Projekt-Sommer: Einbecker Kernstadt-SPD im Laden / Kunden-Abo nicht umsonst

Tafel gesund gedeckt

+
Der große Warenkorb der Einbecker Tafel wird ständig frisch gehalten, damit rund 400 Kunden für ihr kostenpflichtiges Tafel-Abo stets gute Ware bekommen. Tafel-Mitorganisator Thomas Döhrel erklärt beim SPD-Projektsommer den Nachschub-Kreislauf.

EINBECK (cmf) – Respektvoller Umgang mit der bunt gemischten Kundschaft, pfiffige Organisation für frischen Lebensmittel-Nachschub und viel ehrenamtliche Hingabe – die „Einbecker Tafel“ ist ein Erfolgsmodell ohne hauptamtliche Mitarbeiter und Personalkosten. Jetzt informierte sich die Kernstadt-SPD ausgiebig, wie der Laden im alten Sauerbrei-Getränkeverlag an der Ecke Münsterstraße/Hohe Münsterstraße richtig rund läuft. Voll ehrenamtlich!

Für alle sei es ein Unding, bleibt aber wahr: Nicht alle Menschen werden satt in der bundesdeutschen Wohlfahrtsgesellschaft. Die Armutslage verschärft sich – auch in Einbeck. „Leider”, fand nicht nur SPD-Chef René Kopka in Projekt-Sommer-Begleitung von Kreistagsabgeordneten, Ratsmitgliedern und zwei Alt-Bürgermeistern.

Tafel-Sprecher Thomas Döhrel, Richter im Hauptberuf und Amtsgerichtsdirektor, und Pfarrer Ewald Marschler von der St. Josefsgemeinde erklärten das Projekt genau. Der Laden brummt – rund 400 Kunden aus 150 Familien und Bedarfsgemeinschaften versorgen sich jede Woche. Die „Einbecker Tafel” wird zweimal für zwei Stunden geöffnet – Eingang an der seitlichen Petersieliengasse, immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr. Neukunden melden sich während der Laden-Zeiten an.

Damit nicht falsche Geizhälse ohne Not gutes Gemüse, frisches Obst, Teigwaren und Tiefkühlware abgreifen, kriegen alle Neukunden den erforderlichen „Tafel-Ausweis”. Vorzulegen sind die üblichen Leistungsbescheinigungen zu Sozialgesetzbuch-Stützen oder Grundsicherung. Nur Erwachsene zahlen für den „Tafel-Ausweis” 5 Euro pro Monat, Kinder nicht.

Wer Hilfe braucht, ist an der „Einbecker Tafel” willkommen – ob alleinerziehende Mütter, alleinstehende Männer und Frauen in den 50-ern, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zur Tafel müssen. Viele helfen inzwischen gerne mit, geben „ihren Teil”. Familien mit ausländischen Wurzeln und Kriegsflüchtlinge erleben im Tafel-Laden echte Eingliederung.

„Bloß keine Schwellenängste” empfehlen Döhrel und Marschler insbesondere Senioren. Noch sei krasse Altersarmut in Einbeck nicht angekommen. „Aber das wird sich ändern”, mahnt Thomas Döhrel. Vielen Älteren, gerade Witwen mit Mini-Renten, fiele es nach langem bürgerlichen (Berufs)-Leben schwer, die Tafel-Hilfe anzunehmen. Niemand müsse sich aber schämen. Die Tafel-Teams gehen obendrein einfühlsam mit allen Kunden um.

Die Tafel-Waren werden nach klugem Fahr- und Zeitmanagement von den Lebensmittelspendern abgeholt. Der Fuhrpark wird unterstützt von Adam & Grötzner, Baunternehmen Mattern, Dachdeckerarbeiten Dudkowiak & Diedrich, Schuchart Tief- und Straßenbau, Grass Autolackierung und Bosch-Car-Service Lukatsch. Tafel-Fahrerteams steuern die Partner-Märkte rund um Einbeck, Markoldendorf und Dassel dreimal wöchentlich an – immer montags, dienstags und donnerstags, damit die Regale und praktischen Profi-Kühlschränke rechtzeitig für die Ausgaben voll sind. Tiefkühlware wird mit Profi-Isoliersystemen befördert. Alles wird genau sortiert. Die Ausgabe-Teams kennen die Kunden, ihre Vorlieben und Kochkünste. Manchmal ist eine Tiefkühl-Pizza richtig, manchmal müssen religiöse oder kulturelle Vorgaben „halal” erfüllt werden. Bei der Hygiene-Überwachung läuft alles glatt, der zuständige „Landkreis Northeim ist unser Freund”, so Döhrel.

„Super-Qualität” bieten die Lebensmittelspenden von Aldi, Rewe, Kaufland, Lidl, Plus. Auch Edeka Ilsemann, Lindenhof Naturkost, das Lädchen Neddenstraße und DIWI Einbeck spenden sattmachende Qualität.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare