„„Elze im Zweiten Weltkrieg“: Herausgeber Werner Beermann dankt der großen Zahl an Mitstreitern

Erinnern, Mahnen und Versöhnen

Werner Beermann, Herausgeber und Initiator des Buches zum „Zweiten Weltkrieg in Elze“, zeigt das Bild einer Zwangsarbeiterin und ihrer Söhne. Fotos: Corcilius

Elze Zwei Kinder haben einen Blindgänger gefunden und posieren mit ihrer Trophäe für ein Foto: ein kleiner Junge balanciert auf der Bombe und seine ältere Schwester hält ihn fest. Das Foto, wahrscheinlich im Winter 1945 aufgenommen an der Ecke Sedanstraße/Sehlder Straße, zeigt ein Stück absurde Alltäglichkeit des Krieges.

Jetzt prangt die alte Schwarz-Weiß-Aufnahme auf dem Einband des neuen Buches, das als Heft 13 der Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsverein unter Federführung von Werner Beermann ganz frisch erschienen ist: „Elze im 2. Weltkrieg – Menschen erinnern sich“. Es sei ein schwieriges, aufwühlendes Thema, das sie heute Abend ihren Gästen vorsetzten, sagte Astrid Schwarze als Vorsitzende bei der Präsentation des Werkes. „Erinnern – Gedenken – Mahnen – Versöhnen“ sind als Intention der Herausgeber und Autoren dem Vorwort vorangestellt. „Über Versöhnen kann Heilung stattfinden“, hofft die Vorsitzende. 70 Jahre nach Kriegsende hat der Verein Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, die mit ihren Erinnerungen ein Bild der Kriegsjahre in Elze nachzeichnen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit bestehe nicht, außerdem seien die Themen ausgeklammert, die schon publiziert wurden.

Fotos und Dokumente

Werner Beermann als Herausgeber und Initiator zeigte sich glücklich, eine große Anzahl Mitstreiter gefunden zu haben, die das Projekt durch Beiträge in Form von Aufsätzen und das Bereitstellen von Fotografien und Dokumenten möglich gemacht haben. Aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln wird das Thema „Krieg in Elze“ dadurch beleuchtet: Die Bombenabwürfe und Luftangriffe hat David Wendland zusammengestellt; es gibt lebendige Beiträge aus Sicht des Kindes (Sigrid Weiberg; Jürgen Huck) und der Jugendlichen (Johanna Röver); anhand von Ausweispapieren (etwa Kennkarte, Arbeitsbuch) wird das Leben von den drei gefallenen Söhnen der Familie Gauert plastisch („Schreiben Sie über die drei Jungens, dann vergisst man ihren frühen Tod nicht“). Beinahe täglich hatte Werner Niepoth Feldpostbriefe nach Hause geschickt, die seinem Sohn Klaus, der die Korrespondenz nach dessen Tod im Nachlass gefunden hat, erst die „volle Härte der Kriegserlebnisse meines Vaters“ vor Augen führte. Es sind Tagebuchnotizen veröffentlicht über die letzten Kriegstage in Elze von Helene Niepoth „Alles blüht und grün im Vordergarten und die Menschen müssen sich gegenseitig die Köpfe einschlagen“ (7.4.1945) und Stephan Smulczynski aus Sehlde „Erinnerungen an meine Kriegsdienstzeit von 1940 an“.

Neugierig geworden durch die polnisch und russisch klingenden Namen auf einigen Grabsteinen auf dem Elzer Friedhof begann Jürgen Sempf seine Nachforschungen über die Zwangsarbeiter. „Es hat mich bewegt, dass man sich hier in Elze dem Thema nicht gestellt hat. Darüber wurde nicht geredet. Es gibt nicht mal ein Schild, das auf die Grabstätten hinweist“, kommentierte er seinen Beitrag. Briefe und Fotografien geben Aufschluss, was die Elzer zuhause, an der Front und in der Kriegsgefangenschaft erlebt hatten, wie die Kaufmannsfamilie Helmer oder Heinrich Waßmann aus Mehle. Ein Abschnitt des Buches ist der Perspektive der Zwangsarbeiter gewidmet. Die Brüder Sonnemans aus Venlo, Niederlande, verbrachten einige Zeit in Mehle, wo sie auf der Flucht Unterschlupf gefunden hatten. Als letzter formuliert Ekkehard Domning, Hildesheim, von der Initiative „Vernetztes Erinnern“ seine „Gedanken über das Verbrechen an Zwangsarbeitern“.

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