Viel mehr als eine reaktivierte Unterbringung

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek durchschneidet zur Eröffnung das rote Band: Von rechts Hausleiter Jan Störmer, DRK-KV-Präsident Dr. Kroll, links neben Dr. Michalek MdB Dr. Kühne und Northeims Erster Kreisrat, Dr. Heuer.

EINBECK „Das Ding in schön?“ Das mochte sich Jan Störmer bei dieser leer stehenden Immobilie kaum vorstellen, als er das Ex-Flüchtlingsheim im Kohnser Weg 3 zum ersten Mal besichtigte, das als Ersatz für das alte DRK-Jugend-Gästehaus infrage kommen sollte. Nach der im April 2016 begonnenen Sanierung erstrahlt es als neues Jugend-Gästehaus tatsächlich in neuem Glanz. Am letzten Januar-Sonnabend nahm es offiziell den Betrieb auf, gleich in dieser Woche wird die erste Gruppe erwartet.

53 Betten stehen in zehn Zimmern zur Verfügung. Im Erdgeschoss des sanierten, zweigeschossigen Gebäudes sind drei Zimmer, davon zwei behindertengerechte mit ebensolchen Bädern. 995.000 Euro hat sich die Stadt Einbeck zusammen mit Bund und Land den Umbau des in den 1990-ern als Flüchtlingswohnheim errichteten Hauses kosten lassen – mit über 650 000 Euro wesentlich gefördert durch das Programm „Kleine Städte und Gemeinden“. Und einhellig getragen von allen im Rat vertretenen Fraktionen.

Sie könne sich an kein Projekt erinnern, dass so übergreifend von allen mitgetragen worden sei, betonte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek stolz darüber, dass diese fraktionsübergreifende Arbeit nun sichtbar geworden sei. Als Beitrag zur Wirtschaftsförderung wertete die Verwaltungschefin, dass alle Aufträge an Handwerker in der Region vergeben worden seien. Bis zur Realisierung war es allerdings ein langer Weg. „Es hat ja nur vier Jahre gedauert...“, erinnerte Kreisgeschäftsführerin Diana Kurz-Hoffmann. Aber das Ergebnis sei viel mehr als eine reaktivierte Unterbringung: Es sei „eine Perle für Einbeck und die Region“.

Den hohen Anspruch des DRK-Kreisverbandes Einbeck als Betreiber des neuen Jugend-Gästehauses im Kohnser Weg 3 unterstrich zur Eröffnung Kurz-Hoffmann, in Personalunion Vorstandsvorsitzende des Verbandes: Der habe es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, die Gäste zu begeistern sowie das Sozialverhalten und die Persönlichkeit zu stärken; in diesem Haus sollen Freundschaften geschlossen werden – „vielleicht für ein ganzes Leben“ – und hier sollen auch Brücken gebaut werden: Ganz im Sinne des DRK-Begründers Henry Dunant, dessen Namen das neue Einbecker Jugend-Gästehaus trägt, wolle das DRK hier „den Raum geben, soziale Kontakte erlebbar zu machen“ und positive Gefühle hervorrufen. Diesen guten Geist nahm Vorstandsmitglied und Geschäftsführer Nicolai Tuschinsky in seiner Rede auf: „Wir wollen den Menschen ein Lachen ins Gesicht zaubern.“ Dafür hat das Team um den alten und neuen Hausleiter Jan Störmer bereits mit manchem überraschenden Akzent gesorgt. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek etwa sah ihre Stadt durch ein neues geflügeltes Wort bereichert: In Einbeck geht man(n) aufs „Bla“ ... (und Frauen übrigens aufs „Blablabla“). Hausleiter Störmer bezeichnete sie mit seinem stets positiven Blick auf die immer neuen Herausforderungen rund um das Jugend-Gästehaus als „riesigen Schatz“.

Störmer selbst beschrieb die Zusammenarbeit mit allen ehemaligen und aktuellen Wegbegleitern aus Stadt und DRK als überaus wertschätzend und vertrauensvoll. Davon, dass das, was bereits im alten Jugend-Gästehaus gelebt wurde, innerhalb der vergangenen vier Jahre überlebte und nun ab sofort wieder belebt wird, zeugt der anhaltend große Zuspruch aus der Bevölkerung, das bewiesen aber ebenso die zahlreichen Anfragen nach Übernachtungen wie die jetzigen „Jubelschreie“, als Störmer endlich den Eröffnungstermin öffentlich machen konnte. Am 22. Dezember 2013 hatte die letzte Gästegruppe – das Akkordeon-Orchester des Landes Niedersachsen – aus dem alten Gästehaus ausgecheckt, Ende 2018 checkt es ins neue Gästehaus wieder ein. „Die Idee lebt!“, betonte Jan Störmer. Der Einbecker Gesellschaft der Karnevalsfreunde dankte er für die wichtige Defibrillator-Spende, im Gegenzug übergab er GdKE-Präsident Albert Eggers die Karte der Menschlichkeit der DRK-Jugendorganisation. Mit einem Blick zurück dankte Störmer dem Ehepaar Rehkopf dafür, dass es sich so gut um das Vorgänger-Gästehaus, das „alte Schätzchen“ des DRK-Kreisverbandes auf dem PS.SPEI- CHER-Gelände, kümmere. Beiden sei es stets ein Herzensanliegen gewesen, dass es möglichst zeitnah ein neues Jugend-Gästehaus geben sollte, erklärte Alexander Kloss für die Kulturstiftung Kornhaus.

Das neue Dach über dem Kopf haben nun die einst schon weltbesten Nachbarn, Haus der Jugend und Jugend-Gästehaus, mit Hilfe der Einbecker Politik am Kohnser Weg gefunden – wieder in direkter – und weltbester – Nachbarschaft. con

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