Prominenter Bergmannssohn löste mit Fund von freifließendem Erdöl in Wietze Boom aus / Urenkel findet Dokument

Gebürtiger Mehler wird zum „Ölbaron“

Erinnerungen werden wach: Wolf-Rüdiger Hasenbein mit dem alten Stammbuch der Familie. Foto: Kuhlemann

MEHLE / WIETZE Einer der deutschland- und weltweit bekanntesten Einwohner der Ortschaft Mehle ist „Ölbaron“ Friedrich Hasenbein. Was viele nicht wissen: Der am 18. November 1841 geborene Sohn einer Bergmannsfamilie war erst im Steinkohlebergbau tätig, ehe er nach Gründung einer eigenen Bohrfirma in der Heide auf freifließendes Erdöl stieß und damit einen wahren Ölboom auslöste, der den Ort Wietze zum „deutschen Dallas“ werden ließ. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang dauerte die Erdölförderung in der Gemeinde an, bis Anfang der 60er Jahre das Wietzer Ölfeld stillgelegt wurde.

Im Erdölmuseum von Wietze gibt es Fotos und Berichte zu Friedrich Hasenbein. Zu sehen gibt es auch eine Büste des Mannes, der nach seiner Rückkehr aus Amerika am 1. November 1901 in Sehnde gestorben ist. An die Geschichte des Erdölförderers erinnert sich dessen Urenkel Wolf-Rüdiger Hasenbein, der in Nordstemmen als Geschäftsführer die Elektrofirma Scharnberger und Hasenbein leitet. Hasenbein war bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden auf ein Familien-Stammbuch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gestoßen, in dem seine Vorfahren aufgeführt sind – und dementsprechend auch sein Urgroßvater Friedrich Hasenbein, der in Mehle geboren wurde. „Natürlich haben wir in der Vergangenheit im Familienkreis oftmals über unseren bekannten Vorfahren gesprochen, doch alles war irgendwie in Vergessenheit geraten. Jetzt sind die Erinnerungen wieder wachgerüttelt“, sagt Wolf-Rüdiger Hasenbein beim Anblick des Dokuments.

Wie die Aufzeichnungen im Museum belegen, hatte vor Friedrich Hasenbein bereits Geologie-Professor Georg Christian Konrad Hunäus 13 Bohrungen von der königlich Hannoverschen Regierung absegnen und finanzieren lassen, um nach Kohle, Erz, Salz und Kalkstein zu suchen. Gefunden wurde bei den von April 1858 bis zum Mai 1859 währenden Bohrungen jedoch klebriges, schwarzes Öl. Für das schmierige Zeug interessierte sich damals kaum jemand, denn die Verwendungsmöglichkeiten waren noch recht begrenzt.

Das sollte sich ändern. Hasenbein, der 1877 eine eigene Tiefbohrfirma gegründet hatte, entwickelte aufgrund seiner Leistungen und Erfolge ein bedeutendes Unternehmen, das bis zu zwölf Bohranlagen besaß und im In- und Ausland nach Salz und Erdöl bohrte. 1898 bohrte Hasenbein im Auftrag des Industriellen Adalbert Keysser erstmals nördlich des Flusses Wietze auf der so genannten „Teufelsinsel“ – und hatte Erfolg. Er stieß in etwa 140 Metern Tiefe auf Erdöl, das mehrere Wochen lang frei ausfloss. Schnell sprach sich herum, dass der Bohrmeister auf eine eruptive Erdölquelle gestoßen war. Der entstandene Ölboom veränderte Wietze innerhalb weniger Jahre, indem die gesamte Infrastruktur auf die Erdölförderung ausgerichtet wurde. Das Vorkommen des „Schwarzen Goldes“ in Wietze war so reichhaltig, dass zwischen 1908 und 1910 etwa 80 Prozent der gesamten Inlandsnachfrage in Deutschland durch Wietzer Erdöl gedeckt wurde. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang dauerte die Erdölförderung in der Gemeinde an, bis das Wietzer Ölfeld 1963 stillgelegt wurde. An Friedrich Hasenbein erinnern nicht nur die Exponate im Erdölmuseum, sondern auch eine Straße namens „Bohrmeister-Hasenbein-Weg“, die im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, wie Wolf-Rüdiger Hasenbein stolz berichtet. „Mein Großvater, der Bauer war, hat mir viele Geschichten von seinem Vater berichtet. So zum Beispiel dass der nach den Erfolgen in Deutschland nach Amerika ausgewandert ist. Dort habe er sich ebenfalls an Ölbohrungen beteiligt und immer wieder Geld nach Hause geschickt. Wir Nachfahren haben leider nichts mehr davon, denn mein Urgroßvater ist als armer Mann nach Sehnde zurückgekehrt, und seine Firma wurde während der Nachkriegsjahre 1921 aufgelöst“, weiß Wolf-Rüdiger Hasenbein aus Erzählungen. Dafür und für einige Dokumente gibt es bereits eine Anfrage vom „Dorfarchiv Mehle“, wie Hasenbein informiert. Er werde gerne etwas zur Dorfgeschichte beitragen, so der Nordstemmer mit dem bekannten Vorfahr aus Mehle...

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