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Weltweit einmalige Schau mit bewegenden „Chrom-Juwelen“

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Viktoria von Sachs – die erste Moped-Perle von Sammlungsstifter Karl-Heinz Rehkopf. © Foto: Friese

EINBECK (cmf) – „Keiner kannte mich, jetzt bin ich bekannt wie ein ‘bunter Hund‘“ – weil Kaufmann und Zweirad-Sammler Karl-Heinz Rehkopf im zarten Alter von 72 Jahren keine ganz ruhige Kugel schieben wollte, sondern mit alten Freunden und neuen Partnern begann, das große Rad für Einbeck zu drehen.

Mit 77 Jahren erlebt der gebürtige Fredelsloher jetzt, wie sein Moped-Vermächtnis als Grundstock für das Moderne Museum für angewandte Bewegungskunde wird – weltbedeutende Exponate und gesuchte Raritäten weit und breit im neuen PS.SPEICHER, liebevoll aufgestellt in sechs Themen-Korridoren. Die aktive Zweiradzeit beginnt für Karl-Heinz Rehkopf mit 16 Jahren auf einer schon damals betagten Sachs Viktoria von 1938. Das 100-Kubik-Moped eröffnet praktische Vorteile des Individualverkehrs in den spärlich motorisierten Früh-Fünziger-Jahren. Für 100 Mark gekauft, vom sauer verdienten Lohn abgespart. Mit den schnieken Neuzeit-Kreidler ließen sich Wirtschaftswunder-Fräulein aus der Milchbar zwar viel leichter … beeindrucken. Aber Rehkopf blieb seiner Sachs treu – jetzt ziert die schlanke Springergabel-Schönheit ein zeitgenösssches Ausstellungssegment im neuen Einbecker PS.SPEICHER.

„Das war ja nie so geplant“, erzählt der Mitbegründer der früheren Teppichdomäne Harste. „Ich habe anfangs das ein‘ oder andere Motorrad gekauft und dann ganz einfach behalten. Erst nach und nach konnte ich mir meine Moped-Jugendträume erfüllen. Gezielt gesammelt habe ich erst viel später“, erinnert Rehkopf. Und erzählt, wie er seine Leidenschaft gelebt hat, wenn die Vorab-Aboausgabe der kleingedruckten Sammlerbörsen am Donnerstag druckfrisch vor ihm liegt. Dann glühen die Telefondrähte, „aber nur donnerstagsabends und am Sonntag“. Denn Rehkopf macht meist gar keine Besichtigungstouren – er lernt über 60 Jahre immer mehr, wie Telefongespräche erfolgreich werden. „Ich konnte nicht eben ‘mal so nach München fahren, wenn dort eine interessante Maschine angeboten wurde“, erzählt er. „Dafür muss die Entfernung am Telefon überwunden werden. Da habe ich mehr gute Erfahrungen gemacht als schlechte.“ Und mit pfiffigen Fragen Schwachstellen von manch seltenem Stück herausgefunden. „Da fragst du, was der Verkäufer denn selbst mal reparieren würde, demnächst“. Da kämen dann die kleinen Macken und Mängel heraus. Immer habe Rehkopf die Verkäufer überzeugt, weil er kein Händler wäre. „Ich behalte es und bewahre es“, verrät der Motorradmann vor stattlicher Medienmeute. „Alle Motorräder sind durch meine Hände gegangen, alle sind einsatzbereit.“ Sein bevorzugtes Alltags-Auto ist unterdessen ein VW-Bus, auch wegen der „erhöhten Sitzposition“ für freie Sicht auf mögliche Schnäppchen und ihren Abtransport, „aber nur hin und wieder“. Schon als Kind tun es ihm auch noch die Lanz-Bulldog-Trecker an – begeistert freut sich Rehkopf auf den Zugmaschinen-Korso heute vormittag vom Otto-Hahn-Park (Feierabend) durch die Stadt zum PS.SPEICHER.

Klang, Mechanik, mehr Drehmoment als eine ganze Bulldog-Meute – nichts ist für den jungen Rehkopf schöner, als in den Ferien beim Onkel in Hollenstedt mit dem Lanz über die Äcker zu pflügen. Solche Erinnerungen materialisieren sich schnell mit 15 historischen Bulldoggen im Fundus. Die bei richtiger Pflege praktisch unkaputtbaren Zugmaschinen bekommen ihre eigene Präsentation auf dem Kornhaus-Gelände. Für die wachsende Zahl internationaler Bulldog-Fans allein eine Reise wert. Wie Speicher-Vorstand Schilling hofft Speicher-Stifter Rehkopf auf die nachhaltige Stärkung des Einbecker „Wir-Gefühls“.

Nicht nur in der direkten Nachbarschaft, über der ganzen Stadt habe sich große Zustimmung und Identifikation eingestellt. Rehkopf ist beeindruckt, als etwa der Chef eines angrenzenden Heizungs- und Lüftungsbauunternehmens auf die Sandstrahlarbeiten zur Kornhaus-Sanierung reagiert – und seine alte Garagen für den optisch besseren Gesamteindruck abreißt. Für Rehkopf und die Museums-Macher haben sich auch andere Nachbarn und Oldtimer-Kenner ins Zeug gelegt.

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