Egon Wieckhorst hat Geschichte des Wülfinger Gasthauses Ziegenmeyer für Stadtbuch aufgearbeitet

Zum Abschluss ein Frühstück

Postkarte aus dem Jahr 1922: Damals stand noch eine Zapfsäule vor dem „Lindenkrug“.

WÜLFINGEN Egon Wieckhorst gehört zum Kreis der 18 Autoren, der sich mit einem Beitrag am „Stadtbuch Elze“ anlässlich des Jubiläums „400 Jahre Stadtrechte in Elze“ beteiligt hat. Dabei geht es dem 76-Jährigen natürlich um den Ort Wülfingen, wo er jahrzehntelang gelebt hat, bevor es ihn nach Elze zog. Wieckhorst hat die fast 100-jährige Geschichte der Gaststätte Ziegenmeyer zu Papier gebracht.

„Der ehemalige Heimatpfleger der Stadt Elze, Werner Müller, hat als Koordinator des Buches gewünscht, dass aus jedem Ort mindestens eine Geschichte veröffentlicht wird, die mit mehreren Bildern schön illustriert ist“, erinnert sich Wieckhorst an die Anfänge. Danach habe er sich im Archiv des Heimatvereins Wülfingen umgeschaut, dessen Vorsitzender er seit 1992 ist, und habe gesehen, dass es von der Gaststätte Ziegenmeyer, später „Lindenkrug“, eine umfangreiche Sammlung an Fotos und Postkarten gibt. Sogar einen Kaufvertrag aus dem Jahr 1902 hat Wieckhorst noch ausfindig gemacht und seiner Sammlung im Aktenordner als wichtiges Material zugefügt. „Kauf-Contract zwischen dem Landwirt Carl Ziegenmeyer, wohnhaft zu Wittenburg, als Käufer, und dem Gastwirt August Heuer als Verkäufer“, so heißt es wörtlich. Als Kaufpreis für die „Nummer 31 zu Wülfingen“ wird die Summe 35 000 Mark genannt. Im Preis enthalten waren in der Gaststube die Bierpumpe, drei Tische und zwölf Rohrstühle, wie in dem Buch aufgeführt wird. Auch eine Hängelampe, fünf Roleaus und eine Partie Gläser gehörten dazu.

Die Gaststätte, die sich immer in Familienbesitz befand, war bis 1999 geöffnet (in den Jahren zuvor hatten bereits die letzten Bäcker und Schlachter ihre Geschäfte geschlossen). „Es war am Neujahrstag, da haben wir mit einigen Freunden zusammen gesessen und gefrühstückt“, erinnert sich Egon Wieckhorst noch genau an den letzten Tag. Zu der Zeit war sie in Besitz von Karl Ziegenmeyer, dem Enkel des Käufers von 1902, Carl Ziegenmeyer. Mittlerweile wurde das Gebäude in ein Wohnhaus umgestaltet, in dem Christian Ziegenmeyer mit seiner Familie und seiner Mutter lebt. „Ich habe meine Informationen durch Gespräche mit der Familie erhalten“, sagt Egon Wieckhorst, der zudem viel Material aus dem Heimat-Buch „Aus der Geschichte des Dorfes Wülfingen“ gezogen hat. Dabei kam viel Wissenswertes ans Tageslicht. So etwa, dass man in Wülfingen im Jahr 1904 eine Gesellschaft zur Stromversorgung gegründet hat, dass aber erst in den Jahren 1921 bis 1922 eine Straßenbeleuchtung erstellt wurde, die vom Dunkelwerden bis 22 Uhr brannte.

Das Gasthaus mit den vielen Vereinsversammlungen habe schon immer im Mittelpunkt des Dorflebens gestanden, wie Egon Wieckhorst recherchiert hat. So hatte beispielsweise die Volksbank ihre Sprechstunden im Klubzimmer, später hatte eine Versicherung dort ihren Stützpunkt.

Um 1928 gab es in Wülfingen an der Calenberger Landstraße drei Tankstellen, eine davon bei der Gaststätte „Lindenkrug“ vor der Tür. Dort kostete der Liter Benzin 0,44 Reichsmark, wovon der Pächter (in dem Fall der Wirt) 0,06 Reichsmark erhielt. Zu der Zeit musste ein Arbeiter etwa zwei Stunden für einen Liter Benzin „schuften“. Die anderen beiden Tankstellen gab es bei der Firma „Fahrzeug-Meier“ und beim Schuhgeschäft Klages.

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