Interessierte Sehlder schauen sich ihr heimatliches Areal genauer an / Wasser spielt schon immer eine große Rolle

Gruselgeschichten an der Grenze

Grenzbegehung in Sehlde: 21 Männer und Frauen sowie zwei Hunde schauen sich die heimatlichen Gefilde an, und hören lustige und spannende Geschichten. Fotos: Corcilius

SEHLDE Zweimal musste sie verschoben werden, aber in diesem Jahr hat es endlich geklappt: An der ersten Grenzbegehung seit 2009 nahmen alteingesessene Sehlder, Neubürger und sogar ein Ehepaar aus Gronau teil. Insgesamt wanderten 21 Personen zwischen fünf und 75 Jahren und zwei Hunde die südöstliche Grenze der Gemarkung Sehlde ab.

Sie waren der Einladung von Ortsvorsteher Christian Kroll und Birgit Opitz vom Heimatverein gefolgt und ließen sich auf der gut dreistündigen Wanderung mit vielen Details aus Vergangenheit und Gegenwart unterhalten. Unterwegs erfuhren die Teilnehmer unter anderem, dass Sehlde im Juni 2014 472 Einwohner zählte, nach dem Ersten Weltkrieg 41 Bauern hatte und heute noch vier Haupterwerbliche. „Der Sehlder an sich ist offen und freundlich, bietet viele Aktionen an, sucht immer einen Grund zum Feiern und kabbelt sich gerne freundschaftlich mit seinem Nachbarn Mehle“, wie Sandra Bürger und Sabine Garve unter Zustimmung der anderen Teilnehmer aus dem Dorf ihre Mitbürger charakterisierten. Vom Gelände des 1934 errichteten Schießstandes ging es über die „Riehe“, einem durch eine NS-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme entstandenen Überlauf der Saale, auf Mehle zu. Die Gemarkungsgrenze zwischen Sehlde und Mehle verläuft mitten durch die Saale, die im Lauf der Jahre mehrfach begradigt wurde. „Allerdings hat Sehlde seit 1878 einen Brückenkopf in Mehle“, wie Kroll belustigt feststellte. Damals wurde dem Gutsbesitzer Lauenstein gestattet, zwischen den Orten eine Privatbrücke zu bauen. Der alte Grenzstein beweist die Tatsache. In Höhe der Mehler Tennisplätze erinnerte sich Birgit Opitz an die frühere Mehler Badeanstalt mit dem eiskalten Saalewasser, das auch die Sehlder besuchten, seitdem ihr Freibad geschlossen wurde. Seit der jüngsten Flurbereinigung sind die beiden vormaligen Stichstraßen durch eine neu errichtete Brücke verbunden, so dass man jetzt von Mehle direkt zur Saalemühle gelangen kann, wie Werner Wente auf dem Weg dorthin erklärte. Die Grenze zwischen Elze und Sehlde verläuft zwischen dem Bahnwärterhäuschen (Elze) und der Mühle (Sehlde). Die Mühle war bis in die 1960er Jahre in Betrieb, und bis vor kurzem wurde hier Strom erzeugt. Den Zuschlag zur ersten Stromversorgung Sehldes 1908 erhielt damals aber die Elzer Familie Gramann. 1751 führte eine eheliche Auseinandersetzung zur Tragödie auf der Saalemühle: Die Frau des Müllers erschlug ihren Mann mit einem Tonkrug. Nachdem der Tote in Elze seziert worden war, wurde er in Mehle begraben. Das duldeten die Sehlder nicht, sie buddelten den Leichnam in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ aus und beerdigten ihren Müller in Sehlde. Bis in die 1990er Jahre betrieb die Familie Fiedler hier ein renommiertes Restaurant, in dem die „Scorpions“ Stammgäste waren. Der weitere Weg führte zur ergiebigen Wellbornquelle die das Dorf mit eigenem Trinkwasser versorgt. Durch die tiefste Stelle des Altkreises Alfeld und vorbei am Landschaftsschutzgebiet „Sehlder Bruch“, dem größten zusammenhängenden Feuchtgrünlandgebiet des Landkreises mit Niedermoor und vielfältiger Flora und Fauna, ging es zurück in den Ort.

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