Grünen-Ratsherr Lavin will Akteure an einen Tisch bringen / Thema im Ausschuss

„Ärztliche Versorgung in Elze ist gefährdet“

Gehen Elze bald die Ärzte aus? Grünen-Ratsherr Wilfried Lavin befürchtet dies und hofft, dass die Kommunalpolitik rechtzeitig auf mögliche Missstände hinweist. Foto: Appel

ELZE Gerade in Zeiten des demografischen Wandels seien Versorgungsstrukturen mit ein Faktor, um Menschen vom Standort Elze zu überzeugen und der Abwanderung jüngerer Menschen in Ballungszentren einen Riegel vorzuschieben, findet Wilfried Lavin, Ratsherr der Grünen in Elze. Zu einer funktionierenden Versorgung „gehören nicht nur bauliche Maßnahmen – wie etwa ein Freibad und Feuerwehrhäuser –, sondern auch eine ärztliche Versorgung“, so Lavin. Doch genau diese sieht er für Elze in Gefahr.

„Alle Ärzte in Elze sind bereits über 60 Jahre alt. Deren Wirken hier ist nur noch zeitlich begrenzt“, warnt der Kommunalpolitiker vor einem „dramatischen Wandel im Bereich der hausärztlichen Versorgung“, der sich durch das Ausscheiden von Hausärzten eminent verstärken und die Lebensqualität in Elze deutlich senken werde. Der Grüne bemängelt, dass es in Hildesheim als Ballungszentrum genug Ärzte geben würde, im ländlichen Raum jedoch nicht. „Es darf nicht soweit kommen, dass wir eines Tages mit dem Zug zum Arzt nach Hildesheim fahren müssen“, mahnt er.

Antrag im Rat

Damit es aus seiner Sicht nicht zu diesem Szenario kommt, sei es höchste Eisenbahn, auch vor Ort aktiv zu werden. Entsprechend reichte der Ratsherr im Dezember einen Antrag ein, worin die Stadtverwaltung beauftragt wird, „zeitnah ein Konzept vorzulegen, wie die hausärztliche Versorgung der Bürger in Elze langfristig gesichert ist“. Lavin erläutert: „Es geht mir dabei nicht darum, dass die Verwaltung ein Konzept mit vollendeten Tatsachen erstellt – etwa ein Arzt hier und einer dort –, sondern darum, wie das Thema hier vor Ort generell angegangen werden kann.“ Aus seiner Sicht sei es erforderlich, den tatsächlichen Bedarf unter Einbeziehung der Bevölkerung zu ermitteln und eine Kommunikation mit allen Akteuren – so auch den noch praktizierenden Ärzten – in Gang zu bringen.

Bei der „Weihnachtssitzung“ des Stadtrates schließlich stimmte dieser – bei zwei Gegenstimmen – dafür, die Angelegenheit zunächst im zugehörigen Ausschuss zu besprechen. Wenngleich die Einflussmöglichkeiten der Kommune begrenzt seien und die Aufgabe der Planung der ärztlichen Versorgung andernorts, etwa bei der Kassenärztlichen Vereinigung, liege, so könne eine Diskussion zum Thema nicht schaden, begründete beispielsweise SPD-Ratsherr Reiner Jäkel sein Ja zum Antrag. Um Überlegungen anzustoßen und sich zum Thema auszutauschen kam zudem aus Reihen der CDU-Fraktion sowie von der Unabhängigen Wählergruppe Elze Unterstützung.

„Der Ausschuss kann natürlich nicht alles besprechen, aber vielleicht einen Anstoß für einen mittelfristigen Prozess geben“, wertet Lavin die Entscheidung als kleinen Erfolg. „Schon allein dafür, dass Gespräche zum Thema stattfinden, hat sich der Antrag gelohnt.“ Auch er wisse, dass die Kommunalpolitik keine großen Einflussmöglichkeiten habe. „Aber Denkanstöße geben und auf Missstände hinweisen und die Menschen vor Ort miteinbinden können wir“, so Lavin.

Sein Wunsch: „Es wäre schön, wenn beispielsweise in einem Jahr alle Beteiligten an einem Tisch sitzen würden, um sich gemeinsam darüber Gedanken zu machen, wie Elze für die Zukunft zu wappnen ist.“

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