Per Schauspiel zu gegenseitigem Respekt finden: Kursus zur Gewaltprävention in Elzer Krüger-Adorno-Schule

Gemeinsam gegen den „Egotrip“

Was gibt es da zu lachen? In Standbildern lernen die Schüler Selbstbeherrschung, Disziplin und Konzentration: Schauspielerin Christiane Hess (links) gibt genaue Anweisungen. Fotos: Vogelbein

ELZE „Auf den Schülern lastet heutzutage ein enormer Druck“, stellt Christiane Hess fest. Die Theaterpädagogin aus Hannover ist zu Gast an der Krüger-Adorno-Schule, um im Rahmen der Gewaltpräventionswoche den Schülern „mit Spaß“ Respekt und Disziplin näher zu bringen.

Der lässig um den Hals gewickelte Schaal ist keine Schauspielermarotte, sondern eher der Gesundheit geschuldet, erklärt die Theaterpädagogin. Ihre Stimme hat sie jedoch fest im Griff, genau so wie die siebten und achten Klassen der Krüger-Adorno-Schule. Mit einfachen Methoden aus der Schauspielkunst übermittelt sie eine wichtige Botschaft: „Im Theater und im Leben seid ihr füreinander Verantwortlich.“ Deutlich wird das, als Christiane Hess Standbilder in Gruppen ausführen lässt. Mit einem einfachen Schlag auf eine kleine Handtrommel erstarren die Schüler in ihrer aktuellen Bewegung. „Das fordert körperliche Beherrschung, aber auch Disziplin und insbesondere Konzentration“, so Christiane Hess. Außen herum kichern die Mitschüler, die Standbilder lassen sich davon aber nur schwer aus der Ruhe bringen.

„Jetzt nicht lachen“

„Das ist gar nicht so einfach, sich zu beherrschen“, berichten im Anschluss beide Seiten – Standbildspieler und „Kicherer“. Zum Abschluss zeigten dann alle gemeinsam verschiedene Standbilder, darunter insbesondere Emotionen und spontane Situationen. Durch die Übertreibung im Schauspiel kommen verschiedene Mimiken und Haltungen deutlicher zum Vorschein, erklärt Hess. Emotionale Zustände seien so deutlicher zu erkennen. Auffällig sei dabei, dass die Schüler immer lockerer werden und den stressigen Alltag im Laufe des Vormittags hinter sich lassen. „Wir leben in einer Zeit, in der es für die Schüler und Lehrer nur noch Schlag auf Schlag geht“, erklärt Christiane Hess ihre unkonventionelle Herangehensweise. So sei es auch ihr Ziel, dafür zu sorgen, dass der Kursus den Schülern in der Hauptsache Spaß bereite. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Schüler mir am Ende des Tages die goldenen Regeln der Gewaltprävention auswendig rauf und runter erzählen können“, so Hess, „aber ob sie sie dann auch umsetzen, ist die andere Frage.“

Darum wählt die gelernte Schauspielerin den Weg über die Theaterbühne zu den Kindern. Auffällig: Am gesamten Vormittag nimmt sie nicht einmal das Wort „Gewalt“ in dem Mund. Viel wichtiger ist ihrer Ansicht nach der Begriff „Miteinander“, um ihre Botschaft zu vermitteln: „Wenn 19 Leute ein Standbild super toll machen, aber nur einer zappelt, ist das ganze Bild hinüber“, verdeutlicht Christiane Hesse. Eine schwierige Aufgabe, wenn gleichzeitig um einen herum gelacht und getuschelt wird. Es geht also auch um Respekt untereinander und Verantwortung füreinander zu übernehmen. „Das geht nur gemeinsam, der Egotrip funktioniert hier nicht“, betont Christiane Hess. Denn sonst fällt das gesamte Bild in sich zusammen.

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