Aber: Ramona Girschik will Sehlder Gaststätte nach Auszeit wieder eröffnen

„Dorfkrug“ geschlossen: Familie hat jetzt Vorrang

„Auszeit“ für die Familie: Ramona Girschik, geborene Gassmann, mit Sohn Tim vor der Gaststätte „Zum Dorfkrug“, die in ein paar Jahren wieder eröffnet werden soll.

SEHLDE Die Traditions-Gaststätte „Zum Dorfkrug“ in Sehlde ist seit einigen Monaten geschlossen, aber Inhaberin Ramona Girschik macht den Dorfbewohnern Hoffnung: „Jetzt steht erst einmal die Familie im Vordergrund“, betont die junge Mutter und zeigt auf ihren anderthalbjährigen Sohn Tim. „Aber ich kann mir vorstellen, dass ich das Lokal in einigen Jahren wieder eröffne“, sagt die 36-Jährige.

Ramona Girschik ist in einer Gastwirt-Familie groß geworden. Ihre Eltern, Doris und Wilfried Gassmann, haben seit Ende der 60-er Jahre eine Gaststätte in Esbeck betrieben, ehe sie 1982 den „Dorfkrug“ in Sehlde übernahmen, der ein Jahr später eröffnet wurde. Zur Gastwirtschaft gehörten anfangs eine Schänke und ein Clubzimmer, später wurden ein Saal und neue Toiletten angebaut. Das war 1994.

Neun Jahre später übernahm Tochter Ramona den „Dorfkrug“. Ihre Eltern halfen weiter mit, denn im Lokal war viel zu tun. „Alle Vereine waren hier, um ihre Versammlungen, Feiern und Abschlüsse von Wanderungen abzuhalten – die Feuerwehr, der Posaunenchor, das Rote Kreuz und auch der Gesangverein war bis zu seiner Auflösung hier“, erinnert sich Doris Gassmann an die Zeiten, in denen die ganze Familie eingespannt war, um die anfallende Arbeit zu bewältigen.

So zum Beispiel auch am Samstagabend beim Stammtisch-Treffen. Dazu kamen Familienfeiern aller Art: Von Taufen über Konfirmationen und Hochzeiten bis hin zu Trauerfeiern – in der Regel spielte sich alles im „Dorfkrug“ ab.

Dabei haben die Wirtsleute natürlich viel erlebt. „Da könnte man ein Buch drüber schreiben“, versichert Doris Gassmann. Darin würde mit Sicherheit diese kuriose Geschichte über die Hunger-Attacke eines Stammgastes stehen: Als niemand Zeit für ihn hatte, um eine Currywurst zuzubereiten, ging er selbst in die Küche, um sich eine zu braten. Er beachtete jedoch nicht die Folie an der Wurst, so dass er beim Versuch, das Gericht zu verzehren, eine böse Überraschung erlebte – und Hohn und Spott der Wirtsleute und Gäste erntete.

„Wir schenken jedoch nicht nur Getränke aus, sondern sind gleichzeitig Seelentröster für unsere Gäste“, weiß Doris Gassmann aus Erfahrung. Die könne man nicht einfach nach Hause schicken und das Lokal abschließen. Eines Abends hätten Stammgäste sogar die Uhr um zwei Stunden zurückgestellt, um länger bleiben zu können.

Am 27. Januar hätten Ramona Girschik und ihre Familie eigentlich 30-jähriges Bestehen der Gaststätte an der Straße „Zum Multen“ feiern können, doch schon im Sommer hat sie sich anders entschieden: Der „Dorfkrug“ wurde geschlossen und das Gewerbe abgemeldet. „Es sind zwar einige Tränen geflossen, aber ich muss mal an die Familie denken“, erklärt Ramona Girschik. Sie hat die Entscheidung nicht bereut, denn die Kinder freuen sich, dass ihre Mutter mehr Zeit für sie hat. Und: „Ich konnte 2012 erstmals seit vielen Jahren Silvester ganz in Ruhe feiern, das war ein tolles Gefühl“, sagt die Elzerin zur zurückgewonnenen Lebensqualität.

Dennoch schließt sie nicht aus, die Gaststätte in einigen Jahren wieder zu eröffnen, denn – bei aller anfallenden Arbeit – der Umgang mit den Leuten im Dorf mache ihr doch jede Menge Spaß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare