„Enayas“ letzter Wurf verlässt Einbeck am Wochenende in alle Himmelsrichtungen

„Ein paar Tränchen werden fließen“

Erinnerung an Weihnachten 2015: Da war „Enayas“ Nachwuchs gerade einmal fünf Wochen alt.

EINBECK (con) – Gerade noch tummelten sie sich mit Mutter und tapsigen Geschwistern im trauten Familienkreis in der Welpenstube im heimischen Wohnzimmer im Alfred-Nobel-Ring. Jetzt heißt es schon wieder Abschied nehmen – und in ein neues Leben zwischen Bayern und Schleswig-Holstein aufzubrechen. An diesem Wochenende werden die ersten der elf Welpen von Rhodesian-Ridgeback-Hündin „Enaya“ von ihren neuen Familien abgeholt, am Dienstag verlassen auch die letzten Jungen Einbecker Gefilde.

Hinter den Züchtern Simone und Frank Korf („Kinanga-Amali“) liegen acht ebenso anstrengende wie aufregend-schöne Wochen: Sie mögen sie nicht missen – zu niedlich sind die Jungen ihrer sechsjährigen „Enaya“, die jetzt, gerade acht Wochen alt, in die liebevollen Hände von den Züchtern selbst sorgfältig ausgesuchter Familien übergeben werden. Für Welpen aus seriöser Züchterhand gibt es lange Wartelisten. Kein Wunder also, dass der „Kinanga-Amali“-Nachwuchs schon vor der Geburt vergeben war. Dass die Familienzusammenführung auch wirklich „passt“, davon überzeugten sich die Züchter bereits bei den Einbecker Schnupperterminen zwischen neuen Besitzern und ihren neuen Familienmitgliedern. Einige sind mit den Welpen zum Teil schon mehrfach behutsam auf Tuchfühlung gegangen. Das Los aller Züchter: Ein paar Tränchen werden in den nächsten Tagen sicher fließen, wenn „Enayas“ Nachwuchs Einbeck endgültig verlässt, auch wenn es bei den zweimal jährlich stattfindenden großen „Familientreffen“ ein Wiedersehen geben wird. Da macht sich Simone Korf nichts vor. So bald wird es im Hause Korf auch keinen Wurf mehr geben: Es war definitiv der letzte Wurf der Rhodesian-Ridgeback-Hündin. Familie Korf hatte den Deckrüden mit Bedacht ausgewählt, gemeinsam mit dem Tierarzt ihres Vertrauens, Dr. Thomas Laube aus Salzgitter, den optimalen Befruchtungszeitpunkt für die Zusammenführung von „Enaya“ und dem Rüden „Chiwambo“ festgelegt, Trächtigkeit und die Entwicklung der elf Embryonen im Mutterleib verfolgt, die zeitweise dramatische Geburt hautnah erlebt, die Jungen umsorgt und mit allem, was das wirkliche Leben dieser besonderen, ebenso wesensstarken wie intelligenten und empfindsamen Hunde ausmachen wird, vertraut gemacht – sie für ihr künftiges Leben geprägt. Das macht auch den Unterschied zwischen verantwortungsvollen Züchtern und „reinen Vermehrern“ aus, sagt Dr. Laube. Der gebürtige Bad Gandersheimer stand bis 2015 der Deutschen Züchtergemeinschaft Rhodesian Ridgeback vor, hatte sie von anfangs 50 binnen zweier Jahrzehnte auf jetzt 760 Mitglieder und damit zum größten Ridgeback-Club Europas aufgebaut. In der Fachwelt gilt er als ausgewiesener Ridgeback-Experte. Elterntiere werden nicht nur nach Kriterien wie etwa Wesensstärke und Gesundheit ausgewählt und die Welpen werden von den Züchtern nicht nur geprägt, die Hündinnen werden mit acht Jahren auch konsequent aus der Zucht genommen. Anders als bei den auf Profit ausgerichteten „Vermehrern“ werden sie nicht als Gebärmaschinen missbraucht und anschließend „entsorgt“, sondern bleiben bis zu ihrem Lebensende bei ihren Familien. „Eine Selbstverständlichkeit bei Simone und Frank Korf“, bestätigt auch Dr. Laube. Gerade acht Wochen ist es her, dass die Jungen auf die Welt kamen. „Es war schon dramatisch“, erinnert sich Simone Korf an jenen regnerischen Novembertag. „Enaya“ begann draußen, Wurfhöhlen zu graben, endlich setzten die Wehen ein. Kurze Zeit später erblickten in der eigens vorbereiteten Wurfkiste im Wohnzimmer die ersten zwischen 300 und 500 Gramm leichten Welpen das Licht der Welt; bis es plötzlich einfach nicht mehr weiterging: Vier Stunden Abstand seit dem letzten Welpen? Zwei Stunden sind normal! Da war rasches Handeln angesagt. Tierarzt Dr. Laube – ohnehin schon auf „stand-by“ – erwartete den Transport mit der außergewöhnlichen „Fracht“ aus Einbeck in seiner Praxis. Während der Fahrt über die A7 kam tatsächlich doch wieder ein Welpe, in Salzgitter nach Wehentropf und stärkender Glukose kamen schließlich die restlichen zwei Welpen: Der Wurf war komplett und gesund, die Mutter bald wohlauf. Am Mittwoch kam der Doc zum letzten Mal zum Gesundheitscheck in die quirlige Einbecker Kinderstube:  Dafina, Don Dhambo, Dayo Fravaj, Donnavan Emil, Delaya, Demani, Dahari Angus, Denajia, Dakana, Dayo Jago und Daraja – mittlerweile von wenigen Hundert Gramm auf stolze sieben bis acht Kilo Gewicht herangewachsen, erhielten ihre Schutzimpfungen und ihre Chips. „Alles im grünen Bereich“, befand der Ridgeback-Experte, der selbst seit 27 Jahren züchtet und gab grünes Licht für die Abgabe. Ab nächster Woche dürfte der Welpen-Alarm bei den Korfs der Vergangenheit angehören. Schade eigentlich.

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