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„Halbschwanger gibt es nicht“: Kahle zeigt lieber klare Kante

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Namens Bundespräsident Gauck hat Kreisrat Dr. Hartmut Heuer (r.) den Vardeilser Hermann Kahle mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Dank für jahrzehntelange Unterstützung galt Kahles Gattin Marie-Luise. © Foto: Friese

VARDEILSEN (cmf) – Wenn Vollerwerbslandwirte zur besten Erntezeit vom Mähdrescher steigen, ist Besonderes los: Bundespräsident Joachim Gauck hat den Vardeilser Hermann Kahle mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die besondere Ehrung vollzog Dr. Hartmut Heuer. Dem Ersten Kreisrat im Landkreis Northeim war es „Ehre und persönliche Freude”, dem langjährigen Ortsbürgermeister von Avendshausen und Vardeilsen das stattliche Kreuz aus Schloss Bellevue ans Revers zu stecken – als sichtbaren Ausdruck Gaucks „Anerkennng der um Volk und Staat erworbenen Verdienste” über vier Jahrzehnte hinweg. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Ortsbürgermeisterin Antje Sölter (geborene Kahle) zollten Hermann Kahle sehr herzlich ausdrücklichen Dank für Jahrzehnte ehrenamtlicher Arbeit in Kommunalpolitik, Vereinswesen und Nachbarschaftspflege.

Beide bescheinigten ihm ausgeprägten Gemeinsinn und verlässliches Handeln als Team-Player. Deshalb hatte der Ortsrat 2011 den Antrag für die Niedersächsische Verdienstmedaille beschlossen. Dass daraus nun, auch dank des Landkreises, das Bundesverdienstkreuz wurde, sei einfach toll, so die Ortsratschefin. Im Kreis von Kahles Familie, Freunden und Vertretern der örtlichen Vereine und Verbände würdigte Kreisrat Dr. Heuer den Vardeilser Aktivposten. Ehrenamt sei langfristiges, oft organisiertes, immer aber unentgeltliches Engagement, das aber viel bessere Lebensqualität bringe als ein nur selbstbezogenes Dasein. Es sei wichtig, mehr Menschen dafür zu begeistern, sich für andere einzusetzen, meinte Heuer, weil „Anstöße zu Verbesserungen aus der Gesellschaft selbst kommen” müssen, „wenn ein Gemeinwesen nicht versteinern soll”. Doch leider würden gerade Kommunalpolitiker, die „den Karren mühsam ziehen, oft pauschal kritisiert oder sogar verunglimpft”, bedauerte Dr. Heuer. Kahle habe dennoch ganz bewusst Verantwortung übernommen – 1972 erst als Ratsherr im selbstständigen Vardeilsen, seit 1974 als Ortsratsherr für Vardeilsen und Avendshausen, von 1986 bis 2011 als Ortsbürgermeister für die beiden Einbecker Dörfer. Es blieben sichtbare Spuren mit Neubaugebieten, Gemeinschaftshaus mit Feuerwehrschulungsraum und Schutzhütte mit Grillanlage. Von 1972 bis 1990 diente Kahle an der Feuerwehr-Kommandospitze. Als Ehren-Ortsbrandmeister kümmert er sich seither um FF-Altersabteilung und Ausflüge. Von 2004 bis 2009 war Kahle gewähltes Mitglied im städtischen Seniorenparlament. Der frisch gekürte Verdienstkreuzträger dankte seinerseits vor allem Gattin Marie-Luise Kahle, die ihm stets den Rücken gestärkt habe. Stolz zeigte er sich über die Ehrenämter seiner Töchter Antje (Ortsbürgermeisterin, Stadträtin) und Heidrun (Kirchenvorstand Stroit). In fast 40 Jahren Kommunalpolitik habe es Höhen und Tiefen gegeben, man könne es eben nicht immer allen recht machen. Vielmehr sollten Ehrlichkeit und klare Worte gelten: „Halbschwanger geht ja auch nicht”, so seine gesicherte Erkenntnis. Kahle riet zu klarer Kante: „Lieber geradeaus und offen auch ‘mal etwas ablehnen.”

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