Wolpeterhaus: Wo das Fachwerk lebt

SchülerInnen entwickeln Liebe zur heimischen Baukultur

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Das „Wolpeterhaus“ als Gemeinschaftsprojekt. Auf dem Gerüst Dominik und Merle mit David Dörge. Manpower ist immer willkommen!

Einbeck – Junge Menschen für die Baukultur ihrer Heimatstadt zu begeistern und sie die Kunst des Fachwerk-Handwerks mit allen Sinnen erfahren zu lassen mit dem Ziel, gemeinsam  ein Stück Baukultur ihrer Stadt zu bewahren – das ist der Antritt des Projekts DenkmalPaten, das DenkmalAktivistin Patricia M. Keil in Einbeck initiiert hat.

 Für das Projekt hat Uwe Sauter sein leer stehendes Fachwerkhaus an der Ecke Wolperstraße/Petersilienwasser zur Verfügung gestellt. Als Unterstützer und Berater mit im Boot sind die Bau- und Kunstdenkmalpflege der Stadt Einbeck und das örtliche Handwerk: die Tischlerei Michael Neugebauer und der Malerfachbetrieb Dörge.

 Angefangen hatte alles im Frühjahr vergangenen Jahres, als SechstklässlerInnen der Goetheschule im Rahmen des Projekts „Fachwerk umfassend“ im jetzt in „Wolpeterhaus“ umbenannten Projekt-Fachwerkhaus regelrecht „Lehm schnupperten“. Tischler Neugebauer hatte eine Anschauungswand eingebaut, und da entstanden nun von Hand Lehmziegel, wurde das Fachwerk-Geflecht fachgerecht mit Lehm beworfen, wurden Holznägel geschnitzt. In der Folge hatte DenkmalAktivistin Patricia M. Keil eine Gruppe von Jugendlichen um sich herumgeschart, deren leidenschaftliches Interesse für Fach- werk und die wunderschöne Schnitzkunst geweckt war.

 Seitdem treffen sich die Jungen und Mädchen während ihrer Freizeit vier bis acht Stunden mit ihr im 450 Jahre alten und „großzügig entkernten“ Wolpeterhaus, um hier – fachlich von der Pike auf angeleitet und mit der Denkmalpflege abgestimmt – ehrenamtlich zu arbeiten.

Ziel ist es, das Fachwerkhaus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und zu revitalisieren.

 Zurzeit sind sie zu fünft mit dem Abtragen der Farbe beschäftigt, arbeiten sicher behelmt auf dem stabilen Gerüst, das ihnen Malermeister Dörge kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Auch er und sein Sohn David begeistert dieses Projekt mit den jungen Menschen, die hier mit ihrer Hände Arbeit schöne Baukultur bewahren und pflegen: „Das unterstützen wir gerne mit Rat und Equipment!“ Die GoetheschülerInnen arbeiten zurzeit auf Empfehlung des Malermeisters mit Heißluft-Föhnen auf dem Gerüst, um die Farbe von den Hauswänden zu bekommen. Demnächst steht der Besuch vom Tischler und Zimmermann an, um das Holz zu begutachten, im nächsten Monat lernen sie bei „Mister Schnitz“ aus Berlin das kleine ABC der Schnitzkunst. Bei Bedarf werden auch defekte Holzelemente ersetzt. „Mein Traum ist es, dass die Schüler eine emotionale Bindung zu dem Haus entwickeln und wir gemeinsam bis zu ihrem Abitur an dem Haus arbeiten“, sagt Patricia M. Keil, die auf „die Wahrnehmung des Denkmals als Kunstwerk“ hofft, wie es bei ihrem YoungArt meets Fachwerk (immerhin die älteste Straßenkunst) schon gelingt. Und auch das sagt sie: Die Selbstwirksamkeit bei dem Projekt sei einfach enorm. „Handwerk macht glücklich!“ Die Lust, handwerklich zu arbeiten, wird im Gespräch mit den Jugendlichen schnell spürbar, wenn die heutigen AchtklässlerInnen Dominik und Merle (beide 13) von der Geschichte des Hauses erzählen, das einst eine Bäckerei war, oder mit strahlenden Augen von ihrer Arbeit berichten. „Man sieht am Ende immer, was man geschafft hat“, freut sich Joachim Dörge mit den Jugendlichen. Die räumen auch gerne ein: „Ja, diese Arbeit macht glücklich.“

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