Hier geht es um Basics, nicht um ‘schöner Wohnen’

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Martina-Alice Bode im Spendenlager: Beim Rundgang werden die Kunden begleitet, für Flüchtlinge gibt es über den Ablauf Infos in acht Sprachen, sogar ein nonverbales Wörterbuch wurde für sie erstellt. „Bisher gab es wenig Missverständnisse.“ Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

EINBECK (con) – Der Aufruf der „Neue-Nachbarn“-Koordinatorin Zsuzsanna Bényei-Büttner hatte Martina-Alice Bode nicht kalt gelassen. Selbstverständlich war die 42-Jährige aus Salzderhelden bereit, sich ehrenamtlich in das Projekt der Diakoniestiftung einzubringen und mit Herz und Verstand mitzuhelfen. Schon einmal hatte sie ihr Wissen eingebracht – für das Projekt „Schatzsuche“ der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.

Mittlerweile ist die Mutter dreier Kinder im Rahmen eines Minijobs mit administrativen Aufgaben für die Diakoniestiftung „Nächstenliebe in Einbeck“ betraut, für die die gelernte Werbekauffrau außerdem die Homepage und die Facebook-Seite betreut. Zwei syrische Familien hat sie nach der Flucht bei deren ersten Schritten in der neuen Heimat und neuen Kultur zur Seite gestanden, seit sie im Sommer in „Neue Nachbarn“ einstieg. Als sie hautnah erlebte, „mit wie viel Herzblut und Engagement“ sich Koordinatorin Bényei-Büttner ihrer Aufgabe widmete, war es ebenso selbstverständlich, ihr zur Hand zu gehen und sie bei der Datenabgleichung und Adressenergänzung zu entlasten. „Ich wollte einfach eine Arbeit, die wirklich sinnvoll ist“, sagt Martina-Alice Bode. Im Herbst war sie am Aufbau des Spendenlagers für Bedürftige an der Otto-Hahn-Straße beteiligt; heute ist sie nur noch einmal pro Woche vor Ort. Das Herz der Annahme und Ausgabe im Spendenlager bilden die zahlreichen Ehrenamtlichen, wobei die meisten (30!) dank KWS- Unterstützung der Flüchtlingsarbeit in dem nahegelegenen Saatzucht-Unternehmen arbeiten und sogar vier Stunden wöchentlich für diese ehrenamtliche Tätigkeit freigestellt werden können. Auch Christina Zöllner, die für das Thema „brennt“, wie Martina-Alice Bode feststellt, ist bei der KWS angestellt: Sie ist die Ansprechpartnerin für das Spendenlager, koordiniert die Schichten, in denen jedesmal um die fünf bis sieben Frauen und Männer ehrenamtlich arbeiten. „Ohne die KWS und ihre engagierten Mitarbeiter würden wir das hier gar nicht schaffen“, betont Martina-Alice Bode. Selbst für Miete und Nebenkosten komme das Unternehmen in seiner sozialen Verantwortung auf. Die Stimmung sei nach wie vor gut. Und nur zu gern denkt die Salzderheldenerin an die ersten Tage zurück, als eine Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft eindrucksvoll offenbarte, dass den Einbeckers das Schicksal von Flüchtlingen und Bedürftigen in ihrer Stadt keineswegs egal ist.  Im Vorfeld hatten die Kuratoriumsmitglieder Michael Büchting, Klaus-Peter Bienotsch und Günter Ebbrecht selbst Hand angelegt und die Regale für das Lager: zusammengebaut: „Es ist schön, dass hier alle an einem Strang ziehen.“ Zielgruppe des Spendenlagers sind alle Bedürftigen dieser Stadt, Tafelkunden, unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion, Hartz-IV-Empfänger, und wer einen Asylbewerberleistungsbescheid vorlegen kann. Bedürftige können einmal im Monat kommen, um hier gegen eine Schutzgebühr notwendige Ergänzungen für ihren Haushalt zu erstehen. Flüchtlinge erhalten zwar vom Landkreis eine Grundausstattung, doch was sie mit eigenen Augen gesehen habe, habe sie erschüttert: ein kleiner und ein großer Topf für eine Familie, zwei Handtücher für drei Personen. Rissiges Parkett, das Krabbelkinder gefährde. „Wir wollen, dass die Menschen ihre karge Erstausstattung ergänzen können. Unser Ziel ist es, dass die Menschen ein besseres Zuhause haben“, sagt Bode. Es geht hier um Basics, nicht um ‘schöner Wohnen’. Gleichzeitig werde das Sozialamt entlastet. Denn einen Kinderwagen etwa erhalten Eltern mit Babys hier sofort. Nach wie vor gibt es einen Mangel an Elektrogeräten wie Fön, Bügeleisen und Toaster. Töpfe und Pfannen werden immer gebraucht, ebenso Handtücher, Bügelbretter, Wäscheständer, Teller und Teppiche.

Die Öffnungszeiten EINBECK – Das Spendenlager der Einbecker Diakoniestiftung im ehemaligen Aldi-Warenlager an der Otto-Hahn-Straße hat dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Wer Möbel spenden oder sich ehrenamtlich ebenfalls beim Diakoniestiftungs-Projekt „Neue Nachbarn“ einbringen möchte, wendet sich unter der Telefonnummer 05561/922733 an Martina-Alice Bode. Was Kleidung anbelangt, arbeitet das Spendenlager mit der DRK-Kleiderkammer zusammen. Gut erhaltene Kleiderspenden sollten also direkt beim DRK am Tiedexer Tor 6c abgegeben werden – mittwochs von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 9 bis 13 Uhr und 14 und 17 Uhr.

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