Schutzmaßnahme in Markoldendorf: Deshalb mussten die Verantwortlichen umgehend handeln

Als das Storchennest fast vom Kirchturm fiel

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Die Sachverständigen Axel Holst (links) und Eberhard Tiemann versuchen, die Situation anhand von Bildern zu erklären.

Eigentlich wollte der Kirchenvorstand in Markoldendorf zusammen mit Sachverständigen nur erklären, warum Mitte Februar das Storchennest von der Kirchturmspitze entfernt worden ist. Los ging das Pressegespräch allerdings mit einem Eklat.

Wütende Bürger verlangten die Teilnahme am Gespräch und stoppten die Veranstaltung kurzerhand mit einer Sitzblockade. Erst mit gutem Zureden durch die anwesenden Kirchenvertreter konnten die Bürger beruhigt und auf den Nachhauseweg geschickt werden. Es sei ein Zeichen dafür, welchen Emotionalen Stellenwert die Angelegenheit inzwischen angenommen habe. Deshalb bemühen sich die Verantwortlichen nun ganz besonders um Sachlichkeit.

Auch aus diesem Grund haben sich die Verantwortlichen aus Kirchenvorstand und Sachverständigen dazu entschlossen, den aktuellen Stand der Dinge zunächst nur gegenüber der Presse zu verlauten. Eine Methode, über die sich freilich streiten lässt. Angesichts der Lage im Ort sei dies aber eine Reaktion auf die zum Teil „unter der Gürtellinie stattfindenden Anfeindungen“ aus der Bevölkerung, erklärt Pastor Roland Ressmann. Der Sachverhalt in Kürze: Seit etwa drei Jahren leben auf der Kirchturmspitze in Markoldendorf Störche. Im Flecken herrschte darüber geteilte Meinung. Zum einen war die Freude über die edlen Vögel groß. Zum anderen war nie sichergestellt, ob Vögel und Spaziergänger möglicherweise einer Gefahr ausgesetzt waren. Denn tatsächlich fanden sich unter dem Nest immer wieder einzelne Stöcker wieder. Auch von Weitem war zu erkennen, dass das Nest eine leichte Schräglage innehatte. Deshalb entschloss man sich, Mitte Februar mit einem Kran hinaufzufahren und das Nest aus nächster Nähe zu begutachten. Noch am selben Tag wurde das Nest entfernt – und die Entrüstung im Ort war groß.

Zuvor hatten sich unterschiedliche Sachverständige im Bereich Vogelkunde und Denkmalschutz der Sache angenommen. Ihre Erkenntnisse und Ergebnisse haben sie jetzt versucht darzulegen. Denn überhaupt sei es sehr ungewöhnlich, dass Störche in so großer Höhe ein Nest bauen, erklärt Vogel-Fachmann und Storchenvater Bernd-Jürgen Schulz. Seine Einschätzung: Das Nest war zu klein und zu instabil. „Bei meiner üblichen Begutachtung im vergangenen Jahr bemerkte ich, dass zwei Jungtiere aus dem Nest gefallen waren.“ Neben der instabilen Lage in fast 50 Metern Höhe, seien herabstürzende Tiere auch eine Gefahr für die Passanten. Rund Eindrittel des Nestes ragten in freier Luft.

Neben der Gefahr für Tier und Mensch haben Sachverständige beim direkten Blick auf das Nest und die Struktur der Kirchenspitze zudem festgestellt, dass der Kot der Tiere den Sandstein angreife. „Das ist nichts Akutes, aber auf Jahre wird der Stein zerfressen“, erklärt Eberhard Tiemann. Zudem sei die Konstruktion der Krone nicht für das Gewicht des Nestes ausgelegt.

Aufgrund der Lage, die sich vor Ort ergab, habe man sich dazu entschlossen, das Nest sofort abzubauen. „Mich hat das sehr nachdenklich gestimmt. Aber uns wurde klar: Das Nest hatte so keine Zukunft“, resümiert Schulz.

In der Öffentlichkeit sei das Thema hochgekocht, und auch den Verantwortlichen sei der Umgang miteinander auf Dauer an die Substanz gegangen. Trotzdem soll zeitnah eine erneute öffentliche Runde zusammenkommen, um die Entwicklung zu besprechen.

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