Tierpräparator Rainer Rosenfeldt zeigt wieder Können

Es ist eine ganz besondere Kunst

In seiner Werkstatt verbringt Rainer Rosenfeld viele Stunden: In mühevoller Kleinarbeit erweckt der Elzer tote Tiere zumindest augenscheinlich wieder zum Leben. Foto: Vogelbein

ELZE „Technisch beeindruckt es mich schon sehr, was Gunther von Hagens da macht. Moralisch ist das eine andere Sache“, sagt Rainer Rosenfeldt. Er muss es wissen, präpariert der Elzer doch seit mehr als 60 Jahren selbst. In der Hauptsache Tiere, doch auch in der Pathologie hat er schon gearbeitet. Jetzt ist er in Rente, aber so richtig trennen kann er sich von seiner Leidenschaft nicht.

Starr blicken die Augen in den Raum, ein Habicht spannt seine mächtigen Flügel aus. „Den Tieren in ihrer Haltung wieder Leben einzuhauchen, das ist schon eine gewisse Kunst“, sagt Rosenfeldt stolz. In den 1960er Jahren hat der gebürtige Gronauer das Handwerk des Präparators von der Pike auf gelernt. Heute, sagt er, sei das gar nicht mehr möglich. An der Universität in Bochum könnte man dies noch lernen – insbesondere für den medizinischen Bereich. Doch Präparatoren von seinem Schlag, davon gebe es in Deutschland „vielleicht noch 500“. Eigentlich wollte auch er aufhören, die Pinzette an den sprichwörtlichen Nagel hängen und den Ruhestand genießen. Doch es fehlte etwas, so richtig ließ ihn seine Leidenschaft nicht los. „Was soll ich sonst den ganzen Tag machen“, scherzt er. Der engagierte Angler und Jäger sitzt jetzt wieder in seiner Werkstatt, weicht die Tierfelle zwei Wochen lang in Konservierungsmittel ein, nachdem sie in stundenlanger Arbeit von Fleischresten und Dreck befreit wurde. „Oft bringen mir befreundete Jäger etwas mit, manchmal liegt etwas auf der Straße“, zählt Rosenfeldt seine Bezugsquellen auf. Nach seiner Prüfung im niedersächsischen Landesmuseum in Hannover und Stationen in Düsseldorf, Mainz oder Meschede, waren aber auch außergewöhnliche Tiere wie afrikanische Trophäen oder sogar ein ganzer Elefant dabei: „Der dauerte dann auch ein halbes Jahr“, bringt Rosenfeldt den Vergleich zu einem kleinen Fuchs, für den er rund sechs Stunden aufbringt. Heute gibt es kein Tier mehr, das der Elzer Präparator nicht in seinen Händen hatte. Während seiner Zeit in der Pathologie waren auch Menschen dabei: „Wir haben die Leichen für angehende Ärzte vorbereitet. Das war zunächst merkwürdig, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles.“

Einige Jahre lang hatte er einen kleinen Laden in Elze. Doch genau so wie der Beruf selbst, hat sich die Sicht der Menschen geändert. Strengere Naturschutzbestimmungen machten das Ladengeschäft für Rosenfeldt uninteressant, auch der Beruf selbst wird seiner Ansicht nach früher oder später komplett verschwinden. Viel mehr ärgere ihn jedoch, dass der Nachwuchs heute kaum noch eine Verbindung zur Natur aufbaue. „Wenn ich höre, dass der Kakao von der Lila Kuh kommt, mache ich mir große Sorgen“, so Rosenfeldt. Deshalb schaut er auch hin und wieder mal in Schulen vorbei, besucht Waldwochen von Kindergärten oder lädt Besucher in seine Werkstatt ein. Er selbst sei schon als Kind naturverbunden gewesen: Beobachten und Erfahrungen sammeln, das brauche es, um den Fellen am Ende wieder „Leben“ einzuhauchen. Haustiere würde er allerdings nicht präparieren. „Es ist nicht möglich, sie wieder so aussehen zu lassen, wie sie zu Lebzeiten gewirkt haben“, begründet er seine Entscheidung. Ähnliches gilt für die „Körperwelten“ von Gunther von Hagens: „Die Toten sollten wir ruhen lassen“, so die klare Haltung von Rainer Rosenfeldt.

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