Mehler Dorfarchiv mit Sonderausstellung zur Geschäftswelt vergangener Zeiten

Betriebe von anno dazumal

Eine alte Aufnahme der früheren Gärtnerei Richard Kramer in Mehle. Bis zu zehn Gärtnereien und Blumengeschäfte haben einst in Mehle ihre Produkte angeboten. Dies haben die Recherche der Hobby-Historiker zur Sonderausstellung des Dorfarchivs ergeben.

MEHLE Die Geschichtsforscher des Mehler Dorfarchivs haben wieder einmal in den Untiefen der Historie Detektive gespielt und einiges Wissenswertes zur Vergangenheit ihres Dorfes ergründet. Im Fokus der Forschungen stand diesmal das Geschäftsleben der Ortschaft. In einer Sonderausstellung erinnern sie daher an die einst so lebendige Betriebsamkeit in Mehle.

Auf rund 100 Geschäfte sind die sieben freiwilligen Heimatarchivare gestoßen. Die meisten der Läden und Betriebe sind längst aus den Unternehmensregistern getilgt, nur noch wenige existieren bis zum heutigen Tag. „Vermutlich ist die Liste mit den 100 Geschäften noch nicht einmal vollständig“, zeigt sich Nicole Braunert von der einstigen Fülle an Geschäften in Mehle überrascht. „Allein zehn Gärtnereien beziehungsweise Blumengeschäfte hat es in dem relativ kleinen Dorf gegeben.“

Im Blick hatten die Heimatforscher die Epochen ab der vorherigen Jahrhundertwende. Doch auch ein Lebensmittelgeschäft, das 1870 gegründet worden war, haben sie „ausgebgraben“. „Das ist das älteste der von uns behandelten Geschäften“, sagt Braunert über den früheren Lebensmittelladen Ehlers. Das Geschäft an der Wiedfeldstraße existierte sogar bis 1989.

Vom Lebensmittelladen, über Fahrradhändler, Schuster, Gärtner und vielem mehr – „es ist wirklich überraschend, wie viel es früher hier gab. Im Grund musste man Mehle nicht verlassen. Hier war man bestens versorgt“, sagt Braunert. Sogar das Schießen von Ohrlöchern für Ohrringe war einst im Dorf möglich. Beim, das mag überraschen, Frisör. Das entsprechende alte Werkzeug belegt dies.

Loch im Ohr

Diese handliche Ohrschussapparatur lagert nun neben allerhand anderen Relikten im Dorfarchiv. In einem Extra-Raum des Hauses der früheren Gärtnerei Eichholz am Grabenweg. „Dank der Unterstützung von Hausbesitzer Albert Fischer können wir nun auch den zusätzlichen Raum im Erdgeschoß nutzen“, zeigt sich Braunert erfreut. So können die Mehler des Dorfarchivs, deren Vorstand neben Braunert zudem Claudia Marahrens, Renate Heering, Renate Marahrens, Monika Meyer, Diane Thiesemann und Manfred Neumann umfasst, diesen Raum für die Sonderausstellung nutzen, während die „normalen“ Ausstellungsstücke bleiben können, wo sie sind, sprich in den verbleibenden drei Erdgeschoß-Räumen.

Außer Relikten früherer Betriebsamkeit, sei es aus einer handwerklichen Branche oder aus dem kaufm,ännischen Bereich, haben die Hobbyhistoriker zahlreiche Urkunden, Fotos und Schriftstücke wie Meisterbriefe zusammengetragen. So ist beispielsweise neben einem Schuhanzieher von anno dazumal die erste Schankgenehmigung der Waldgaststätte Sennhütte aus dem Jahr 1912 zu bestaunen. Klinkenputzen war einer der wesentlichen Aufgaben der Dorfarchivare, um die Informationen und Exponate für die Sonderausstellung zusammenzutragen. „Die Leute fragen und Geschichten, Fotos und Relikte sammeln“, beschreibt Braunert das Stöbern in der Vergangenheit. „Wir haben zudem das Glück, zwei gute Dorfchroniken zu haben“, so Braunert. Daraus ließen sich Informationen gewinnen.

Neues Projekt

Über mangelnde Unterstützung aus dem Dorf kann sich Braunert nicht beklagen. So steuerte der Antikhof beispielsweise einen antiken Tisch als passende Präsentationsfläche bei. Eindrücke vom geschäftigen Treiben im Mehle früherer Tage können jeden Sonntag im September gesammelt werden. Das Dorfarchiv am Grabenweg öffnet dann jeweils von 15 bis 17 Uhr seine Tür für die Sonderausstellung. Darüber hinaus hat das Dorfarchiv für die Dauerausstellung jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Und welches Projekt wollen die Mehler Dorfarchivare nach dem September angehen? Braunert schmunzelt. Dann werde es um witzige Geschichten und Anekdoten aus dem Dorf gehen, verrät sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare