Mitgliederschwund bei Parteien: CDU sucht händeringend Nachwuchs / SPD konstant / UWE wächst in kleinen Schritten

Die Genossen in Elze trotzen dem Trend

Anders als im Bundesland: In Elze sind die Sozialdemokraten vom Mitgliederschwund verschont geblieben und stellen die mitgliederstärkste Partei dar. Die CDU beklagt hingegen einen Abwärtstrend. Die Unabhängigen Wähler sind in Elze dritte Kraft. Foto: Appel

ELZE Niedersachsens Parteien laufen Mitglieder davon: Bis Ende September sank die Zahl der SPD-Mitglieder auf 60 400 – ein Jahr zuvor waren es noch 61 900. Niedersachsens mitgliederstärkste Partei bleibt die CDU, bei der die Zahl der Parteigänger allerdings um rund 2 100 auf 64 657 Mitglieder sank. Die LDZ hat sich umgehört, inwieweit dieser Trend auch den Parteien in Elze zu schaffen macht.

„Wir sind überaltert und finden keine jungen Leute, die nachrücken“, bringt es die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Birgit Freifrau von Cramm, auf den Punkt. 45 Mitglieder zählen die Christdemokraten in der Saalestadt und den Ortschaften zur Zeit. Tendenz fallend. Denn Neumitglieder verzeichnete die CDU in den vergangenen Jahre nur sehr vereinzelt. Es sei eine Entwicklung, wie sie auch in den meisten Vereinen zu beobachten sei, erläutert von Cramm: „Die Leute meckern nur noch. Selbst einmal Initiative zu ergreifen, das möchte aber keiner.“ Die Kommunalpolitikerin vermutet zudem, dass sich ein möglicher Verdruss über die Bundespolitik bei dem einen oder anderen Bürger nicht nur in der vielzitierten Wahlmüdigkeit, sondern auch in Politikverdrossenheit vor Ort niederschlägt. Obwohl die Alternative für Deutschland (AfD) bundesweit für Furore gesorgt und auch in Niedersachsen entgegen dem Trend an Mitgliedern zugelegt hat, glaubt von Cramm nicht, dass die noch relativ junge Partei auch in Elze Politikinteressierte von der CDU abgreift.

„Wir versuchen stets, junge Leute anzusprechen und zum Mitmachen zu motivieren“, betont von Cramm. Zudem lobt die 68-Jährige die Bemühungen der Jungen Union. Das Problem: „Zum Studium ziehen die Jungen dann weg.“

„Ich hoffe, dass ich mal jemanden motivieren kann, sich bei der nächsten Wahl für ein Amt aufstellen zu lassen“, so von Cramm. Ein jüngerer Christdemokrat als Ratsherr etwa könnte dann womöglich auch ein Beispiel für andere sein, dass sich politisches Engagement lohne. Denn dass der eine oder andere Posten auf jüngere Nachfolger wartet, daran lässt von Cramm keine Zweifel. „Wenn ich einen jüngeren Nachfolger hätte, würde ich zurücktreten.“

Deutlich anders stellt sich die Situation bei den Sozialdemokraten in der Saalestadt dar. Nicht nur, dass die Genossen in Elze – anders als im Bundesland – die mitgliederstärkste Partei darstellen: Michael Falke, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes, berichtet zudem von seit Jahren konstanten Mitgliederzahlen, die sich um die Marke von 147 Genossen bewegen. Abgänge, etwa durch Todesfälle oder Wegzug, werden durch Neueintritte ausgeglichen. Das Rezept der Sozialdemokraten stellt sich vielschichtig dar: Die „eingeschworene Truppe“ und der Mix aus „Neuen und Erfahrenen“, nennt Falke zwei Punkte. Einen wichtigen Anteil hätten zudem die zahlreichen Veranstaltung – von der Braunkohlwanderung bis hin zur politischen Debatte – bei denen alle miteinander ins Gespräch kämen.

Pegida schlägt Freibad

Auch Falke weiß, dass sich bundespolitisches Geschehen vor Ort niederschlägt. „Das Thema Pegida ist bei vielen zur Zeit sicher präsenter als die Freibadsanierung.“ Beispielsweise durch öffentliche Vorträge und Diskussionsrunden versuche man, „nicht locker zu lassen“. „Ich halte so etwas für wichtig, um vor Ort zu informieren.“ Ein weiterer Punkt sei, dass der Kontakt zu „großen“ Parteipolitikern ausgeprägt und mit Leben gefüllt sei. „Das interessiert die jungen Leute“, so Falke. Selbstverständlich sei auch die Jugendarbeit in Form der Jusos „gut und wichtig“. Weniger, um junge Menschen an die Partei zu binden, sondern viel mehr, um sie generell für politische Themen zu interessieren. „Ein Problem, die Liste voll zu kriegen, haben wir nicht“, sagt Falke mit Blick auf die Kommunalwahl 2016. „Wir wollen nicht nur sehr frühzeitig aktiv werden, sondern auch einige Leute aufstellen, die noch keiner kennt.“

Die drittstärkste politische Kraft nach Mitgliedern in Elze ist die Unabhängige Wählergruppe (UWE). Rund 30 Elzer versammeln sich unter dem Dach der UWE, die sich selbst auch als eine Art Bürgerinitiative sieht. „Wir haben verschiedene politische Strömungen bei uns. Unser Fokus liegt auf Elze. Und das wird anerkannt“, sagt der Sprecher und zweite Vorsitzende der UWE, Michael Röver. Entsprechend gehe die Mitgliederzahl „stetig nach oben – wenngleich aus niedrigem Startniveau und nicht steil, sondern in kleinen Schritten“. So habe die UWE seit der zurückliegenden Kommunalwahl 2011 die Anzahl der Mitglieder nahezu verdoppelt. Anders als die beiden lokalen Vertreter der großen Volksparteien unterliegen die Unabhängigen in der Wahrnehmung nicht den Stimmungen, die die große Bundes- oder Landespolitik verursachen. „Wir müssen uns nicht verbiegen, sondern können rein sachbezogen entscheiden“, sagt Röver. Allerdings: Ohne großen Verband im Rücken fehlen auch die Mitglieder, die bereits seit Jahrzehnten – quasi aus Tradition – eine Partei unterstützen.

Lust auf Politik wecken

Ein probates Mittel, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und um für Unterstützung zu werben, sei das Bürgerbüro an der Hauptstraße. „Das wird gut angenommen“, so Röver. So könne man die Belange der Bürger mit in den Rat nehmen – und zugleich als Alternative zu den etablierten Parteien wahrgenommen werden. Um herauszufinden, welche Themen die jüngeren Elzer interessieren, haben die Unabhängigen ihre eigene Jugendorganisation – die Juwe – ins Leben gerufen. Neben der Aufgabe als Ideen-Plattform für 14- bis 20-Jährige komme der Juwe eine weitere Funktion zu: „Wir wollen junge Menschen für Politik interessieren und Lust wecken, selbst mitzumachen.“

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