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Laut, bunt und kreativ gegen Rechts

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Mit Musik, Workshops und viel Solidarität für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft: Das EINschlag-Festival soll in Einbeck einschlagen, wie ein Komet. © EINschlag-Festival

Einbeck – Nach einschlägigen Erfahrungen mit Nazis in der Stadt Einbeck, die in einem Anschlag auf das Haus einer Seebrücken-Aktivistin gipfelten und die Stadt bundesweit unrühmlich in die Schlagzeilen brachten, setzt der Widerstand gegen die örtlichen extrem rechten Strukturen nun auch auf ein buntes Festival in Einbeck.

Es soll „einschlagen soll wie ein Komet“, die kulturellen Aktivitäten in der Gemeinde prägen und seine Spuren hinterlassen. Und es soll zeigen, „dass wir viele und lauter sind als die Nazis“, sagen die Organisatoren und Organisatorinnen. Ihr Wunsch: Das Festival möge sich dauerhaft in Einbeck etablieren.

Frei statt Sicher:  Die Bandmitglieder sind aus Seesen und liefern feinsten Punkrock aus dem Hinterland
Frei statt Sicher: Die Bandmitglieder sind aus Seesen und liefern feinsten Punkrock aus dem Hinterland mit der Message: „Dieses Land ist zu klein, für Naziparteien!“ Ihr Debütalbum heißt „Sturmhaube auf“. © Privat

Das mit der Hoffnung auf einen kometenhaften Einschlag in Einbeck verbundene „EINschlag-Festival“ findet am Sonnabend, 7. Mai, An der Twetge statt und ist eine laute und kreative Premiere gegen Rechts. Zu dem Festival mit Bands wie „Boykott“, „Frei statt Sicher“ und Musiker Martin Meiwes werden mehrere Hundert Menschen erwartet. Das Motto: „Loud against Fascism – Einbeck rockt!“

Ziel ist es, ein klares Zeichen gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und daraus resultierende, negative gesellschaftliche Strömungen zu setzen und Menschen zu motivieren, sich auch aktiv gegen Diskriminierung einzusetzen. Gemeinsam soll mit den Bands in den 8. Mai hineingefeiert werden, in den Tag der Befreiung, der nach wie vor trotz zahlreicher Bestrebungen nach wie vor kein Feiertag ist. „Dieses Jahr wollen wir ihn zu einem machen“, betont das Orga-Team. Einlass ist ab 11 Uhr, Beginn des Festivals um 12 Uhr, der erste Workshop beginnt gegen 13 Uhr.

BoykottOne
BoykottOne: Die Songs sind sowohl politisch als auch persönlich, die Texte sind direkt, autobiographisch und dennoch treffen sie den Kern des Ganzen: Es gibt kein ruhiges Hinterland. 2018 hat er mit Kargland ein Hip-Hop-Album veröffentlicht, das sowohl politische als auch persönliche Songs umfasst. © Privat

 Organisiert wird das EINschlag-Festival von einem Zusammenschluss verschiedener Aktivistas sowohl aus Einbecker Initiativen als auch aus dem Umland: Sie alle eint der Wunsch, gemeinsam ein Festival zu feiern sowie die konsequente Ablehnung von Neonazis und verstaubten Weltansichten: Gemeinsam bilden sie „Einbecks lautesten Widerstand gegen Rechts, für eine weltoffene, tolerante und progressive Gesellschaft“ und dafür, dass Einbeck bunt bleibt. Denn braune Aktivitäten im Landkreis reißen nicht ab.

Das Programm gestalten diese Bands

● BoykottOne
● Martin Meiwes
● Pimf 
● Paer 
● Zerreiss probe
● Wave Punx
● Frei Statt Sicher
● Absolut Lächerlich
● Fontanelle
 
 Im Angebot sind Workshops über Nachhaltigkeit, Aufklärung über extreme Rechte, Antisemitismus und Antifeminismus. Darunter befindet sich auch der Workshop „Critical Whiteness – Lernen, weiß zu sein“ mit Chris Herrwig. Hier geht es in der Auseinandersetzung mit Rassismus darum, auch das eigene Weißsein zu hinterfragen: Denn weiße Menschen profitieren – meist unbewusst – von Privilegien, leichteren Zugängen und vielem mehr. In diesem Workshop wird daher um Fragen gehen wie: Was bedeutet Weißsein, und welche Privilegien sind damit verknüpft? Wie können und müssen wir unsere eigenen Standpunkte und unser eigenes Verhalten hinterfragen?
 Darüber hinaus ist ein Infostand des Entwicklungspolitischen Informationszentrums Göttingen (EPIZ) vorgesehen. Hier gibt es Broschüren und Flyer zur machtkritischen Elite, zur Eine-Welt-Arbeit, diskriminierungssensiblen Bildungs- und Geflüchtetenunterstützungsarbeit.
 Bastian Drumm, Mitorganisator eines „Kein Bock auf Nazis-Festivals“ und mehrmaliger Initiator verschiedener Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen zum Thema „Antirassismus“ und „Refugees Welcome“, wird ab etwa 14 Uhr über „Die rechte Szene im Wandel“ und über deren Symbole, Codes und Musik informieren: Da sie sich immer mehr etablierten, sei auch das Thema „Rechter Lifestyle“ neu zu betrachten: Mittlerweile seien rechte Strukturen nämlich schon wesentlich schwerer zu erkennen als noch vor einigen Jahren, sagt Drumm. Aber: „Ihre menschenverachtende Ideologie bleibt gleich.“ Er engagiert sich auch für den Aufbau einer alternativen Jugendkultur im dörflichen Bereich.
Weiter gibt es spezifische Infos zur Jugendarbeit in der Fußballszene und eine Auswahl kulinarischer Spezialitäten regionaler Anbieter*innen. Mit Infoständen präsentieren sich u.a. die Seebrücke Einbeck, m.u.t.i.g. e.V. sowie die Solidarische Landwirtschaft SoLAwi.
  Für den Eintrittspreis besteht ein Solidaritätskonzept: Der Normalpreis beträgt zehn Euro. Das Unterstützer* innen-Ticket beläuft sich auf 20 Euro. Wer nur über wenig Geld verfügt, zahlt fünf Euro oder erhält ein „Soli-Ticket“. Alle gekauften Karten für das ursprünglich schon 2021 geplante Konzert behalten ihre Gültigkeit.
 Das Hygienekonzept sowie der finale Ablauf des Festivals werden spontan angepasst.
 Nähere Infos finden sich auf den Social-Media-Kanälen unter https://www.facebook.com/EINschlag, https://www.instagram.com/einschlag_festival/HOMEPAGE, http://www.einschlag-festival.de/.

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