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Gefecht ohne Geister

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Die Northeimer Landsknechte verhinderten einen gar gemeinen Überfall auf die Erichsburg – mit handlichen Vorderladern, Steinschloss-Schießprügeln, Kanonen und einer enormen Schwarzpulver-Keule. Die Kanonenmänner sorgten für sicheren Abstand zu den vergnügten Zuschauern.

ERICHSBURG (cmf) – Sauwetter. Dunkele Wolken ziehen über die Sollingkämme, seit die Erichsburg von marodierenden Spießgesellen belagert wird. Zwecks Plünderung. Zum Glück kommen die Northeimer Landksnechte rechtzeitig – und retten das marode Bauwerk vor der feindlichen Übernahme. Da geht die Sonne auf für Historienfreunde.

Was für die zeitgenössischen Hobby-Freischärler aus Northeim ein Zwei-Tage-Aktiv-Schauspiel vor knapp 200 Zuschauern bleibt, soll auch dem neuen Hausherrn helfen. Manfred Schneider hat die Anlage vor einem halben Jahr gekauft. „Häusliche Liebe auf den ersten Blick“ für Schneider, der aus Lengerich im Westen kommt und im deutlich moderneren Nebenhaus östlich der Erichsburg lebt. König im eigenen Schloss will er schon lange sein, ein Traum soll das nicht bleiben. Doch davor stehen umfangreiche Sanierungserfordernisse. Unterm löcherigen Dach tropft es, die alte Orgel pfeift nicht 'mal aus dem letzten Schnorchel – ein wenig Kosmetik reicht nicht.

Das Schloss, Baujahr 1527 bis 1612, hat schon länger Risse. Bereits 1688 müssen erste Trakte komplett verschwinden. Seither sind immer wieder Renovierungen fällig, manche wirksam und viele nicht. 1891 verlegt die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover ihr Predigerseminar nach Erichsburg. Die Geistlichen bekommen bald kalte Füße, aber erst 80 Jahre später wird das ländlich abgelegene Predigerseminar aufgelöst. Bis 1980 pachtet die Landeskirche das Schloss als Jugendfreizeitheim für Konfirmanden-Pfarre im Kirchenkreis Einbeck. Hauptberuflich über den Wolken unterwegs, will Schneider privat die Erichsburg nicht so am Boden sehen. Deshalb will er mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen auf das Schlossgelände aufmerksam machen. Mit der Gründung eines Fördervereins könnte in der Grafschaft Dassel und darüber hinaus für die Erichsburg als Denkmal getrommelt werden. Ein eigener Account in der Facebook-Familie soll den Info-Fluss füllen. Schneider stellt sich zudem Kooperationen mit Förderkreisen anderer historischen Stätten und Ruinen vor. Nach dem jüngsten Feldlager mit den Kreisstädter Landsknechten, Holzdrechslern, Gewandmachern und zünftigen Bratmeistern könnte sich Schneider auch Planwagen-Touren zwischen den heimischen Historien-Stätten vorstellen. Im Bürgermeister-Wahlkampf hätten sich auch Kommunalpolitiker nach dem Befinden der Erichsburg erkundigt, da will er nachhaken. Auch alternative Präsentationen wären auf dem Gelände erwünscht. Adrett gepflegt, lädt der Gartenpark um das Schloss zu ganz unterschiedlichen Freiluft-Freuden ein. Das Schloss-Innere bleibt gesperrt. Die Substanzschäden sind schlimmer als die „zwei Phänomene“, die ein TV-Team „unter wissenschaftlicher Begleitung“ nachgewiesen haben will. Spukspuren? Die Crew habe Schneider angesprochen, nicht umgekehrt. Tatsächlich hätten die Instrumente der „TV-Geisterjäger“ ausgeschlagen.

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