Freiwillige kümmern sich um den öffentliche Bücherschrank / Langer Weg vom ersten UWE-Antrag bis zum Pilotprojekt

Eine Freiluftbibliothek für jedermann

Startschuss fürs Tauschen und Schmökern: Simone Wilke (von links), Ortsvorsteher Christian Kroll, Sandra Offenbach, Birgit Opitz, Bürgermeister Rolf Pfeiffer und Fachbereichsleiter Wolfgang Schurmann stellen die ersten Werke in den öffentlichen Bücherschrank.

SEHLDE Die ersten Bücher stehen bereits im neuen öffentlichen Bücherschrank in Sehlde. „Wir haben schon einige organisiert“, erläutert Birgit Opitz, eine der vier Freiwilligen aus den Reihen des Sehlder Heimatvereins, die künftig ein wachsames Auge auf die Mini-Bücherei werfen. Mehr als 200 Bücher könnten in dem Schrank unterkommen.

Und die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich, dass sich zu den bereits vorhandenen Exemplaren bald einige mehr dazugesellen werden. „Jetzt, wo er steht, werden die Leute kommen und ihre Bücher bringen“, ist sich Opitz sicher. Mit gutem Beispiel voran ging bei der kleinen Einweihung gestern Elzes Bürgermeister Rolf Pfeiffer. Unter anderem ein Exemplar von Sabine Hartmanns „Leinebergland kriminell“ hatte das Stadtoberhaupt mit nach Sehlde gebracht, wo es umgehend in das Regal für „Krimis und Thriller“ einsortiert wurde. Denn jede der acht Schrankklappen wurde von den Sehlder Frauen mit einem Etikett für das entsprechende Genre versehen. Sachliteratur, Krimis, Romane oder Werke für die kleinen Leseratten können so von den tauschwilligen Bücherfreunden zielgenau und einfach einsortiert und entnommen werden. „Wir werden ein Auge darauf haben, dass hier keine Uraltschinken entsorgt werden oder der Bücherschrank überfüllt ist“, erläutern die Freiwilligen vom Heimatverein. Auch, dass Lesestoff mit unerwünschtem Inhalt über den Bücherschrank in den Umlauf gelangt, werden die engagierten Frauen verhindern.

Man merkt: Dass das Prinzip des öffentlichen Bücherschrankes in Sehlde funktioniert, liegt den Sehlderinnen am Herzen. „Ich finde es wichtig, dass Kinder lesen und, dass auch Menschen, die nicht so viel Geld haben, an Bücher kommen“, begründet Sandra Offenbach ihr Engagement. Die Mini-Bücherei in Sehlde sei jederzeit geöffnet und auch für ältere Menschen gut zu erreichen, ergänzt Opitz weitere Vorzüge des Projektes. „Bücher sind in der Regel teuer. Da können sie ruhig auch mal öfters gelesen werden“, rührt die Sehlderin daher die Werbetrommel für die Idee des Tauschens.

Ansprechpartner

„Der Bücherschrank ist in Sehlde gut aufgehoben“, würdigte Elzes Stadtoberhaupt den Einsatz der freiwilligen Helfer und des Ortsvorstehers Christian Kroll. Als verlässliche Ansprechpartner kümmern sich die Sehlder nicht nur um das Wohl des Bücherschrankes, sondern werden in den kommenden Monaten ein wenig Buch darüber führen, wie die Mini-Bücherei von den Bürgern angenommen wird. „Es geht darum, Erfahrungen für andere Ortsteile zu sammeln“, erläuterte Pfeiffer. Hintergrund ist, dass das Sehlder Exemplar als Pilotprojekt an den Start geht. Nach einer Testphase sollen die gemachten Erfahrungen dazu beitragen, zu entscheiden, ob weitere Bücherschränke in Elze folgen werden. Denn es gibt auch Bedenken unter den Entscheidungsträgern im Stadtrat, etwa die Angst vor Vandalismus und vor allem die Frage, wer die Schränke hegt und pflegt. So war auch der Weg zum „Bücherschrank auf Probe“ ein langer und steiniger: Bereits seit 2012 kämpften die Unabhängigen Wähler im Elzer Stadtrat um die Aufstellung von öffentlich zugänglichen Bücherschränken in den Ortsteilen. Nachdem der erste Antrag gescheitert war, unternahm die UWE im vergangenen Jahr einen zweiten Anlauf, der schließlich in dem Kompromiss des „Pilotprojektes“ in Sehlde mündete.

Rund 1 600 Euro machte die Stadt für den Bücherschrank, der jetzt an der Ecke Alte Straße/ Eimer Straße steht, locker. Gebaut, angeliefert und montiert wurde das öffentliche Mobiliar vom gemeinnützigen Verein „Werkstatt-Treff Mecklenheide“, dessen Ziel es ist, Arbeitslosen bei der Wiedereingliederung in den regulären Arbeitsprozess zu helfen.

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