Warnstreik-Welle trifft auch Waggonbau Graaff, Pleissner und Froude Hofmann

Elzer Metaller zeigen Arbeitgebern rote Karte

Auf in den Arbeitskampf: Beschäftigte von Waggonbau Graaff, Pleissner und Froude Hofmann legen die Arbeit nieder und treten in den Ausstand. Fotos: Appel

ELZE „Heute legen mal die Arbeitnehmer fest, wann Feierabend ist. Und heute ist mal früher Feierabend als sonst“, ruft Mathias Neumann, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, den Beschäftigten der Firmen Graaff, Pleissner und Froude Hofmann zu. Pünktlich 12.30 Uhr haben diese gestern die Arbeit ruhen lassen. Nicht, weil es ein so sonniger Wintertag ist. Vielmehr geht es den organisierten Arbeitern darum, vor der nächsten Verhandlungsrunde im Tarifstreit den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.

Zu den Klängen der Rockhymne „We will rock you“ marschieren die Arbeitskampfwilligen vor die Werkstore der Waggonfabrik. Stolz sind sie, dass so viele Mitstreiter von drei Firmen in Elze zusammengefunden haben. Bei klirrender Kälte wollen sie den aus ihrer Sicht frostigen Tönen und „realitätsfernen“ Angeboten des Arbeitgeberverbandes Niedersachsen-Metall ihre Forderungen für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ins Gedächtnis rufen: Eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent ab 1. Januar und eine tarifvertragliche Neuregelung für eine Altersteilzeit. Außerdem soll es erstmals einen flächendeckenden tariflichen Anspruch auf Weiterbildung geben. Der Arbeitgeberverband hatte die Forderungen als überzogen abgelehnt. Die Arbeitgeber bieten bislang eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 2,2 Prozent. In der kommenden Woche geht es daher in die dritte Verhandlungsrunde.

„Nämlich nix!“

„Was ihr von deren Angebot halten, sieht man heute: nämlich nix!“, sieht Neumann den Rückhalt durch die Beschäftigten gegeben. „Wir gehen mit viel Rückenwind in die Verhandlungen“, sagt er angesichts der hohen Zahl der am Ausstand beteiligten Beschäftigten. „85 Prozent der Leute von Froude Hofmann sind hier“, freut er sich.

Den Pleissner-Beschäftigten ruft er angesichts des Sondertarifvertrags des Betriebs in Erinnerung: „Sie rufen euch immer zu, dass ihr nicht mit raus gehen müsst. Aber egal, wie mies es Pleissner geht, ihr entscheidet beim Tarif mit.“ Auch für die Beschäftigten von Graaff hat Neumann markige Worte parat: „Ihr arbeitet mehr und härter als jeder andere in der Region“, ruft er die Jahre des Kampfes ums Überleben des Unternehmens in Erinnerung. Auch Marco Vogel, Betriebsratsvorsitzender bei Graaff, sieht in dem zeitgleichen Warnstreik der Beschäftigten dreier Elzer Betriebe ein Ausrufezeichen gesetzt. „Hier ist ein Elzer Mittelpunkt entstanden, an dem noch weitere Warnstreike folgen werden. Denn sie wollen scheinbar Warnstreike“, sieht er die Wahrscheinlichkeit für weitere Aktionen groß.

Die Arbeitgeber verharrten in einer Blockadehaltung, sieht Neumann naturgemäß die Rolle des Buhmanns eindeutig vergeben. Dabei seien die drei Forderungen der Gewerkschaft so überschaubar, „dass sie auf einen Bierdeckel passen“.

„Auf die Veränderungen an den Arbeitsplätzen muss man sich vorbereiten“, steht Neumann für die Forderung nach Weiterbildung ein. In puncto Lohntüte sagt er: „Die Gehaltsforderungen sind nicht gekegelt, sondern vernünftig.“ Beim Thema Ausstieg aus dem Erwerbsleben wolle der Arbeitgeber das Rad der Geschichte zurückdrehen und die seit langem tariflich verwurzelte Altersteilzeit kassieren. Neumann: „Wir sagen: Das ist ein grobes Foul gegen die Gerechtigkeit und zeigen daher die rote Karte – und die rote Fahne.“

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