Ruhestand erst mit 70: Küsterin Brigitte Dittmann wird in Elze verabschiedet

Berührt von der unbeschreibbaren Stille

Auch das gehört zu ihren Aufgaben: Brigitte Dittmann programmiert den Läute-Computer, mit dem die Glocken gesteuert werden. Wenn sie privat einen Gottesdienst besucht, sitzt sie am liebsten in der hinteren Reihe. Foto: Neite

ELZE Jeden Sonntagmorgen und an den Feiertagen parat stehen. Die ganze Kirche und das Gemeindehaus sauber halten. Außerdem noch für 1 000 kleine Dinge zuständig sein: Wie ein Traumjob klingt das erst einmal nicht. Für Brigitte Dittmann, die Küsterin der Elze Peter-und-Paul-Gemeinde, muss es trotzdem genau das gewesen sein. Immerhin hat sie für diese Aufgabe sogar ihren Ruhestand verschoben. Nicht für ein paar Monate, sondern für geschlagene sechs Jahre.

Am kommenden Wochenende feiert sie ihren 70. Geburtstag. Am Sonntag, 6. Juli, wird sie im Gottesdienst feierlich verabschiedet. Die gebürtige Hildesheimerin hatte eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen und eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Nach Elze kam sie 1962, weil sie eine Stelle in der Lohnbuchhaltung der Firma Nagel fand. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Bald kam Nachwuchs – zwei Jungen –, und so wurde Brigitte Dittmann Hausfrau und Mutter, „aber nicht nur“, wie sie betont. Immer wieder übernahm sie Teilzeitjobs im kaufmännischen Bereich, unter anderem im Büro der Elzer Zeitung. Einige Jahre im Einzelhandel folgten, und dann wurde sie gefragt, ob sie nicht Interesse hätte, die Nachfolge der damaligen Küsterin Ingrid Thamm zu übernehmen.

Gewöhnungsbedürftig

Das war im Jahr 1996. Brigitte Dittmann wusste, worauf sie sich einließ, weil sie schon ein Jahr lang als Aushilfe für Ingrid Thamm eingesprungen war. „Ich war hier im Frauenkreis und mein Sohn war im Jugenddienst. Kirche und Glauben haben mir immer etwas gesagt“, erzählt sie.

Die Arbeit als Küsterin war dennoch gewöhnungsbedürftig, vor allem wegen der vielen Putzarbeit und der Pflege der Grünflächen, die ebenfalls dazu gehört. „Ich hatte nicht viel Ahnung von Gartenarbeit“, sagt sie freimütig, aber ihr Mann zeigte ihr, worauf sie achten musste. Und er hat sie bis heute tatkräftig unterstützt: „Die Hecke vorne hat mein Mann mir immer geschnitten.“

Es blieb auch so genug zu tun in der 20-Stunden-Stelle: Die Gottesdienste vorbereiten, die Heizungs- und Tonanlagen überprüfen, den Läute-Computer für die Glocken programmieren. Hochzeiten, Trauerfeiern, Goldene Konfirmationen und andere Veranstaltungen mit vorbereiten. Bei Gemeindefesten und Weihnachtsmärkten präsent sein. Außerdem engagiert Brigitte Dittmann sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im „Café zur Marktzeit“, und sie war auch als Küstervertrauensfrau des Sprengels aktiv.

Ansprechpartnerin

„Das ging weit über das hinaus, was man von einer Küsterin erwarten konnte“, sagt Superintendent Christian Castel. Die Küsterin habe ja eine besonders wichtige Aufgabe in der Gemeinde, „bei ihr laufen ganz viele Dinge zusammen“. Nicht zuletzt sei sie die erste Ansprechpartnerin für die Gemeindeglieder, auch für Informationen und Anliegen, „die dem Pastor nicht gesagt würden“, so Castel. Diese Wertschätzung des Superintendenten wie auch der anderen Mitarbeitenden in der Gemeinde und im Kirchenkreis ist für Brigitte Dittmann ein entscheidender Punkt gewesen, so lange dabei zu bleiben: „Es ist ein sehr gutes Miteinander. Ich hatte nie das Gefühl, nur die Küsterin zu sein.“

Apropos Gefühl: Hat sie eigentlich ein besonderes Verhältnis zur Peter-und-Paul-Kirche entwickelt, die nun so lange ihr Arbeitsplatz war? Die Küsterin nickt: „Dieser Kirchenraum berührt mich immer. Jedes Mal, wenn ich hinein komme, bleibe ich erst einen Moment stehen. Da ist eine bestimmte Stille, die ich gar nicht beschreiben kann.“

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