Pflegestufen werden zu Pflegegraden

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Alloheim-Leiter Daniel Höppner: „Das Pflegestärkungsgesetz II ist eine gute Sache. Niedrigere Zuzahlungen der Pflegebedürftigen werden in Zukunft durch höhere Zahlungen der Pflegekassen ausgeglichen.“

EINBECK (boe) – „Wir haben uns in der Pflege einen echten Kraftakt vorgenommen und können jetzt sagen: 2017 wird ein gutes Jahr für Pflegebedürftige und ihre Familien sowie unsere Pflegekräfte.“ So äußert sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zum neuen Pflegestärkungsgesetz (PSG II), das Anfang diesen Jahres in Kraft getreten ist. Auch Daniel Höppner, der Residenzleiter des Einbecker Alloheimes, begrüßt die Gesetzesänderung, betont aber auch, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren weiter steigen wird, während der Fachkräftemangel die Branche weiter fest im Griff hat. Zusammen mit der EULE hat Höppner die Veränderungen und Verbesserungen im Pflegesystem herausgestellt.

Eckpfeiler des zweiten Pflegestärkungsgesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeits-Begriffs, der sich stärker an den Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen, an seiner individuellen Lebenssituation und an seinen individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten orientiert. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und Pflegebedürftigen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen (insbesondere Demenzkranken) andererseits fällt dadurch weg. Bislang basierten die Begutachtung und die Zuordnung zu drei Pflegestufen vorrangig auf der Betrachtung von Verrichtungen, die bei körperlich beeinträchtigten Menschen häufiger auftreten. Statt der bisherigen drei Pflegestufen und der sogenannten „Pflegestufe 0“ soll es nun fünf Pflegegrade geben. Ausschlaggebend dafür, ob jemand pflegebedürftig ist, wird in Zukunft allein der Grad der Selbstständigkeit (Pflegegrad) sein. Durch ein neues Begutachtungsinstrument soll in Zukunft auf die „Minutenzählerei“ bei der Zeiterfassung verzichtet werden. Grundlage der Einstufung in die Pflegegrade ist der mit Hilfe des neuen Begutachtungsinstruments ermittelte Gesamtpunktwert, der zwischen 0 und 100 liegt. Bei der neuen Begutachtung spielen die Beeinträchtigungen in zentralen Lebensbereichen wie zum Beispiel der Selbstversorgung, der Mobilität oder im Umgang mit psychosozialen oder medizinisch-therapeutischen Herausforderungen eine Rolle. Durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und das damit verbundene neue Begutachtungsinstrument werden künftig beispielsweise auch die Beeinträchtigungen von Alzheimer-Patienten besser in der Begutachtung abgebildet. Damit erhalten diese Patienten häufig höhere Leistungen der Pflegeversicherung. „Das neue Gesetz bietet vor allem Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz eine echte Chance“, resümiert Höppner. Außerdem würde der Bestandsschutz sicherstellen, dass der Pflegebedürftige nach der Umstellung auf keinen Fall weniger Leistung erhält.

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