Yvonne Kindel entdeckt in ihrem Garten am Hanlah eine Zweifarbfledermaus / Erst das sechste Exemplar im Landkreis

„Flapsi“ ist eine echte Seltenheit

Ein seltenens Exemplar: „Flapsi“ zeigt sich als wehr- und lebhaftes Tier. Fotos: Mosig

ELZE Es ist ein Sensationsfund, den Yvonne Kindel in ihrer Gartenlaube gemacht hat: Unter dem Radio hatte sich eine Zweifarbfledermaus versteckt.

„Das ist erst das sechste Mal, seit wir Daten erfassen, dass eine Fledermaus dieser Art im Landkreis gesichtet wurde“, freut sich der Fledermausbeauftragte des Landkreises, Karsten Passior. Zweifarbfledermäuse zeichnen sich durch ihr Rückenfell aus. Es ist braun mit silbernen Spitzen. „Sie ist eigentlich in Asien verbreitet, Europa ist die westliche Verbreitungsgrenze“, sagt der Fledermausexperte. Noch nie wurden im Landkreis Jungtiere oder Weibchen entdeckt, ergänzt Ehefrau Anja: „Leider auch diesmal nicht.“ Das Ehepaar suchte das Haus am Hanlah, wo der Insektenfresser gefunden wurde, nach Anzeichen eines Quartiers ab. „Hier ist aber nichts Akutes“, so Passior, was aber nicht weiter verwunderlich sei: „Zwischen Jagdgebiet und Quartier liegen mitunter 40 Kilometer.“ Der Fledermausbeauftragte weist darauf hin, dass diese Art besonders durch den Flügelschlag von Windkraftanlagen gefährdet ist. Jetzt wird untersucht, ob das Tier unverletzt ist und ob es fliegen und landen kann, ehe es wieder in die Freiheit entlassen wird. Agil ist die Fledermaus, die bereits den Namen „Flapsi Elze“ erhalten hat, auf jeden Fall. Als Passior das Tier aus der Schachtel holte, offenbarte es die typischen Eigenschaften: „Zweifarbfledermäuse sind lebhaft und wehrhaft.“

Mutter gesucht

Es ist nicht der einzige spektakuläre Fund, der in der Region getätigt wurde. Bereits am Donnerstag wurde in der Wassertorstraße in Eime eine drei Tage alte Zwergfledermaus gefunden, die wohl von der Mutter beim Quartierwechsel verloren wurde. Besonders traurig: Fledermäuse bekommen nur ein Jungtier, vornehmlich im Juni. Deshalb setzen die Passiors darauf, dass die Mutter zurück nach Eime kommt und das Baby einsammelt. „Mütter erkennen ihre Kinder an der Stimme“, sagt Anja Passior-Schrader. Am Donnerstagabend hatten sie bereits ein „anfliegendes Tier“ in Eime beobachtet, Erfolge gab es nicht zu verzeichnen. Das 1,2 Gramm schwere Tier ist auf die Muttermilch angewiesen: „Wenn wir es nicht wieder auswildern, können wir versuchen, es selbst aufzuziehen, aber dann ist die Überlebenschance sehr gering. Es braucht die erste Milch.“

Fledermäuse stehen seit 1984 unter strengem Naturschutz. „Man darf sie nicht besitzen, weder tot noch lebendig“, sagt Passior. Wer ein Exemplar findet, sollte sich deshalb an den Beauftragten des Landkreises unter der Telefonnummer 05069/8060999 wenden.

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