„Wunsch nach Macht und Gewalt“

Haftstrafe für Pascal Z. nach Sprengstoffanschlag in Einbeck

Rechte Szene Anwalt Wölfel mit Angeklagtem Pascal Z im Amtsgericht Einbeck
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Pascal Z. (r.) räumte die Vorwürfe durch seinen Rechtsbeistand weitgehend ein. Zum Zeitpunkt der Tat will er mit dem ebenfalls angeklagten Jonas A. unter Alkoholeinfluss gestanden und sich keine Gedanken darüber gemacht haben, was alles hätte passieren können.

Einbeck – Bei Pascal Z. klickten am Ende der Hauptverhandlung die Handschellen: Der mehrfach vorbestrafte 26-Jährige, der der strammen, rechten Szene in Einbeck zugerechnet wird, fuhr gleich wieder ein. Das Einbecker Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung in Tateinheit mit versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, dazu wegen versuchter Nötigung und Beleidigung. Dagegen konnte der Nachweis für eine versuchte schwere Brandstiftung während der Hauptverhandlung nicht erbracht werden. Seit fünf Monaten saß Z. in Untersuchungshaft in der JVA Bremervörde.

Hintergrund der Verhandlung in Einbeck war der auch international Aufsehen erregende nächtliche und rechtsmotivierte Sprengstoffanschlag vom Juni gegen die Wohnung einer 41-jährigen Seebrücken-Aktivistin und Antifaschistin, die sich in ihrer Heimatstadt Einbeck gegen Hass und rechte Hetze und für eine menschliche Flüchtlingspolitik engagiert. Am Abend vor der Tat hatte Z. sie im Beisein des mitangeklagten Jonas A. bedroht. Ihre Familie leidet noch heute unter den Folgen der Tat mit dem „erheblichen Gefährdungspotenzial“, die sie nachts aus dem Schlaf gerissen hatte. Auch die Anwälte bezeichneten den Angriff auf den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ der Frau und ihrer Familie als „Schweinerei“ bzw. „Sauerei“, wenngleich Z.s Rechtsbeistand betonte, dass man sich davor hüten müsse, „die Tat als etwas anderes zu würdigen als als das, was sie sei: Es gehe schließlich um Tatstrafrecht, nicht um ein Gesinnungsstrafrecht.

Das Gericht hält die 30-monatige Haftstrafe angesichts „der Veranlagungen“ des Angeklagten Z. „und der Schuld, die er auf sich geladen“ habe, für schuld- und tatangemessen. Er sei die Triebfeder gewesen und habe zusammen mit Jonas A., der „Schmiere gestanden“ habe, „mindestens billigend“ in Kauf genommen, dass durch den Anschlag mit dem verbotenen Polenböller in dem Briefkasten der Geschädigten mit „fünf Gramm Netto-Explosivmasse“ alles Mögliche im Haus kaputt gehe. Beide könnten von Glück sagen, dass nicht mehr passiert sei.

Obwohl Z. sonst keinen Hehl aus seiner politischen Gesinnung macht, hielt er sich vor Gericht zurück. Allerdings zeigte er sich der gerichtserfahrene Mann, gegen den noch Verfahren anhängig sind, auch kaum beeindruckt. Auf das letzte Wort, das Angeklagten vor dem Urteil zusteht, verzichtete er mit den Worten „besser nicht....“. Und noch vier Wochen nach der Tat hatte er bei seiner Vernehmung in Göttingen bedauert, dass die Frau, gegen den sich der Anschlag gerichtet hatte, nicht hinter der Tür gestanden habe.  Im Übrigen hatte er überhaupt nichts dagegen, dass das Gericht diese Äußerung seiner Beweisaufnahme hinzufügte.

Bei dem 24-jährigen Jonas A., der ebenfalls zur rechten Szene gehört, sich aber wohl glaubhaft von ihr lösen will, wurde der Haftbefehl aufgehoben. Er kam mit einer 15-monatigen Bewährungsstrafe davon.  Beide Anwälte hatten für Bewährungsstrafen plädiert, während die Staatsanwaltschaft die Angeklagten hinter Gittern sehen wollte. Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft, der politische Hintergrund der Tat sei strafverschärfend, meinte Richter Döhrel, dass die gesamte Persönlichkeit des Hauptangeklagten nicht so sehr geprägt sei von rechtem Gedankengut und nationalsozialistischen Vorstellungen, sondern vielmehr von dem Wunsch nach Macht und Gewalt. Das habe er „supergut“ bei den Rechten gefunden. Die bisherigen Jugendstrafen des Amtsgerichts Northeim mit seinen „unendlich milden Jugendstrafen“ hätten ihn offensichtlich so gar nicht beeindruckt: „Niemand hat Z. gezeigt, dass es Grenzen gibt.“ Noch mit 24 Jahren habe er nach dem Widerspruch einer Bewährung eine Jugendstrafe verbüßen müssen. Der Vertreter der Nebenklägerin, Rasmus Kahlen, wertete das Urteil als „Zeichen“, der rechten Szene in Einbeck eben diese Grenzen aufzuzeigen: „Das ist ein schönes Brett.“  Z. und A. hätten in Einbeck über einen längeren Zeitraum Menschen mit Gewalttaten bedroht. Hier sei viel zu spät agiert worden. Das sei kein „Links-/Rechts-Scharmützel“ oder gegenseitiges Hochschaukeln, wie gerne gesagt werde: Der Sprengstoffanschlag in Einbeck sei nur möglich gewesen, „weil diese Personen glauben, sie könnten sich hier alles erlauben“. con

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