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„Hier muss sich niemand schämen“

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Thomas Döhrel vom Orga-Team mit Gewerkschaftssekretärin Bianka Berlin, und Rita Haupt, Yvonne Haupt, Renate Wendland, Elisabeth Wesemann und Jutta Tschierschwitz vom Frauen-Arbeitskreis der IG Metall
Unterstützung für die Einbecker Tafel: Thomas Döhrel vom Orga-Team mit Gewerkschaftssekretärin Bianka Berlin, und Rita Haupt, Yvonne Haupt, Renate Wendland, Elisabeth Wesemann und Jutta Tschierschwitz vom Frauen-Arbeitskreis der IG Metall. © Cornelia Sürie

Einbeck – 565 Euro haben die Mitglieder vom Frauen-Arbeitskreis der IG-Metall jetzt der Einbecker Tafel übergeben. Seit mehr als 30 spenden sie regelmäßig jeweils 500 Euro an gemeinnützige, soziale Einrichtungen im Einbecker Raum, seit 15 Jahren vorwiegend an Einrichtungen für Kinder und Frauen. 

Im März – kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – entschieden sich die Gewerkschafterinnen spontan, auf Präsente für ihr eigenes Engagement zu verzichten und den üblichen Spendenbeitrag damit auf 565 Euro aufzustocken. Die Tafel wählten sie aus, damit nun gerade den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine – zumeist Frauen und Kindern – geholfen wird. „Wir wollten aber auch nicht die Bürger und Bürgerinnen Einbecks vergessen“, begründete Rita Haupt, die frühere langjährige Betriebsratsvorsitzende von Dura Automotive Einbeck, die Spende an die Tafel.

Die Spendensumme reiche „ziemlich genau“ für den Zukauf von Lebensmitteln für eine Woche, erklärte Thomas Döhrel vom Tafel-Organisationsteam auf Nachfrage von Gewerkschaftssekretärin Bianka Berlin. Die Lebensmittelspenden aus den Märkten reichten längst nicht mehr, um allein die Stammkundschaft zu versorgen. Die Geflüchteten aus der Ukraine würden anders, als noch bei der Flüchtlingssituation vor einigen Jahren, eben nicht vom Staat rundum – und damit auch mit drei Mahlzeiten am Tag – versorgt. „Jede Familie kriegt irgendwie irgendwo Hilfe, aber kein Essen über den Staat, sondern bezieht Hartz IV.“ Damit könne sie nun die Tafel in Anspruch nehmen. Und dass die Familien das müssten, daran gebe es keinen Zweifel. Inzwischen machten ukrainische Flüchtlinge mehr als 50 Prozent der Tafel-Kundschaft aus.

Zudem sei die Logistik der Tafel durch die Inflation und das vorsichtigere Waren-Management der Märkte beim eigenen Lebensmittel-Einkauf an ihre Grenzen gelangt. Die Märkte kauften weniger ein, hätten dementsprechend weniger über. Um die Versorgung der Tafelkundschaft zu gewährleisten, müsse zugekauft werden: „Die Ehrenamtlichen fahren zu den Märkten, kaufen ein, laden ein, laden aus, lagern ein...“ Und seien dadurch zusätzlich „momentan ganz enorm gefordert“. Für die Zukunft rechnet Tafel-Sprecher Döhrel mit einer weiter steigenden Kundenzahl. Noch trauten sich vielleicht viele Ältere nicht, zur Tafel zu kommen: Inflation und massiv steigende Energiepreise erschwerten es aber gerade ihnen, für die Sparsamkeit kein Fremdwort sei, mit ihren geringen Einkünften noch über die Runden zu kommen, dabei handele es sich zumeist um Frauen. Es sei keine Schande, die Tafel in Anspruch zu nehmen: „Hier muss sich niemand schämen“, betonte Thomas Döhrel.

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