Viel Protest gegen NPD-Kundgebung

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Übertönt: Einheimische und Auswärtige protestieren in der Einbecker Innenstadt mit bunten Plakaten und lautstarken „Nazis raus!“-Rufen gegen die NPD-Parolen. 

EINBECK – Absurder Politaktionismus auf dem Marktplatz und drum herum: Weniger als 20 Rechtsaktivisten von NPD und „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ haben mit einigen einheimischen NPD-Sympatisanten am Sonnabend ihre genehmigte Kundgebung in Einbeck inszeniert. Gegen die Rechtsaktivisten protestierten auf der eilgenehmigten Gegendemonstration knapp 300 Personen lautstark unter dem Motto „Bunt rein! Braun raus!“. Dazwischen sicherte die Einbecker Polizei das Geschehen mit Unterstützung von drei Dutzend Bereitschaftskräften.

Während die Wochenmarkt-Beschicker hurtig ihre Stände einpackten, stellten die Polizeikräfte zum Marktplatz Absperr-Gatter auf. Damit wurde das direkte Aufeinendertreffen gewaltbereiter Personen verhindert. Außer wenigen gezielten Eierwürfen auf Polizei-Einsatzleitung und „Freundeskreis“-Sprecher gab es zunächst keine besonderen Übergriffe. Die Polizei hatte auf Entspannung gesetzt und nur kleinere Abordnungen der Protestgruppen auf den Mark- platz gelassen. An die Abmachungen haben sich Rechtsaktivisten ebenso gehalten wie der Großteil der Gegendemonstranten, darunter Fahnenschwenker von Linkspartei, „Antifaschistischer Linke Göttingen" und eine beflaggte Gruppe YPG-Kurden. Dazu kamen reichlich Kuttenträger vom Motorradclub „MC Kuhle Wampe“. Die Wampen-Clubchapter aus ganz Deutschland hatten am Wochenende ihr Sommercamp in Lauenberg ausgerichtet. Spontan schwangen sich die „Anti-Nazi-Biker“ auf ihre Maschinen, um in Einbeck Mittelfinger-Stafetten hochzuhalten. Mit mehreren Motorrädern machten Wampen aus Köln, Stuttgart und Hessen mächtig Dampf neben dem „Brodhaus“, bis niemand mehr ein Wort verstand. Schon vorher entstand mit Trillerpfeifen, Pumphupen, Druckluft-Tröten, stimmstarken „Haut ab!“-Rufen und derben Beschimpfungen eine Geräuschkulisse, durch die nur noch Fetzen der NPD-Parolen drangen. Einbecker Gegendemonstranten zeigten Protestpappen mit Slogans wie „NPD – Nein Danke“ und „Einbeck: Aufstehen, Hinsehen, Nazis im Weg stehen!“. Früher als vorgesehen rollten die NPD-Aktivisten ihre drei Wahlbanner schon wieder ein, verstauten Mikros und Lautsprecher im metallic-grünen VW Golf. Um Gewaltausbrüche auch im Kleingassen-Geflecht der Innenstadt zu verhindern, wurden die knapp 30 NPD-Leute mit behelmtem Polizeischutz über Münsterstraße, Neuer Markt und Ostertor aus der Innenstadt geleitet und zum Parkplatz Köppenweg gebracht. Gleich in der Wolperstraße, Ecke Judenstraße gab es Rangeleien und Handgreiflichkeiten zwischen Polizei, Junglinken und Migranten. Ein bekannter rechter Rädelsführer stieß dann sexuelle Beleidigungen aus und gab seinen „National-Kameraden“ gleich noch Nachhilfe in rechter Demonstrationsführung. Bereits eine Stunde vor dem ursprünglich geplanten Ende der Kundgebung waren die NPD-Freunde aus der Stadt. Trotzdem spitzte sich die Lage zu am Ostertor, Ecke Hohe Münsterstraße. Dort versperrten behelmte Festnahmespezialisten nachrückenden Gegendemonstranten den weiteren Weg. Dabei gab es Blitz-Festnahmen, bevor sich die Lage beruhigte. Nach Polizeiangaben gab es fünf Strafanzeigen, davon eine gegen eine Person aus dem NPD-Kreis.

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