Zehntklässler der Oberschule verlegen den Sportunterricht ins Fitnessstudio

Gerätetraining statt Geräteturnen

Zumba statt Fußball: Lehrerin Annabell Schedewy (links) und ihre Schützlinge vom Profilkurs Sport der Kürger-Adorno-Schule haben aus der Not eine Tugend gemacht. Weil der Sportunterricht angesichts von nur fünf Schülern im Kurs zu eintönig ist, steht nun einmal wöchentlich das abwechslungsreiche „Sporteln“ im Fitnessstudio auf dem Programm. Fotos: Appel

Elze „Zweieinhalb gegen Zweieinhalb? Da funktioniert noch nicht einmal Fußball“, sagt Annabell Schedewy. Sie ist Lehrerin an der Krüger-Adorno-Schule in Elze und unterrichtet unter anderem den Profilkurs Sport der Zehntklässler. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Doch anders als man meinen könnte, fehlen in diesem Fall für den adäquaten Sportunterricht nicht die Kapazitäten einer Sporthalle, sondern die Schüler.

„Im vergangenen Schuljahr waren es noch zehn Schüler im Kurs. Doch zu diesem Schuljahr hat es sich halbiert“, verdeutlicht die Pädagogin. Was tun, mit nur fünf Jugendlichen? „Mannschaftssportarten sind schwierig“, nennt die Lehrerin einen Grund dafür, warum der Sportunterricht für die eine Handvoll Schüler zunehmend langweiliger wurde.

Der Profilkurs ist zwar ein Wahlfach, hat aber den Charakter eines Hauptfaches. Das bedeutet vier Stunden Unterricht pro Woche. Zwei der vier Stunden sind für die Praxis vorgesehen. „Aber die Motivation zuletzt war nur noch gering“, umschreibt die Lehrerin, dass der eine oder andere aus dem Schüler-Quintett gern auch mal die Sportsachen zu Hause „vergessen“ hat.

Um der zunehmenden Eintönigkeit beim Sportunterricht etwas entgegenzusetzen, schlug die junge Lehrerin einen neuen Weg ein: Im Rahmen einer Kooperation mit dem Fitnessstudio „Workout“ in Elze gehen die Zehntklässler einmal die Woche an die Schmiedetorstraße zum Sporteln. „Zunächst besteht diese Kooperation das ganze erste Schulhalbjahr, also bis Anfang Februar“, berichtet Schedewy.

Sowohl für die Lehrkraft als auch das Gros der Schüler ist das Programm des Fitnessstudios etwas Neues – und schon allein aus diesem Grund bestens dafür geeignet, die Zehntklässler aus der Reserve zu locken. „Die meisten haben noch nie in einem Fitnessstudio trainiert und sind motiviert, hier reinzuschnuppern und die verschiedenen Sachen auszuprobieren“, beschreibt die Lehrerin die ersten „Gehversuche“ der Zehntklässler. „Neben der Gerätearbeit besuchen wir verschiedene Kurse wie zum Beispiel Zumba oder Indoor-Cycling.“ Die Schüler können im Fitnessstudio eigenständig auswählen, womit sie sich heute beschäftigen wollen. Damit beispielsweise beim Training an den Geräten alles so abläuft, wie es soll, steht der kleinen Gruppe an Oberschülern mit Saskia Roft für die ganze Zeit eine „eigene“ Trainerin zur Seite. Gerade in Sachen Körperhaltung und Ausführung ist die professionelle Begleitung Gold wert.

„Vielseitiger“

Die beiden Jungen und die drei Mädchen des Profilkurses sind von der neuen Art des Sportunterrichts angetan. Das selbstständige „Sporteln“ kommt an. „Im Fitnessstudio ist es deutlich besser. Allein schon, weil man so viele verschiedene Sachen ausprobieren kann. Von der Koordination bis hin zum Muskelaufbau – es ist einfach vielseitiger“, sagt Kursteilnehmer Darian während er sich unter Anleitung der Trainerin durch die Gerätelandschaft arbeitet.

Aus dem Nachbarraum dringen derweil rhythmische Klänge: Dort ist ein Zumba-Kursus mitten im lebhaften Training. Auch die Altersgenossen von Darian und Lehrerin Annabell Schedewy haben sich unter die Fitness-Tänzer gemischt, die Aerobic mit lateinamerikanischen sowie internationalen Tänzen kombinieren. „Sogar die Jungs haben schon beim Zumba mitgemacht“, gibt Schedewy ein Beispiel dafür, dass die Schüler den Angeboten gegenüber aufgeschlossen sind. Das Fazit der Pädagogin: „Das Modell ist eine absolute Bereicherung.“ Eine, die sich an der Schule auch schon herumgesprochen hat. So zeigten auch jüngere Jahrgänge schon Interesse am Sporteln im Fitnessstudio.

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