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„Höchstens symbolischer Akt”

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Künftige Fahrradstraße in Einbeck
Die Fahrradstraße ohne Einschränkungen für den Kfz-Verkehr umzu setzen, entspricht nicht der eigentlichen verkehrsrechtlichen Definition einer Fahrradstraße, meint die Verkehrswende-Initiative. © Verkehrswende-Initiative Einbeck

Einbeck – Am Sonnabend fand mit gut einem Dutzend Teilnehmenden die allmonatliche Fahrrad-Demo durch Einbeck statt. Neben der gewohnten Route über Grimsehlstraße und Altendorfer Tor führte sie diesmal zusätzlich durch das Ostertor und die Münsterstraße. Diese Straßen sollen zeitnah zu einer Fahrradstraße umgewidmet werden. 

Bei der Zwischenkundgebung am Ostertor lobte ein Teilnehmer zwar, dass eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung des Nahmobilitätskonzepts nun endlich erste Maßnahmen ergriffen werden, kritisierte jedoch die Zurückhaltung, mit der dies geschehe. Die Fahrradstraße soll nämlich ohne Einschränkungen für den Kfz-Verkehr umgesetzt werden, nicht einmal Parkplätze sollen dafür weichen. Damit entspreche die Maßnahme nicht mehr der eigentlichen verkehrsrechtlichen Definition einer Fahrradstraße, und auch an der aktuellen Gefahrenlage für Radfahrende werde sich wenig ändern. Die Umwidmung zur „Fahrradstraße” in der geplanten Form werde sich höchstens als „symbolischer Akt“ und dezenter Hinweis auf Rücksichtnahme niederschlagen.

Alle, die regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs sind, wissen allerdings, was es bedeutet auf die Rücksichtnahme von Autos angewiesen zu sein: Überholvorgänge mit weniger als einem Meter Abstand sind keine Seltenheit. Die Kampagne „Einbeck nimmt Rücksicht“ versuche vergeblich, mit Schildern auf die Einhaltung des gesetzlichen Sicherheitsabstandes von 1,50 Metern hinzuwirken. Dabei zeigten zahlreiche Studien: Nicht die Appelle an Rücksichtnahme, sondern konkrete bauliche Maßnahmen schaffen die nötige Verkehrssicherheit. Für eine sichere Fahrradinfrastruktur brauche es mehr autofreie Fläche, betont die Verkehrswende-Initiative..

Am Beispiel des Ostertors bedeutet das mindestens das Streichen der Parkplätze im Kurvenbereich, die regelmäßig zu gefährlichen Abbiegesituationen von Fahrradfahrenden führen. Auch die Sperrung oder Teilsperrung für den Autoverkehr sei machbar, schließlich sei der Möncheplatz über drei weitere Straßen erreichbar. Realisiert durch einen Poller oder eine Schranke müsse dabei kontrolliert werden, dass die Sperrung auch eingehalten wird. Erst mit solchen Maßnahmen verdiene eine Straße den Begriff „Fahrradstraße“.

Zur Abschlusskundgebung der Fahrrad-Demo auf dem Möncheplatz wurde erneut die Bauausschusssitzung aufgegriffen: „Mit den aktuellen Entwicklungen zeigt sich erneut deutlich, dass die Stadt das Nahmobilitätskonzept nicht als einen elementaren Faktor einer sozial gerechten Gestaltung des öffentlichen Raums verstanden hat. Stattdessen behandelt sie das Thema als Nebensache, welche hinter anderen prestigeträchtigen Projekten, wie dem Bau neuer Einkaufszentren, Hotels oder umweltpolitisch enorm fragwürdiger Neubaugebiete, zurückstehen muss“, kritisierte Lotte Herzberg die aktuelle Stadtpolitik.

Nach der Fahrrad-Demo trafen sich einige Aktive zur Vernetzung und weiteren Planung. Die kostenlose Ausleihplattform „Bolle” für Lastenräder in Einbeck (www.lastenrad-einbeck.de) wird vorraussichtlich weiter wachsen, so dass sich mehr Menschen an der Nutzung von Lastenrädern und erfreuen können. Das Angebot wird in den kommenden Monaten voraussichtlich um so genannte Inklusions-Räder erweitert. Diese Räder sind dazu gedacht, zusammen mit mobilitätseingeschränkten Menschen auf einem Fahrrad unterwegs sein zu können. Denkbar sind hierbei auch Ausflüge mit Menschen in Alten- oder Pflegestätten. Auf https://einbeck.endlich-verkehrswende.de gibt es zu allem weitere Informationen.

Die Verkehrswende-Initiative ist ein offener Zusammenschluss und freut sich über weitere Mitstreiter*innen. Auch Menschen aus den umliegenden Ortschaften sind eingeladen, für eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur mit einzustehen. Aufgrund der frühzeitigen Dunkelheit sind die Fahrrad-Demos in den kommenden Monaten auf den letzten Sonnabend im Monat verlegt, Start ist jeweils um 11 Uhr an der Jungen Linde im Hubeweg.

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