Theatergruppe „Über’n Berg“ begeistert die Besucher in der Wittenburger Klosterkirche mit ihrem Sommerstück

Amüsanter Trip durch die Dörfer

Im selbstgeschriebenen Stück stellt die „Theatergruppe über’n Berg“ ihre Heimatdörfer dem amüsierten Publikum nacheinander mit vielen Gags, dorfinternen Anspielungen und kurzen Gesangseinlagen vor. Fotos: Corcilius

Wittenburg Nach zehn Jahren Pause hat die „Theatergruppe über’n Berg“, in erster Linie bekannt durch ihr beliebtes jährliches Krippenspiel, wieder ein Sommerstück aufgeführt. Es heißt „Waffel oder Becher“ und bescherte den 140 Zuschauern, die überwiegend aus der Umgebung kamen, einen vergnüglichen Nachmittag im Westflügel der Wittenburger Kirche.

Die Dörfer Sorsum, Wülfingen, Wittenburg, Boitzum, Wülfinghausen und Holtensen gehören zwar verschiedenen Landkreisen an, aber aus historischer und kirchlicher Sicht gehören sie zusammen. Ihr Mittelpunkt ist die alte Klosterkirche auf dem Berg. Die Mitglieder der Laienspielgruppe stammen aus den Klosterdörfern. In ihrem selbstgeschriebenen Stück stellen sie die Dörfer dem amüsierten Publikum nacheinander mit vielen Gags, dorfinternen Anspielungen und kurzen, darauf abgestimmten Gesangseinlagen vor.

Ein kleines Mädchen läuft mit einem gelben Ortsschild von links nach rechts über die Bühne und zurück. „Sorsum“ ist darauf zu lesen. Ein Foto von Sorsum wird auf die Bühne projiziert. Giovannis erste Station auf seiner Eisverkaufstour durch die Finiendörfer. Er kennt die Gegend und ihre Bewohner bestens. So kann er die Wanderin, die vergeblich nach dem „Hofcafé“ und einer Übernachtungsmöglichkeit im „Heuhotel“ sucht, zu den „Messemuttis“ nach Boitzum verweisen. Die Fans des BVB, die hier auf die 96er treffen, vertilgen ihr Eis friedlich. Neben dem Eiswagen befindet sich ein großer Abfallcontainer mit der Aufschrift „Oha“. Darin steckt der dreiköpfige Mülltonnenchor „MTC“. In jeder Szene öffnen sich die gelben, grünen und blauen Deckel und die Sänger stecken ihre Köpfe heraus und schmettern den passenden Kommentar: „Aber bitte mit Sahne“ ist der Refrain nach jeder Eisbestellung. „Fußball ist unser König“, bekommt die Fangruppe mit auf den Weg. In Wittenburg vor der Kirche macht Giovanni die Bekanntschaft eines nervigen älteren Camper-Paares aus Holland, die die Klosterkirche mit der Marienburg verwechseln. „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, außer sie riechen nach Käse“, gesteht Giovanni, Italiener, dessen Aufenthaltsgenehmigung in drei Wochen ablaufen wird. Wie gut, dass es Marlene gibt, ein junges Mädchen, das wie aus Versehen an jeder Station auftaucht. In Boitzum brennt das Osterfeuer und muss von der Feuerwehr gelöscht werden, vor dem Kloster in Wülfinghausen besorgt sich eine Nonne schnell noch ein Eis der Geschmacksrichtung „Engelslaub“ vor dem Stundengebet. Denn Giovanni kennt seine Kundschaft und hat für fast jeden die passende Sorte. In Holtensen ist das natürlich Erdbeereis und für die Damen, die zur Blutspende wollen, „Rote-Beete-Eis“. Aber was könnte Giovanni vor der Abschiebung bewahren? Die Lösung hat der Chor. „Sag einfach ja“, trällert er. So werden Giovanni und Marlene ein Paar und schmieden Heiratspläne, wobei sich wieder die Deckel der Müllbehälter öffnen: „Marmor, Stein und Eisen bricht…“, tönt es lautstark daraus hervor, bis der Gesang im lauten Schlussapplaus untergeht.

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