Superintendent Christian Castel spricht beim Elzer Neujahrsempfang über die Bedeutung des religiösen Gedankens

„Die Ersatzreligionen boomen“

Die Gäste des Neujahrsempfangs in Elze lauschen den Grußworten aus der Politik und Verwaltung sowie dem kurzweiligen, nachdenklichen Vortrag des Superintendeten Christian Castel. Foto: Hüsing

ELZE Im Januar ist Zeit, das vergangene Jahr zu rekapitulieren, aber vor allem über die Zukunft nachzudenken, Kontakte zu knüpfen – und sich zu bedanken. Für all dies bietet der Neujahrsempfang, diesmal ausgerichtet von der SPD , eine gute Gelegenheit.

„Hier ist Raum und Zeit, das ehrenamtliche Engagement zu ehren und mich bei Ihnen allen zu bedanken“, begrüßt Bernhard Schiermann, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, die zahlreichen Gäste in der Aula der Astrid-Lindgren-Schule.

Auch Birgit von Cramm, Vorsitzende der CDU, und Werner Rohde (UWE) richten beim Empfang das Auge auf Vergangenheit und Gegenwart zugleich, in dem sie die Innenstadtsanierung ebenso thematisieren wie das geplante Fachmarktzentrum. „2012 – Welch‘ langweiliges Jahr“, findet hingegen Bürgermeister Rolf Pfeiffer. In seinem Grußwort geht er auf die globale Situation innerhalb der Wirtschaft ein, verdeutlicht jedoch, dass es ihm vor allem um die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität in Elze selbst geht: „Die Infrastruktur muss sich durch den demografischen Wandel verändern.“

Den musikalischen Rahmen gestalten drei Schüler des CJD: Am Sonnabend haben sie noch jeweils einen ersten Platz beim Regionalwettbewerb in Hameln geholt, Sonntag treten sie vor den Gästen des Empfangs auf. Leonie Kruppa (Klavier), Hauke Rüter (Trompete) und Frederic Kruppa (Posaune) verzaubern die Zuhörer und sorgen für eine kurzweilige Unterhaltung.

Unterhaltsam, aber in erster Linie nachdenklich ist auch der Vortrag „Religion – ein unterschätztes Phänomen“ des Superintendenten. Christian Castel spricht zu den Gästen über die Bedeutung des Religiösen für die Gesellschaft. „Viele glauben, wir befänden uns mitten in einem post-religiösen Zeitalter, allerdings haben dies die Menschen wohl noch nicht gemerkt“, beginnt er seinen Vortrag. Religiöser Glaube hätte seine Schwächen und Stärken, indem er nicht zu beweisen sei. Castel wirbt in seinem Vortrag für die friedliche Koexistenz der religiösen Vielfalt in Deutschland, damit religiöse Botschaften nicht mehr so leicht missbraucht werden können. „Doch eine Abschaffung, die viele fordnern, ist wider der Natur des Menschen“, ist er sich sicher. Schließlich boome die Ersatzreligion. Anhand plastischer Beispiele aus dem Alltag, den Ritualen und Fangesängen im Fußballstadion oder auch den „Gott-Vaterfiguren“ in angesagten Fantasiegeschichten wie Harry Potter und der Herr der Ringe, zeigt der Superintendent auf, dass sich die Muster und Werte wiederholen – allerdings unter einem anderen Namen. „Wir geben uns einer Illusion hin, wenn wir die Religion abschaffen wollen. Auch religiöse Bildung, neutral sowie ausgewogen, sollte zum Schulalltag gehören, um die Kinder früh für die Thematik zu sensibilisieren.“

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