Patric Diesener will wieder ins normale Leben zurück kehren

„Ich bin unschuldig!“

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Patric Diesener will mit der Annahme des Urteils einen Schlussstrich ziehen: Seine Familie und er wollen „endlich zur Ruhe kommen“. Ein Schuldanerkenntnis sei das aber nicht.

EINBECK (con) – „Ich habe es nicht getan und die Tat auch nicht indirekt eingeräumt. Ich bin unschuldig!“

Für Patric Diesener war es wahrlich nicht das, was er in den Zeitungen nach seiner Berufungsverhandlung in Göttingen lesen wollte: Übereinstimmend war der Tenor, dass er mit der Annahme des Urteils im Berufungsverfahren indirekt die Brandstiftung in der Altendorfer Straße von August 2012 zugegeben und die Feststellungen des Einbecker Amtsgerichts anerkannt habe. „Das ist nicht so“, beteuert der heute 22-Jährige.

Das Berufungsverfahren habe sich nur auf das Strafmaß bezogen. Das bestätigt auch sein Rechtsbeistand, der Northeimer Rechtsanwalt, Wiesemann. Die Beweislage sei äußerst schwierig gewesen, so dass das Risiko für seinen Mandanten sehr hoch gewesen sei, wenn der gesamte Prozess noch einmal aufgerollt worden wäre. „Deshalb haben wir uns auf den Kompromiss geeinigt, lediglich mit dem Strafmaß in Berufung zu gehen.“ Das Göttinger Landgericht kam im Mai zu dem Schluss, die vom Amtsgericht verhängte Gefängnisstrafe durch eine 22-monatige Bewährungsstrafe zu ersetzen. Die Sozialprognose sei positiv. Gleichzeitig steht eine Therapie im Raum.

Patric Diesener schildert im Gespräch mit der EULE-Redaktion, wie es ihm geht und warum er die Strafe nun akzeptiert habe: „Ich habe die Strafe lediglich angenommen, weil meine Familie und ich endlich zur Ruhe kommen wollen.“

Er wolle einen Schlussstrich ziehen und mit seiner belasteten Familie „endlich wieder ein normales Leben führen“. Seine Verlobte habe die ganze Zeit während des Einbecker Prozesses zu ihm gehalten. Im März haben sie geheiratet, der gemeinsame Sohn ist gerade ein Jahr alt geworden, das zweite Kind kommt im Oktober.

Für seinen Hauptschulabschuss hat er seit September bei der Ländlichen Erwachsenenbildung gebüffelt und seit dem 11. Mai auch einen guten Abschluss in der Tasche. Jetzt ist er auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Patric Diesener: „Ich möchte entweder eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder zum Lackierer beginnen.“ „Natürlich“ gestalte sich die Suche schwierig, sein Name habe schließlich in Verbindung mit der Brandstiftung in der Altendorfer Straße vor fast zwei Jahren die Runde gemacht. „Doch ich war es nicht!“ Das für ihn „erschreckend hohe Strafmaß“ des Einbecker Amtsgerichts sei nur „schwer zu ertragen“ gewesen.

Mit der Bewährungsstrafe aber könne er leben und hoffe, dass man ihm noch eine Chance gibt.

Seine Familie – neben der Mutter seines Kindes, seine Mutter, der leibliche Vater und der Stiefvater – bestärkten ihn; auch die Aussage der Jugendgerichtshilfe gebe ihm Mut: Mit dem Einbecker Urteil habe die Einbecker Volksseele besänftigt werden sollen. Am Ende sei es nur noch eine juristische Sache gewesen, sagt Patric Diesener. „Aber was ich nicht getan habe, kann ich auch nicht zugeben.“

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