IG Metall erhöht Druck

DURA-Beschäftigte: Mit Tröten, Pfeifen und Rasseln wird den Forderungen der IG Metall Nachdruck verliehen.

EINBECK Im Vorfeld der nächsten Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie am Dienstag in Hannover, am 19. Januar in Magdeburg und am 22. Januar in Osnabrück hat die Industriegewerkschaft (IG) Metall auch in dieser Region den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht.

Hände weg von unserer 35-Stunden-Woche“, „Gutes Geld für gute Arbeit“, „6 % Plus ist ein Muss“: Nachdem die Friedenspflicht Ende Dezember abgelaufen war, legten die Beschäftigten gleich in den ersten beiden Januarwochen in ausgewählten Betrieben für jeweils einstündige Warnstreiks die Arbeit nieder. Allein am Dienstag beteiligten sich nach Angaben des IG Metall-Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt 3100 Beschäftigte aus 29 Betrieben an den Arbeitsniederlegungen, am Mittwoch waren es 4600, am Donnerstag noch einmal 4100. Bei der Firma Renold (Juliusmühle) verließen am Donnerstag 200 der zum Warnstreik aufgerufenen 230 Schichtarbeiter kurzzeitig ihre Arbeitsstelle, bei DURA Automotive Systems in Einbeck versammelten sich mittwochfrüh 95 Beschäftigte vor dem Werkstor in der Hullerser Landstraße, um den Gewerkschaftsforderungen lautstark Nachdruck zu verleihen.

„Die Wirtschaft boomt, die Gewinne steigen: Warum sollen wir nicht daran teilhaben?“, rief DURA-Betriebsratsvorsitzende Rita Haupt den Streikenden per Megaphon zu. Die Beschäftigten seien es schließlich, die dafür sorgten, dass „die“ ihre Gewinne fahren. „Was habt Ihr das ganze Jahr geleistet?“, fragte sie – „und das nicht nur acht Stunden, sondern durchschnittlich zehn Stunden am Tag? Das darf kein Dauerzustand werden!“ Wenn die Arbeitgeber mit unschöner Regelmäßigkeit vor Tarifrunden betonten, wie „arm“ sie seien, so halte sie dem entgegen: „Wir sind auch arm.“ Sechs Prozent mehr seien angesichts der Wirtschaftslage „nur gerecht: Denn auch unsere Kosten steigen“. Gute Arbeit müsse sich lohnen. Die IG Metall fordert in der aktuellen Tarifrunde eine sechsprozentige Erhöhung der Löhne und Ausbildungsvergütungen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, darüber hinaus den Anspruch auf eine zweijährige, kurze Vollzeit bis zu 28 Stunden – etwa bei Pflege oder Kindererziehung. Das bedeute aber nicht, dass alle Beschäftigten diesen Anspruch sofort einlösen und ihre Arbeitszeit reduzieren, wie die Arbeitgeber behaupteten, erläutert Bezirksleiter und Verhandlungsführer Thorsten Gröger in einer Mitteilung der IG Metall. Für jeden einzelnen Beschäftigten sei es eine individuelle Entscheidung, zugunsten von mehr Zeit auf einen Teil des Einkommens zu verzichten. „Wir fordern einen Entgeltzuschuss, damit nicht nur Beschäftigte der oberen Gehaltsklasse ihren Wunsch nach mehr Freizeit erfüllen können. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit!“ Nur zwei Prozent mehr wollen hingegen die Arbeitgeber bei einer Laufzeit von 15 Monaten zahlen, eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro gewähren und die 18-Prozent-Quote streichen. Damit würden die Metaller zur 40-Stunden-Woche zurückkehren... Dieses „Angebot“ bewertet die IG Metall als „unverschämt“. Es zeige, dass die Leistung der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg „nur in den Sonntagsreden der Arbeitgeber“ geschätzt werde.

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