Liberaler Landtagsabgeordneter im EULE-Gespräch: Brauchen wir die FDP eigentlich noch?

Grascha: „Die FDP kommt wieder“

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FDP-Landtagsabgeordneter Christian Grascha aus Einbeck geht davon aus, dass die Gesellschaft eine liberale Partei benötigt, die die Marktwirtschaft hochhält.

EINBECK (con) – Für den Bezirksvorsitzenden der südniedersächsischen Liberalen, Christian Grascha, kam das niederschmetternde Ergebnis, das seine sächsischen Parteifreunde am vergangenen Wahlsonntag aus dem Landtag hinauskatapultierte, nicht eben überraschend. Nach den Prognosen der Tage zuvor, bei denen die FDP gerade mal bei drei Prozent dümpelte, sei die Abwahl aus dem Landtag „leider“ abzusehen und die Wähler-Mobilisierung ungeheuer schwer gewesen...

Die EULE sprach mit dem 35-jährigen niedersächsischen Landtagsabgeordneten und Familienvater aus Einbeck über die Lage einer Partei, die viele Wähler offenbar schon für entbehrlich halten.

Herr Grascha, braucht diese Gesellschaft eigentlich noch eine FDP? 

Grascha: Dass sie gebraucht wird, das sehen wir doch täglich in der Bundesregierung. In Berlin wird eine Politik zu Lasten der nächsten Generationen gemacht, indem man sich auf dem wirtschaftlichen Erfolg ausruht und ihn verfrühstückt. Da brauchen wir eine liberale Partei, die an der Marktwirtschaft festhält. Natürlich befinden wir uns in einem tiefen Tal und haben auf Bundesebene ein enormes Image-Problem. Wir haben die Erwartungen, die 2009 mit der Koalition in uns gesetzt wurden, nicht erfüllt.

Die FDP gilt sowohl in Südniedersachsen als auch in Sachsen als kommunal verankert. Ist der Rauswurf in Sachsen nur dem negativen Bundestrend geschuldet?

Grascha: In Sachsen haben wir mit der CDU exzellente Regierungsarbeit geleistet. Aber bei einem so negativen Bundestrend kann man in einer Landtagswahl nicht punkten. Dazu kam der Verzicht der sächsischen Parteifreunde, sich Unterstützung aus Berlin zu holen. Das hätte ich nicht gemacht. Man kann eine Kampagne nicht gegen die Bundesebene führen. Aber ob es wirklich geholfen hätte? Das ist jetzt verschüttete Milch.

Muss sich die FDP neu erfinden, um zu überleben?

Grascha: Mit Christian Lindner befinden wir uns im Erneuerungsprozess, wir müssen Vertrauen zurück gewinnen. Wir erarbeiten zurzeit ein neues Leitbild mit Themen und wie wir uns künftig in der Außendarstellung präsentieren. Das braucht natürlich Zeit, so etwas stampft man nicht aus dem Boden, indem man einfach den Schalter umlegt. Das Leitbild wird jetzt in den verschiedenen Foren diskutiert und am Ende des Jahres bei unserem Parteikonvent in Berlin beschlossen. Bei der Landtagswahl 2015 in Hamburg werden wir das Tal durchschritten haben und dann als neue FDP antreten.

Also schon keine Hoffnung mehr für die bevorstehenden Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg?

Wir sind jetzt noch in acht Landesparlamenten vertreten. In Thüringen und Brandenburg sind die Bedingungen aber noch ungleich schwieriger als in Sachsen. Da geben wir uns keinen Illusionen hin, was aber nicht heißt, dass wir die Wahlen schon verloren gäben. Es gibt ein gehöriges Gemeinschaftsgefühl, und unser Bezirksverband unterstützt die Parteifreunde in beiden Bundesländern. Wir hoffen alle, die Fünf-Prozent-Hürde zu überschreiten.

Und wenn nicht?

Grascha: Wir kommen wieder, keine Frage.

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