Kaputte Bürgersteige, Lärm und Stau: Wülfinger ächzen unter der Umleitungslast

„Haben die Schnauze voll“

Die Leinestraße in Wülfingen ist schmal und kurvenreich: Fast minütlich begegnen sich dort derzeit Lastwagen. Nicht selten muss der Bürgersteig für die Ausweichmanövern herhalten. Entsprechend ramponiert sind bereits die Bordsteine. Fotos: Appel

WÜLFINGEN Die Dachrinne an der Scheune von Ortsvorsteher Hartwig Othmer hat es bereits erwischt, die Bordsteine wackeln auch bedenklich, weil sie dem Gewicht der Mehrtonner nicht gewachsen sind, und Landwirte müssen ihren Fuhrpark verlegen, weil sie angesichts des Verkehrschaos auf der Leinestraße nicht mehr vom Hof kommen. „Ein Glück, dass noch Ferien sind. Wer weiß, was da alles passieren könnte, wenn Schulkinder ander Straße unterwegs wären“, betont Othmer die Gefahren.

Die Wülfinger sind es leid, wieder einmal Opfer einer Umleitung geworden zu sein. „Wir haben die Schnauze voll“, ist daher ein Satz, der nicht nur einmal in dem Dorf zu vernehmen ist angesichts der langen Auto- und Lkw-Schlangen, die sich entlang der schmalen und kurvenreichen Leinestraße durch das Dorf wälzen. Binnen weniger Monate sei Wülfingen schon das dritte Mal zur Ausweichsroute geworden, schimpft Othmer. Betroffen seien nicht nur die Anlieger der Leinestraße: Zur „Rush Hour“ staue es sich auf der Leinestraße fast bis zum Ortseingang Richtung Burgstemmen zurück. „Wenn es so verstopft ist, weichen viele Autofahrer auch auf die Neben- und Anliegerstraßen aus“, berichtet der SPD-Ratsherr. Auch Pendler, die aufgrund der Umleitung nun täglich in Wülfingen im Stau stehen, kritisieren, dass nicht zumindest versucht werde, mit einer mobilen Ampel an der B 3-Mündung das Einfädeln auf die Bundesstraße zu erleichtern und so die Staus zu lindern.

„Warum leitet man nicht unterhalb der Marienburg, vorbei an der Zuckerfabrik bis zum Kreisel bei Rössing und dann weiter zur B1 in Richtung Hildesheim? Dann wären keine Ortschaften direkt betroffen“, wundert sich Othmer generell. Den Planern hingegen schwebte ein anderer Weg vor, wie die Massen an der B 1-Baustelle in Elze vorbeigeleitet werden könnten: So soll die Umleitung für Autos in beide Richtungen tatsächlich über die L 461 über Wülfingen führen. Aber für Lastwagen ist eine großräumige Umleitung von Süd nach Nord über die L 482 durch Gronau, nach Möllensen, weiter auf der L 485 nach Diekholzen und über die L 460 zur Bundesstraße 1 bei Emmerke vorgesehen. Für die Nord-Süd-Richtung geht es ab Pattensen über die B 443 zur B 6 nach Hildesheim in Richtung Emmerke und weiter über die vorbeschriebene Strecke über Gronau zur B 3.

Das Problem: Kaum ein Lastwagen-Lenker hält sich an das Durchfahrtsverbot in Wülfingen. Dort wundert man sich daher, dass die Polizei nicht ein kritisches Auge auf die Situation wirft. „Würde man einmal wegen der Ordnungswidrigkeiten abkassieren, dann spricht sich das bei den Truckern rum“, plädiert Othmer im Namen der Wülfinger für Kontrollen. Nicht wenige hätten dies bei den Beamten in Elze bereits vorgetragen. Die Reaktionen seien ernüchternd gewesen. „Zu wenig Personal, zu viel Aufwand, lohnt sich nicht, und und und.“

Auch die Ausschilderung, die in der Zuständigkeit des Landkreises liegt, ist mächtig in die Kritik geraten. Das vorherrschende Gefühl in Wülfingen: „Ein Schildbürgerstreich – und keiner fühlt sich zuständig.“

Landkreis will reagieren

Inzwischen will der Landkreis reagieren: Auf Nachfrage der LDZ bestätigt man im Kreishaus, dass das Problem bis nach Hildesheim gedrungen sei. „Es wurde bereits reagiert und eine zusätzliche Ausschilderung angeordnet“, erläutert der Fachdienstleiter für Straßen und Verkehr, Rüdiger Garbsch. Auch in Wülfingen werde ein zusätzliches Lkw-Verbotsschild angeordnet. Dieses komme direkt an die Abzweigung auf die L 461/B 3 in der Ortsdurchfahrt Wülfingen von Süden. Zudem sei die Polizei auch seitens der Straßenmeisterei Gronau um verstärkte Überwachung der Einhaltung der Anordnungen gebeten worden. In Wülfingen wird man sicher mit Argusaugen beobachten, ob sich etwas ändert. Und wenn nicht? „Auf der Leinestraße ist kein Parkverbot. Vielleicht stellen wir ein paar Fahrzeuge am Fahrbahnrand ab. Dann ist eben alles dicht“, kommen bereits Überlegung zu Aktionen des „zivilen Ungehorsams“ auf.

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