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Schüler durch CS-Gas verletzt

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Montagvormittag in Einbeck: 21 Rettungswagen aus dem gesamten Landkreis stehen am Hubeweg parat, während erste Verletzte aus der Schule abtransportiert werden.

EINBECK (con) – Offenbar, weil sie keine Lust auf den Unterricht hatten, sollen drei 15- und 16-jährige Schülerinnen im Flur und in einem Klassenraum der Wilhelm-Bendow-Schule (WBS) am Hubeweg CS-Gas versprüht und damit einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften ausgelöst haben. Die Bilanz: 17 Schüler wurden in Krankenhäuser in Einbeck (4), Northeim (5), Bad Gandersheim (4) und Göttingen (4) gebracht.

Wie gestern bekannt wurde, soll sich noch ein Kind mit Herz-/Kreislaufbeschwerden und Wasser in der Lunge auf der Intensivstation befinden. Zudem soll sich ein RTW-Besatzungsmitglied aufgrund eines Asthmaanfalls krank gemeldet haben. 17 Schüler aus dem betroffenen Klassenraum im zweiten Obergeschoss sowie 13 aus der Nachbarklasse hatten am Montag nach der großen Pause über Atemwegsreizungen geklagt, einige von ihnen mussten sich übergeben. 300 Schüler von WBS und IGS wurden vorsorglich in die Turnhalle evakuiert, während 30 Kinder in der Mensa behandelt wurden. Besorgte Eltern warteten vor der Schule, wurden von informierten Kräften beruhigt. Der Schulkomplex sowie Teile des Hubewegs waren während des Großeinsatzes abgesperrt. Die Löns-Realschule musste nach Angaben der Einsatzleitung nicht geräumt werden. Allein 21 Rettungswagen verschiedener Organisationen (DRK Einbeck, Bad Gandersheim, Uslar und Northeim, JUH Northeim und ASB Nörten-Hardenberg) sowie der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes des Landkreises Northeim waren im Einsatz, sogar die Northeimer Conti-Werkfeuerwehr war mit einem RTW beteiligt, um die Verletzten abzutransportieren. Die Einbecker Schwerpunkt-Feuerwehr war mit mindestens 22 Kräften am Einsatzort. Zusätzlich hatte Einsatzleiter Helmut Böttcher den Fachberater der Umwelt-Feuerwehr des Landkreises Northeim und die Technische Einsatzleitung aus Bad Gandersheim hinzugezogen. Die Feuerwehr-Führungsspitze – darunter Einbecks Stadtbrandmeister Lars Lachstädter und Kreisbrandmeister Bernd Kühle – verschafften sich vor Ort ein Bild von der Lage. Nachdem die Ursache des Gasgeruchs im Obergeschoss zunächst unklar gewesen war, hatte die Feuerwehr unter Atemschutz Messungen vorgenommen. Ihr Verdacht, dass Erdgas ausgeströmt sein könnte, bestätigte sich nicht. Durch einen Zufall wurde bei der späteren Taschen-Durchsuchung in einem Schulrucksack eine leere Reizgas-Sprühdose gefunden. Sie sollte schließlich auf die Spur der drei Mädchen führen. Die Schülerinnen sollen sich bei der ersten, nicht formellen Befragung am Montag gegenseitig bezichtigt haben, das CS-Gas, das im übrigen schon für 14-Jährige frei erhältlich ist, versprüht zu haben. Die Polizei ermittelt gegen die drei, längst der Strafunmündigkeit und Schuldunfähigkeit entwachsenen Mädchen von Amts wegen im Zusammenhang mit fahrlässiger Körperverletzung. Alle Geschädigten stünden als Opfer fest, sodass weitere Anzeigen Betroffener nicht erforderlich seien, erklärte Polizeichef Peter Volkmar. Der Einsatz, so Volkmar und Böttcher unisono, dürfte Kosten in fünfstelliger Höhe verursacht haben. Sollten sich die Täter ermitteln lassen, werde „sicherlich darüber nachgedacht werden müssen, die Kosten in Rechnung zu stellen“, erklärte Landkreispressesprecher Dirk Niemeyer. Inwieweit der Vorfall nun auch schulische Konsequenzen nach sich zieht, ist noch unklar. Unter Beteiligung der Polizei und des DRK gab es gestern eine Besprechung, die Polizei soll weitere Spuren sichergestellt haben. Für kommenden Dienstag wurde eine Nachbesprechung mit allen beteiligten Einsatzleitungen und dem Landkreis als Schulträger anberaumt. Gestern fand darüber hinaus eine Vollversammlung in der WBS statt, bei der ein DRK-Vertreter den Schülern den Ablauf und die Hintergründe des Einsatzes erläuterte und die kommissarische Schulleiterin die Schüler für ihr überaus besonnenes Verhalten während der Evakuierung lobte. Ferner sei darum gebeten worden, von Mobbing-Attacken gegen die vermeintlichen Täterinnen abzusehen. Nach Schul-Informationen waren gestern bereits einige der betroffenen Kinder wieder in der Schule. Der Schulbetrieb laufe weitgehend normal, wobei sowohl unter den Mitarbeitern als auch unter den Schülern eine „große Betroffenheit“ zu spüren sei.

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