Historische Figuren berichten / Stadtführung mit Annette Jander und Ingrid Hoffmann lockt Rekord-Besucherzahl an

Mit der Elzer Posthalterin unterwegs

Am Waschplatz: Die Magd (Ingrid Hoffmann) reinigt die Tücher ihrer Herrschaft. Fotos: Corcilius

ELZE Heutzutage wären sie vielleicht Freundinnen gewesen. Schließlich wohnten sie nur ein paar Häuser voneinander entfernt und altersmäßig trennten sie nur drei Jahre. Die Posthaltergattin Henriette Sander wurde 1801 geboren, die Magd Sophie Catharina Büscher 1804. Damals kannten sie einander möglicherweise nicht einmal. Vielleicht gehörte aber Henriette Sander zu den 30 000 Personen, die bei der volksfestartigen Hinrichtung der Brandstifterin im Papendahl zugegen war. Bei der Stadtführung, die am Sonntag eine Rekordzahl von Gästen anlockte, traten die beiden historischen Figuren gemeinsam auf und erzählten aus ihrem Leben.

„Henriette und Sophie sind ein Team“, erklärt die Elzer Stadtführerin Annette Jander, die 2010 die ersten Führungen anbot und schnell merkte, dass die Leute Kostümführungen lieben. Also holte sie sich Kollegin Ingrid Hoffmann aus Hildesheim ins Boot, mit der sie die Ausbildung zur Gästeführerin absolviert hatte. Hoffmann übernahm die Rolle der einfältigen Magd Sophie Büscher, die als uneheliche Tochter eines Müllers ihr kurzes Leben immer für alle Missgeschicke als Schuldige herhalten musste. Bis sie eines Abends im Herbst 1824 ihrem Ärger über die ständigen Anschuldigungen Luft machte, indem sie ein kleines Feuerchen in Ebelings Scheune anzündete – das zur größten Brandkatastrophe in Elze wurde.

Nach einer zweijährigen Pause hat Annette Jander wieder eine offene Stadtführung angeboten. Es war, als hätte die Leute nur darauf gewartet, denn es strömten immer mehr Menschen auf den Marktplatz, die an dem zweistündigen Rundgang teilnahmen wollten. Zwölf Personen hatten sich angemeldet, 27 Eintrittskarten hatte Jander vorbereitet, und den anderen Teilnehmern konnte sie nur bedauernd sagen, dass ihr die Eintrittskarten ausgegangen sind. So folgten schließlich 50 Personen der Posthalterwitwe Henriette Sander vom Lutherdenkmal in die Kirche, stiegen die Stufen beim Rolanddenkmal hinunter auf den Rolandplatz, wo sich einstmals das Rittergut III befand, folgten den Gassen, die als Feuerschneisen nach den großen Bränden angelegt wurden zur Untermühle, das heute als Heimatmuseum dient. Hier hatte Sophie Büscher ihren Auftritt und warb um Verständnis für ihre Person. Am Waschplatz hatte nicht nur die Magd die Tücher ihrer Herrschaft gereinigt und gebleicht, sondern auch die Gronauer Leineweber. Während die Posthalterin sich durchaus standesgemäß zu benehmen wusste und den Besuchern das Elze ihrer Zeit vorstellte, warf die Magd immer mal frech und forsch eine Bemerkung dazwischen und lockerte die ohnehin amüsante Führung noch mehr auf. Henriette Sander meinte beispielsweise die Ursache zu kennen, warum die Elzer und die Poppenburger und die Elzer und die Gronauer gewisse Ressentiments gegeneinander hegen. Die Tatsache, dass Elze zuerst einen Königshof hatte, bevor Ludwig der Fromme nach Hildesheim weiterzog, kommentierte sie lapidar: „Die feiern jetzt 1200-jähriges Bestehen. Wir hätten das schon vor 20 Jahren feiern können.“

An der Bahnhofstraße schilderte sie, wie 1853 die Elzer den ersten Zug, der auf der neugebauten Bahnstrecke an Elze vorbei fuhr (der Bahnhof wurde erst später gebaut) mit Fähnchen winkend grüßten.

Elze hatte auch eine Zuckerfabrik. Was kaum bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass Abraham Holländer, der Großvater von Anne Frank, sie 1911 kaufte. Ihre Mutter wuchs hier auf, und so soll auch Anne hier öfter ihre Schulferien verbracht haben. Und Louis Krüger, dem die moderne Welt letztlich das GPS-System zu verdanken hat, haben die Elzer gar die Schulbildung durch Spenden finanziert. Er ist hier geboren und kehrte im Alter in seine Heimatstadt zurück. Sein Grab befindet sich auf dem Elzer Friedhof.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare