Männer-Trio trifft sich seit Jahrzehnten jeden Mittwoch im Gasthaus „Tante Else“

Beim Skatabend in Mehle gibt es nur Gewinner

Prost: Wirtin Margarete Heimbucher, die den Skatspielern oft über die Schulter schaut, gibt eine Runde Korn aus. Foto: Kuhlemann

MEHLE Mittwochabend, 19 Uhr: Nacheinander betreten die Mehler Horst Freimann, Josef Heering und Adolf Nickchen den Schankraum des Gasthauses „Tante Else“, setzen sich an den Ecktisch am Fenster, holen ein Kartenspiel raus – und legen los: Der Skatabend kann beginnen. Das geht schon seit Jahrzehnten so, der Ablauf ist immer gleich. Wirtin Margarete Heimbucher könnte die Uhr danach stellen.

Die drei rüstigen Senioren, alle vollenden 2014 ihr 80. Lebensjahr, sind jeden Mittwoch im Lokal, da gibt es nur wenige Ausnahmen, am Feiertag oder wenn zum Beispiel jemand aus der Familie Geburtstag hat oder der Raum für eine Versammlung benötigt wird. Es wird nicht nur pünktlich begonnen, sondern auch immer pünktlich abgerechnet: Spätestens 22 Uhr (manchmal wird für die Übertragung eines Champions-League-Spiels eher abgebrochen) ist Schluss, dann überträgt „Schriftführer“ Adolf Nickchen die letzten Zahlen vom Skatblock ins Kassenheft. Verlieren kann niemand, denn zu Beginn des Abends zahlt jeder einen Obolus, den er durch gute Spiele „abarbeiten“ kann. Im schlimmsten Fall kann sich der Betrag aber bei schlechten Spielergebnissen auch erhöhen. Doch ärgern tun sich die Spieler nicht darüber, denn das ganze Geld geht in die Skatkasse.

1958 wurde die Skatrunde ins Leben gerufen – von Horst Freimann, Adolf Nickchen, dem 1988 verstorbenen Inhaber des Gasthauses, Klaus Heimbucher, und Bruno Baumgarten. Damals wurde noch am Montag Skat gespielt, denn am Ruhetag hatte auch der Wirt Zeit dazu. Da aber irgendwann auch Frau und Kinder etwas von ihrem Mann bzw. Vater haben wollten, wurde der Termin kurzerhand auf Mittwoch verlegt. Nach mehreren Wechseln in der personellen Besetzung kam Josef Heering dazu, der der namenlosen Herrenrunde bereits seit 22 Jahren angehört. „Anfangs waren die Frauen auch noch dabei, die haben dann Rommé gespielt. Doch als die Kinder kamen, sind die Frauen dann zu Hause geblieben, aber unser Skattermin ist geblieben“, berichtet Horst Freimann. Bei den geselligen Veranstaltungen jenseits des Spieltisches sind die Damen nicht ausgeschlossen. Freimann und Nickchen erinnern sich noch an das Gründungsjahr, als die Herren mit ihren „besseren Hälften“ einen gemeinsamen Ausflug unternahmen, damals führte der Weg ins „Hotel Rotdorn“ in Heinum, wo Eisbein mit Sauerkraut serviert wurde. Natürlich mussten die Frauen nicht in die eigene Tasche greifen, sondern wurden eingeladen. Bezahlt wurde der Ausflug aus der „Skatkasse“ der Mehler. So ist es bis heute geblieben: Im Laufe der Jahrzehnte haben die Skatherren und ihre Partnerinnen Touren an die Weser, in den Harz und nach Helgoland unternommen. „Das war 1966, da haben wir beim ersten Spiel der Deutschen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in England zu jedem Tor einen Schnaps getrunken. Deutschland hat 5:0 gegen die Schweiz gewonnen, da war natürlich gute Stimmung“, erinnert sich Adolf Nickchen genau. Weitere Reiseziele der Mehler waren Berlin, Wien, Budapest, Frankreich sowie Kreta und auch Mallorca durfte nicht fehlen. In diesem Jahr wird sich die Skatrunde dem Gemischten Chor anschließen, der eine Dreitagesfahrt an die Mosel unternimmt.

Horst Freimann, Adolf Nickchen und Josef Heering sind sich einig, dass sie ein schönes Hobby teilen, denn es ist altersunabhängig, gesellig und macht Spaß. Zwar gibt es hin und wieder kleine Diskussionen über den einen oder anderen verlorenen Stich, doch nach dem Spiel ist alles wieder vergessen. Spätestens dann, wenn Wirtin Margarete Heimbucher, die den drei Herren oft über die Schulter schaut, das nächste Bier bringt oder eine Runde Schnaps ausgibt.

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