Erste Kundgebung 2021: „Seebrücke“ spiegelt Sicht auf Camp Lipa

Gegen Abschottung und Flüchtlingselend

Seebrücke Demo in Einbeck
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Signalfarbe Orange im Schneeriesel am Weihnachtsbaum: Für die „Seebrücke“ bleibt ein europäisches Schutzsystem für Flüchtende ganz oben auf der Tagesordnung.

Einbeck – Leise rieselt der Schnee auf den nasskalten Marktplatz. Noch steht der große Weihnachtsbaum wie verheißungsvoll mit Schleifen und Sternchen, als 16 Aktive der Einbecker Zivilorganisation „Seebrücke“ am frühen Freitagabend ihre neujährige Serie angemeldeter Kundgebungen starten, gemeinsam mit dem Offenen Antifaschistischen Treffen (OATE). Sie wollen nicht aufhören, mehr öffentliches Interesse für das anhaltend krasse Flüchtlingselend in Mittelmeer und Ägäis zu erzeugen und beleuchten dazu die aktuelle Lage im verschlammten Camp Lipa in Bosnien-Herzegowina. 

Dort spiele sich seit drei Wochen ein humanitäres Chaos ab, das sofort beendet gehöre. „Sonst erfrieren die Menschen, verhungern oder sterben an Covid-19.“ Das wäre eine menschliche Tragödie und eine Schande für die Europäische Union. Grundsätzlich müsse ein gemeinsames europäisches Schutzkonzept eingerichtet werden, das legale sichere Fluchtwege und faire Asylverfahren biete. „Die Europäische Union, die EU-Kommission, aber auch Deutschland schweigen zu den anhaltenden Menschenrechtsverletzungen wie etwa den tausendfachen völkerrechtswidrigen ‚Pushbacks‘ durch Kroatien.“ Nunmehr „brauchen wir die Rückkehr zu den Menschenrechten, statt durch brutale und hässliche Bilder wie aus Lipa oder von Lesbos weiter diese gnadenlose Abschottungspolitik zu vollziehen.“

Nur vereinzelt kreuzen Menschen über den Marktplatz, wenige bleiben kurz stehen, hören HipHop-Protestlieder, Wortbeiträge und Tamara Wittigs Weltfrieden-Gedicht „Angst – Macht – Kriege“. Zwei Männer schlendern vom Hallenplan entlang der drei Großbanner, wollen den Demonstranten ihre gegenteilige Sicht näher bringen und drehen dann doch ab nach kurzem Wortwechsel. Polizeikräfte beobachten die erste Kundgebung 2021 und melden keinerlei Zwischenfälle oder Regelverstöße. cmf

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