Annabelle, Laura oder Princess: Der Sehlder Landwirt Ingo Kreipe hat sie alle / Aber: Auf die inneren Werte kommt es an

Auch Kartoffeln haben schöne Namen

Ute und Ingo Kreipe arbeiten seit fast 15 Jahren mit dem stärkehaltigen „Gold aus der Erde“.

SEHLDE Während auf den Feldern der Region Mähdrescher Tag und Nacht mit der Weizenernte beschäftigt sind, ist eine weitere Frucht der Erde derzeit im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Die Kartoffel. Ingo Kreipe aus Sehlde erntet seit fast 15 Jahren Knollen mit wohlklingenden Namen wie Annabelle, Laura oder Princess aus der Erde. Weltweit gibt es mehr als 1 000 Sorten.

„Ich habe mal einen Kartoffelkuchen gebacken“, erinnert sich Ute Kreipe an das außergewöhnlichste Kartoffelrezept, das sie in ihrer Küche umgesetzt hat. Die Möglichkeiten, eine Kartoffeln zu verarbeiten, sind so bunt wie die verschieden Sorten selbst. „Sie unterscheiden sich erheblich in Größe, Form und zum Teil sogar im Geschmack“, erklärt Ingo Kreipe. Laura zum Beispiel – viele Kartoffeln tragen Mädchennamen – überrascht mit einer roten Schale. Neben den klassischen braunen gibt es auch blaue und grüne Exemplare. Letztere haben aber meistens nur zu viel Sonnenlicht gesehen. „Wenn die Frucht an die Oberfläche steigt und Sonnenlicht abbekommt, verfärbt sich die Schale grün. Das muss dann abgeschält werden“, erklärt Ingo Kreipe – und räumt gleichzeitig mit einem Mythos auf, die Schale sei grundsätzlich giftig. Denn nur die grünen Stellen sind belastet und nur in großen Mengen auch tatsächlich schädlich.

Besonders beliebt bei den Deutschen sind Annabell und Princess. Mal hart-, mal weichkochend, beschäftigt die Kartoffel als solche die Landwirte das ganze Jahr über. „Wir fangen mit der Ernte oft schon im März bis Mai an“, informiert Ingo Kreipe. Sieben verschiedene Sorten finden sich dann im Sortiment des Sehlder Hofes wieder. Hin und wieder wird auch mal experimentiert. Laura kommt bei den Kunden allerdings nicht so gut an, weiß Ute Kreipe. „Die rote Schale schreckt viele ab.“ Erleichternd für die Landwirte erweißt sich die Kartoffel zudem als gnädige Lagerware. Geerntet wird deshalb nach Bedarf, der Rest bleibt in der Erde, denn „dort passiert nichts“, sagt Ingo Kreipe. Ob am Stand auf dem Gronauer Wochenmarkt oder ganz kapitalromantisch aus dem unbewachten Kartoffelschrank heraus, die Verbraucher achten bei ihrer Kartoffel vor allem auf Größe und Form. Dabei kommt es, trotz schöner Kurven und zarten Frauennamen, auf die inneren Werte an, weiß Ute Kreipe: „Entscheidend ist die Farbe.“ Je dunkler das Gelb der Frucht ist, desto intensiver ist der Geschmack. Erkennen kann man das allerdings erst nach dem ersten Anschnitt. Deshalb greifen auch immer mehr Kartoffelfreunde zum Billig-Sack im Supermarkt. Doch die Kostenersparnis kommt teuer. „Wir verwenden deutlich weniger Düngemittel“, erklärt Ingo Kreipe. Das habe zwar zur Folge, dass der Ertrag geringer ausfalle und damit das Billig-Preisniveau nicht gehalten werden kann. Dafür versprechen die Kartoffeln vom Land aber eine weitaus höhere Qualität. In diesem Jahr schmälert zudem das vergleichsweise feuchte Wetter den Kassenbestand. Knollenfäule heißt das Zauberwort, das Landwirte in Atem hält. Einmal befallen, wandern die aussortierten Früchte in die Biogasanlage oder in den Schweinetrog. „Weggeschmissen wird davon nichts“, versichert Ingo Kreipe. Und wenn doch, dann mit Bedacht und Augenmaß. Denn trotz moderner Erntemaschinen gehen immer noch tausende Kartoffeln durch echte Hände. Auch nach mehr als 100 Jahren Anbau in Deutschland ist die Ernte noch mit viel Handarbeit verbunden. Meistens sind auf den Maschinen dann flinke Frauenhände im Einsatz, um Steine und Erdklumpen auszusortieren. In der Kartoffel vom Land steckt also tatsächlich viel Leidenschaft. Doch kann man zwar aus Ernährungssicht durchaus alleine von der Kartoffel leben, für den gemeinen Landwirt reicht sie als einziges Standbein aber schon lange nicht mehr aus. Auch, weil sich über die Jahre das Kaufverhalten geändert habe. „Früher wurden die Kartoffeln zentnerweise gekauft und eingelagert. Heute wird in kleinen Mengen nach Bedarf eingekauft“, fasst Ingo Kreipe einen Trend zusammen, der sich in Zukunft noch weiter verschärfen könnte.

Dass der Konsum komplett einbricht, kann er sich aber nicht vorstellen. Dafür sei die Kartoffel einfach „zu gut“: „Der Ertrag pro Hektar ist enorm und auch der Nährwert spricht für sich“, zählt der Landwirt Vorteile eines Sattmachers auf, der von deutschen Tellern nie so richtig wegzudenken ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare