen. „Was fehlt in Sehlde?“ „Eigentlich nichts. Ich weiß von keinen größeren Problemen“, erzählte Mitschke, dass in Sehlde „geregelt wird, was aufkommt“ – durch die gut funktionierende Dorfgemeinschaft. Diese würde Anke Mitschke auch gerne durch Ortsräte gestärkt wissen. Doch Joachim Rathmer blieb skeptisch: „Wir wollen die Dörfer stärken. Aber ich bin davon überzeugt, dass ein politisches Gremium Fronten schafft, die man in der Dorfgemeinschaft umgehen kann.“ „Wir sind viel zu politisch auf den kleinen Orten. Die Bürger sollten alle an einem Strang ziehen“, stimmte Klaus Janke ihm zu.

Mitgliederwerbung

Durch die Bürgergespräche, die die UWE in allen Ortsteilen anbieten wird, möchte die Gruppe mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Gleichzeitig wirbt sie aber auch für die eigene Sache. „Es fehlen Mitstreiter aus den Ortsteilen, Frauen und Jüngere“, sprach Rathmer ein Problem an, dass die UWE mit den etablierten Parteien gemein hat.

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