EULE-Serie „Die Rückkehrer“: Amélie Carolina Hesse will nach ihrem Medizin-Studium eine Praxis auf dem Land eröffnen

„Für mich der absolut richtige Weg“

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Für Amélie Carolina Hesse (l.) steht fest, sie möchte zurück in heimatliche Gefilde und eine Hausarztpraxis auf dem Land eröffnen. Ihr ist es wichtig, einen Patienten über Jahre zu begleiten, möglichst im Kontext zu Beruf und Familie. Vor der Problematik des drohenden Hausärztemangels im ländlichen Raum sind junge Ärzte wie sie gefragt. Mit im Bild Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall, die sich in Sachen „Rückkehrförderung“ engagiert.

EINBECK (con) – Ein Gutachten des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes hat die gefährdete medizinische Versorgung im ländlichen Raum ins Bewusstsein gerückt: Die Konzentration in städtischen Regionen hat sich danach bereits verfestigt, und ländliche Regionen haben darunter zu leiden. In Zeiten, in denen jährlich bundesweit aus Altersgründen 2000 Hausärzte ausscheiden und jeder zweite Mediziner Schwierigkeiten hat, einen Nachfolger zu finden, droht dem ländlichen Raum in den nächsten Jahren eine Unterversorgung der vertragsärztlichen Versorgung.

Auch Amélie Carolina Hesse, die gebürtig aus Salzderhelden stammende Göttinger Medizin-Studentin im neunten Semester, bestätigt diese beunruhigende Entwicklung. Und sie fürchtet, dass der heute von jungen Ärzten als unattraktiv bewertete Beruf des guten, alten Landarztes aussterben wird, wenn im Gesundheitswesen nicht bald gegengesteuert wird. Denn das Patientenaufkommen pro Arzt wächst, die Patientenstruktur verändert sich aufgrund zunehmender Alterung rasant, und die Zahl der Praxisbesuche älterer Menschen steigt zunehmend.

Gleichwohl trägt sich die junge Frau, die vor dem Staatsexamen steht und danach ihr praktisches Jahr antreten wird, mit dem Gedanken, sich im ländlichen Raum mit einer eigenen kleinen Praxis für Allgemeinmedizin niederzulassen. Gemeinsam mit Ehemann Robert, der aus Buensen stammt, will sie ihren Lebensmittelpunkt wieder in die Einbecker Region verlegen. „Wir sind Naturliebhaber, und wir sind hier sehr schön groß geworden. Das wünschen wir uns für unsere Kinder auch“, sagt Amélie C. Hesse, die an der Goetheschule ihr Abitur absolviert und sich über Jahre (vom sechsten bis zu ihrem 18. Lebensjahr) bei den Pfadfindern engagiert hat – bis hin zur Gruppenleiterin. „Wir haben hier unser familiäres Umfeld und unsere Freunde.“ Dass Ehemann Robert – ein promovierter Mathematiker – in Alfeld eine gute Stelle bekommen hat, habe die Entscheidung, nach Studium und Ausbildung wieder in heimatliche Gefilde zurück zu kehren, noch zusätzlich befeuert. Der Wunsch, sich als Hausärztin auf dem Land niederzulassen, sei schon sehr früh in ihr gekeimt. „Mich reizt es, Patienten und ihre Familien über Jahre auch in ihrem sozialen und beruflichen Kontext zu begleiten.“ So entstehe ein anderes, ein ganzheitliches Bild von dem Patienten, das ihr in der Medizin „sonst viel zu kurz kommt“. Amélie Carolina Hesse weiß, dass es mit einer eigenen Praxis nicht einfach werden wird, sie werde schließlich auch ein großes finanzielles Risiko tragen müssen, denkt sie bereits über eine Gemeinschaftspraxis mit Kollegen nach: „Aber für mich ist es der absolut richtige Weg.“ Das haben ihr die zahlreichen Berufspraktika während ihres Studiums bereits bestätigt. Für die nächsten Semesterferien hat sie deshalb bewusst auch eine Arbeit bei einem Hausarzt im ländlichen Raum gewählt. Als mögliche Form der Rückkehrförderung wünschte sie jungen Ärzten einen örtlichen Allgemeinmediziner als Mentor zur Seite, natürlich müsste es flexible Kinderbetreuungszeiten geben.

Einige ländliche Regionen stellen vor dem Hintergrund des wachsenden Hausärztemangels inzwischen Praxen zur Verfügung, Krankenhäuser gewähren Stipendien an Medizinstudenten, durch die die sich dann verpflichten, während der Weiterbildung für drei Jahre an der entsprechenden Klinik zu arbeiten.

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