Sehlder Heimatverein forscht zur Geschichte der Gaststätten im Dorf / Info-Tafeln mit QR-Codes geben vor Ort Auskunft

Wo früher getrunken und gelacht wurde

Heute stehen keine Pferdekutschen mehr vor dem inzwischen reinen Wohnhaus, sondern Gefährte mit deutlich mehr Pferdestärken. Mit einer Tafel an der Hauswand informiert der Heimatverein zur Geschichte der früheren Gaststätte.

Sehlde Wer in Sehlde etwas zu feiern hat oder eine Veranstaltung abhalten möchte, kann zwar Räume im Dorfgemeinschaftshaus oder dem Schützenhaus anmieten – eine Gaststätte allerdings gibt es in der Ortschaft seit Juli 2012 nicht mehr. Damals schloss der „Dorfkrug“ und damit die letzte Gaststätte in Sehlde die Pforten. Dabei erfreuten sich die Sehlder einst an einer kleinen und feinen Gaststätten-Vielfalt, wie die jüngste Forschungsarbeit der Geschichtsgruppe des Heimatvereins erahnen lässt.

Die Historie von drei Gaststätten haben die Heimatkundler, insbesondere Birgit Opitz und Friedrich Dreyer, weitestgehend recherchiert und festgehalten. Anhand von Archivunterlagen erstellen die Dorfhistoriker eine Art „Bestandsaufnahme“ von einzelnen Häusern und Höfen in Sehlde, recherchieren wer wann wo wohnte, welcher Hof in wessen Hände fiel und vieles mehr. „Dabei sind wir auch auf die Gaststätten gestoßen“, berichtet Opitz.

Mitte 19. Jahrhundert

Die ersten Nachweise von Gastwirtschaften in Sehlde stammen demnach aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. August Strube hatte ein Haus an der Straße nach Eime gekauft und dort eine Gaststätte eingerichtet, die – mit wechselnden Besitzern – bis 1993 bestand. Eine weitere Gaststätte bekam Sehlde 1865 am östlichen Ortsausgang. Ludwig Hohnschopp erwarb das Haus und erhielt eine Schankkonzession. Diese Gastwirtschaft bestand, auch wieder mit wechselnden Besitzern, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Außerdem gab es im Dorf mehrere Flaschenbier-Verkaufsstellen, von denen eine, die am Gänsekamp, nach dem Zweiten Weltkrieg von Albert Arnemann zur Gaststätte ausgebaut wurde. Zahlreiche Artikel und Anzeigen aus der Niedersächsischen Post/Elzer Zeitung haben Opitz und Co. zusammengetragen, die bezeugen, welch großen Stellenwert die Gaststätten im öffentlichen Leben der Sehlder hatten. Größere Veranstaltungen der Sehlder Vereine wie beispielsweise Schützenfeste wurden von den Gastwirten im Wechsel ausgerichtet. Auch die Kirche und der Gemeinderat nutzten für ihre Versammlungen gern die Nebenräume der Gaststätten. Darüber hinaus zeugen die Zeitungsberichte und Bekanntmachungen von den Höhen und Tiefen der einzelnen Gaststätten und den teils rasch aufeinander folgenden Besitzerwechseln.

Neben den Blicken ins Archiv trugen mündliche Informationen von vielen Dorfbewohnern dazu bei, den Werdegang der Gasthäuser zu rekonstruieren. „Besonders viel Hilfe bekamen wir von den heutigen Besitzern der Gebäude wie die Familie Ohlen, Burghardt und Gassmann“, berichtet Opitz.

QR-Code

Um auf die Geschichte der Gaststätten aufmerksam zu machen, Interessierten an den Gebäuden Hintergrundinformationen und einen Eindruck davon, wie die Gebäude einst ausgesehen haben, zu bieten, hat der Heimatverein jüngst Info-Tafeln aufgestellt beziehungsweise angebracht. Der Clou an den Info-Tafeln an den Gebäuden der früheren Gaststätten Strube/Oberheim (Eimer Straße) und Hohnschopp/Haase (Wellbornstraße): Die gesammelten Bilder und Daten sind nicht nur auf der Schautafel zu sehen, sondern auch weitere Einzelheiten im Internet. Per QR-Code, der auf den Tafel ist, können Interessierte per Smartphone-App direkt vor Ort die weiterführenden Texte und Fotos im Internet aufrufen.

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