Autor Iradj Taghi-Khani stellt aktuelles Buch beim Kunstverein in Elze vor

Wo beginnt und wo endet die Freundschaft?

Gemütliche Runde in den Räumen des Kunstvereins: Zuhörer aus Elze und anderen Orten des Landkreises interessieren sich für die Thematik. Fotos: Corcilius

ELZE Zwei große Themen hat der Autor Iradj Taghi-Khani in einem Buch verarbeitet, die er jetzt zusammen mit seinem Verleger, dem Hottenstein Buchverlag, auf Einladung des Elzer Kunstvereins in einer Premierenlesung vorstellte: Freundschaft und Flucht.

Iradj Taghi-Khani wurde 1942 im Iran geboren und kam 1966 nach Deutschland, studierte Elektrotechnik und lebt seit vielen Jahren in Hannover. Seitdem er im Jahr 2007 in den Ruhestand ging, kann er seinem Kindheitstraum, dem Schreiben, mehr Zeit widmen und hat inzwischen mehrere Texte veröffentlicht. Die Erzählung „Ich dachte, wir sind gute Freunde“ ist sein erstes Buch. Martin und Sabine Hartmann aus Sibbesse, die hinter dem Hottenstein Verlag stehen und den Kontakt zu Iradj Taghi-Khani über den „Autorenkreis“ fanden, haben die Geschichte in ihr Programm aufgenommen und in einer Auflage von 300 Stück publiziert. „Wie kommt es, dass so viele Menschen ihre Heimat verlassen? Kein Meer, keine Zäune, kein Stacheldraht kann sie aufhalten? Was ist Freundschaft? Wo beginnt, wo endet sie? Ist die Freundschaft in der Fremde anders als in der Heimat?“ – diese Fragen schickt der Autor seiner Lesung voraus, habe er in seiner fiktiven Erzählung verarbeitet. „Das Buch ist überhaupt nicht autobiografisch. Die Geschichte sind die Ergebnisse meiner Erfahrungen.“ Die Erzählung wird aus der Sicht des jungen Iraners Navid geschildert, der in den 1980 Jahren auf Drängen seiner Eltern vor dem Krieg mit dem Irak nach Deutschland flieht. „Das ist doch die Ironie des Schicksals, wenn eine Mutter ihrem einzigen Kind schreibt, dass sie froh ist, es nicht bei sich zu haben, obwohl es ihr das Herz bricht“, schreibt Navids Mutter ihm und schildert das traurige Schicksal, das seinen besten Freund als Soldat ereilt hat. Navid fühlt sich fremd und einsam in Deutschland und sucht die Freundschaft zu seinem Landsmann Milan, bis ihm schließlich bitter dämmert, dass dieser seine gutgläubige Naivität nur ausgenutzt hat. Taghi-Khanis Schreibstil ist einfach, klar und präzise, gelegentlich blitzen ungewöhnliche bildhafte Methapern auf. Sehr akzentuiert mit tiefer, melodischer Stimme und rollendem „R“ beinahe hörspielhaft vorgetragen, bekommen die Figuren den Charakter, den der Autor ihnen zugedacht hat und die Dialoge werden lebendig. Das empfinden auch die Gäste, die aus Elze, Hildesheim, Hannover und Berlin kommen, ähnlich: „Diese Lesung ging unter die Haut“, äußert eine Dame aus Barienrode beeindruckt. Andere Kommentare lauten: „Diese lebhafte Lesung, Sprache Gestik war sehr authentisch.“ „Das Thema Flucht hat mich sehr an die Erzählungen meines Großvaters erinnert“.

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