Präventionsstreife in Elze: Polizeibeamte sprechen mit Hausbewohnern

Einbrecher schleichen sich meist von hinten an

Nicht sicher: Kriminaloberkommissar Jörg Keller zeigt an einem unbewohnten Haus in Elze, wie leicht es für die Einbrecher ist, die Rolläden an einem Fenster hochzuschieben.

ELZE „Ganze Sicherheit für unser Viertel“: Unter diesem Motto war gestern Vormittag eine Präventionsstreife in Elze unterwegs, bei der die Beamten Jörg Keller und Clemens Rumpf in Gesprächen mit mehreren Elzer Bürgern Tipps für mehr Sicherheit in Wohngebieten gegeben haben. Die LDZ hat die Polizisten bei einer „Kontaktstreife“ begleitet.

Keller ist Kriminaloberkommissar im Polizeikommissariat Elze und Rumpf ist Beauftragter für Kriminalprävention in der Polizeiinspektion Hildesheim, die bereits in der Vorwoche mit der kreisweiten Aufklärungs- und Beratungsaktion begonnen hat: „Keinbruch“ hat die langjährige Devise „Vorsicht, wachsamer Nachbar“ abgelöst. „Die eine gewonnene Stunde zur Zeitumstellung können die Bürger nutzen, indem sie die Präventionsangebote der Polizei wahrnehmen“, betont Rumpf. Anlass zur Aktion war die schlechte Statistik: Die Zunahme der Wohnungseinbrüche ist im Jahr 2012 um fast 25 Prozent angestiegen. Das zeigt, dass die Täter oft „leichtes Spiel“ haben, so Rumpf. Für die schlechten Zahlen machen Rumpf und seine Kollegen nicht nur schlecht oder gar nicht gesicherte Häuser verantwortlich, sondern auch unaufmerksame Nachbarn, die sich nicht angesprochen fühlen oder die Situation verkennen. Bei der Fahrt durch das Elzer Wohngebiet Hanlah hat der Hildesheimer Präventionsbeauftragte hat weitere Zahlen parat: 90 Prozent der Einbrüche geschehen im hinteren Bereich, weil der oft uneinsehbar ist. 65 Prozent der Diebe steigen durch die Terrassentür ein, weil die oft am wenigsten gesichert ist, 20 Prozent der Einbrüche passieren am Vormittag, weil da viele Hausbesitzer zur Arbeit gefahren sind. Gerade im Neubaugebiet gebe es viele „DINKIS“ (double income, no kids) – ein bevorzugtes Ziel für Einbrecher. „Leider investieren viele zu wenig in sichere Fenster und geben es für eine teure Küche aus, das ist am falschen Ende gespart“, weiß Clemens Rumpf aus Erfahrung. Außerdem könnten sich die Hauseigentümer nicht auf Rolläden verlassen, denn die seien eher ein Signal für die Diebe – genau wie überquellende Briefkästen oder nicht hingestellte oder nicht weggeräumte Mülltonnen.

Im Wohngebiet achten Keller und Rumpf auf eben diese Signale. Beispiele: Bei drei Fenstern sind die Rolläden zu, während ein Fenster auf Kipp steht. Rumpf klingelt, um zu prüfen, ob jemand zu Hause ist. Da das nicht der Fall ist, wirft Rumpf einen Zettel in den Briefkasten, um den Bewohner auf den Missstand hinzuweisen. In dem Moment blickt eine gegenüber wohnende Nachbarin aus dem Fenster. Rumpf und Keller gehen hin, um sie dafür zu loben, dass sie nicht weggeschaut hat. Beim Gespräch stellt sich heraus, dass Claudia Oelkers vor zehn Jahren selbst Opfer eines Einbruchs war. „Wir sprechen uns ab, wenn wir wegfahren“, informiert die Elzerin vom Abkommen unter den Nachbarn, auf die anderen Häuser zu achten. „Vorbildlich“, sagt Rumpf, denn die „soziale Kontrolle“ der wachsamen Nachbarn sei manchmal wertvoller als teure Alarmanlagen.

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