Urteilsbegründung liegt vor

Rechtsanwalt Marc Hainski: „Ohne neue Beweise dürfte auch eine Revision zu keinem anderen Ergebnis als Freispruch führen.“ Foto: Sürie

EINBECK (con) – „Die Angeklagte war nach alledem aus tatsächlichen Gründen freizusprechen“: Die Urteilsbegründung im Zusammenhang mit dem Freispruch der Einbeckerin Karin Z., die angeklagt war, ihre Mutter Gisela im vergangenen Jahr getötet zu haben, ist ihrem Anwalt Ende der Woche zugestellt worden.

Die Urteilsbegründung umfasst nach Angaben von Pflichtverteidiger Marc Hainski über 70 Seiten. Der bereits einen Tag nach dem Urteil vom 8. April seitens der Staatsanwaltschaft angekündigten Revision blickt der Einbecker Rechtsanwalt einigermaßen gelassen entgegen. Schon der Umfang der Urteilsbegründung belege, dass sich die 6. Große Kammer des Göttinger Landgerichts „sehr intensiv“ mit der Begründung ihres Urteils auseinandergesetzt habe. Nach seiner Kenntnis gebe es weder neue Beweise noch irgendwie geartete neue Argumente, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigen dürften. 

Die Staatsanwaltschaft hat nun bis zum 19. Juli Gelegenheit, ihre Gründe für die Revision darzulegen. Wie berichtet, wird dann der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe über deren Zulassung entscheiden. Sollte es dazu kommen, würde eine andere Kammer des Göttinger Landgerichts mit dem Verfahren betraut werden, „und das jetzige Urteil wäre Makulatur“, sagt Hainski. „Dann müssten wir wieder ganz bei Null anfangen. Aber ohne neue Beweise kann eine Revision kaum zu einem anderen Ergebnis führen als Freispruch.“ Das Verfahren hatte bis zur Urteilsverkündung sieben Monate und 13 Prozesstage beansprucht. 

Nach ihrer vorläufigen Festnahme am 23. April vergangenen Jahres hatte Karin Z. 254 Tage in Untersuchungshaft verbracht. Dafür steht ihr jetzt eine Haftentschädigung zu, zuzüglich der Entschädigung für die Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen. Rechtsanwalt Marc Hainski hofft, dass seiner Mandantin eine Revision erspart bleibt: „Andernfalls wäre das nur eine weitere psychische Belastung für sie.“ Karin Z. müsse nun „endlich zur Ruhe kommen“.

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