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Fischereiverein: Gewässer naturnäher und strukturreich gestalten

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Projekte des Fischereivereins Collage
Der Einbecker Fischereiverein betreibt wichtige Naturschutzprojekte. © Fischereiverein Einbeck

Einbeck – Vor kurzem feierte der Fischereiverein Einbeck e.V. (FVE) corona-bedingt mit einem Jahr Verzögerung sein 100-jähriges Bestehen. Ein Wochenende stand ganz im Zeichen der Einbecker AnglerInnen, bot Einblicke in die ereignisreiche Geschichte des 1921 gegründeten Vereins, seine vielfältigen Aktivitäten früher wie heute und endete in einer gemütlichen Feier.

Der FVE zählt heute 220 Mitglieder und betreut die Fließ- und Stillgewässer im Einbecker Stadtgebiet sowie Teilstrecken der Leine zwischen Hohnstedt und dem Leineturm. Dies beinhaltet eine breite Palette an Tätigkeiten, die zum Ziel haben, die Vitalität der Gewässer und Fischbestände zu erhalten und zu fördern. Etwa 30 (heimische) Fischarten mit unterschiedlichsten Ansprüchen leben in den Einbecker Gewässern. Freilich sind nicht alle angelfischereilich interessant, aber trotzdem fester Bestandteil funktionierender Lebensgemeinschaften. Der Verein lebt von der Kompetenz seiner Mitglieder, die sowohl handwerklich und menschlich wie auch in Fischerei- und Naturschutzfragen einiges zu bieten haben. So können nahezu alle anstehenden Aufgaben und Probleme professionell und in Eigenregie erledigt werden und ansonsten bietet das ansehnliche Netzwerk Hilfestellungen für spezielle Situationen.

Aktive Naturschutzarbeit mit dem Nachwuchs

In der Zukunft stehen vermutlich große Herausforderungen an, denn sommerliche Wasserarmut und hohe Temperaturen gehören auch in den Einbecker Gewässer mittlerweile zum Alltag. Hier liegt es an den Anglern und Anglerinnen, ihren Teil dazu beizutragen, dass die Gewässer die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen, dass sie widerstandsfähig gegen Extremsituationen, das heißt naturnäher und strukturreich gestaltet werden. Seit jeher setzt sich der FVE mit unzähligen ehrenamtlichen Stunden, aber auch mit finanziellen Mitteln für den Natur- und Artenschutz an den Einbecker Gewässern ein. Dabei werden die Einbecker AnglerInnen von zahlreichen lokalen Firmen, Privatleuten und Institutionen gefördert und unterstützt. Dazu zählen u.a. die Allianz Agentur Dimke und Iris Sprecher, die Schramm Industriebau KG, die Stadtwerke Einbeck, die Aral-Tankstelle Einbeck, die Sparkasse Einbeck, die Georg-August-Universität Göttingen, die Bingo Umweltstiftung und der Leinverband. Durch diese breite Unterstützung werden viele Projekte überhaupt erst möglich und der Naturschutz vor Ort effektiv unterstützt. Seit neuestem gehört auch die Jugendgruppe wieder fest zum Vereinsleben dazu und bietet neben gemeinsamen Fischen auch Möglichkeiten zur aktiven Naturschutzarbeit für den gewässerinteressierten Nachwuchs.

Einbecker Äschenpopulation vitalste Niedersachsens

Das umfangreiche Programm am Jubiläums-Wochenende startete am Freitagnachmittag ganz im Zeichen des Artenschutzes. Dr. Matthias Emmrich, Verbandsbiologe vom Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN) in Hannover hielt am Vereinsgelände einen Vortrag zum Edelkrebs, den der FVE seit 2018 im vereinseigenen Kolonieteich etabliert. Anschließend stellte der Vereinsvorsitzende Dr. Benjamin Krause das Äschenprojekt vor und zog eine überaus positive Bilanz der vergangenen sieben Projektjahre mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Die Äschenpopulation im Einbecker Raum gehört zu den vitalsten in ganz Niedersachsen, ist nachweislich nicht durch Besatz verfälscht und eignet sich daher hervorragend für die Sicherung dieser genetischen Ressource. Zusammen mit dem AVN, der Universität Göttingen und einem lokalen Fischzüchter wurden seit 2015 viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit aufgewendet, um mit Hilfe der Wildfische einen eigenen Zuchtstamm für die „Leine-Äsche“ aufzubauen. In diesem Frühjahr konnte erstmals eine große Menge qualitativ guten Laiches aus den selbst erbrüteten Fischen gewonnen und Brütlinge sowie vorgestreckte Jungfische in die Einbecker Gewässer und bereits einige geeignete (ehemalige) Äschengewässer in der Umgebung besetzt werden. Nach den informativen Vorträgen ging es zunächst an die Ilme, in die von den anwesenden Gästen etwa 2000 zwei Monate alte Äschen eingesetzt wurden. Im Kolonieteich fanden daraufhin noch 50 Edelkrebse aus der AVN-Zuchtanlage in Poggenhagen ein neues Zuhause.

Aufstieg der Lachse bis in die Ilme und Ablaichen fanden noch nicht statt

Auch der Atlantische Lachs gehört seit mehr als 20 Jahren zum Artschutzprogramm des FVE. Als Mitglied im Verein Leine-Lachs e.V. bezieht der FVE jährlich mehrerer Tausend einjährige Junglachse aus dem Norddeutschen Lachszentrum in Gronau, um diese in den bestens dafür geeigneten Vereinsgewässern auszusetzen. Bisher konnte sich allerdings noch kein Erfolg einstellen, d.h. der Aufstieg von ausgewachsenen Lachsen bis in die Ilme oder das Krumme Wasser und dortiges Ablaichen fanden bislang nicht statt. Die Wasserkraftanlagen und Querbauwerke entlang der Leine, Aller und Weser verhindern in ihrer Summe und trotz mehr oder weniger funktionierender Fischwanderhilfen nach wie vor die Rückkehr des „Königs der Fische“ und anderer so genannter Langdistanzwanderfische. Zu diesen gehört ebenso der Europäische Aal, den die Einbecker AnglerInnen im Rahmen des landesweiten Aal-Besatzprogramms seit Jahrzehnten unterstützen, um die fehlende natürliche Wiederauffüllung der Bestände im Binnenland zu kompensieren.

Am folgenden Tag lud der FVE auf das Vereinsgelände ein zum „Tag der offenen Tür“. Hier stand vor allem der familiäre Aspekt im Fokus und es wurde ein vielfältiges und informatives Programm geboten. Zahlreiche Infotafeln brachten den BesucherInnen die Einbecker Gewässer und die Tätigkeiten des Vereins näher. Als besonderes Highlight konnten sie bei einem Elektrofischen im benachbarten Mühlenkanal dabei sein. Dies wird jährlich als Bestandskontrolle durch die ausgebildeten Gewässerwarte des Vereins durchgeführt, um genaue Aussagen über die Entwicklung der Fischbestände in den Vereinsgewässern machen zu können. Immerhin sieben Fischarten, darunter Groppen und Bachneunaugen, konnten in diesem Abschnitt nachgewiesen und mit tatkräftiger Hilfe gezählt werden. Die Fische wurden anschließend wieder in den Mühlenkanal zurückgesetzt. Bei einer Gewässeruntersuchung konnten die vornehmlich jungen EntdeckerInnen mit Kescher oder der bloßen Hand das Leben im Bach erkunden und schließlich anhand der vielen Eintags- und Köcherfliegenlaven, Strudelwürmer und Bachflohkrebse die gute Wasserqualität des Mühlenkanals bestätigen.

Das Vereinsheim war mit zahlreichen, zum Teil historischen Dokumenten, Presseartikeln und Fotos geschmückt und wurde von Mitgliedern sowie ZeitgenossInnen zum Schwelgen in Erinnerungen genutzt. Zu bestaunen gab es die erste Vereinssatzung vom April 1921, damals noch von nicht einmal zehn Mitgliedern getragen, oder Fotoaufnahmen aus den 1920er und 1930er Jahren boten Einblicke in die Anfänge der Fischwaid an Ilme und Leine. Damals trug man noch Anzug am Wasser, fing aber trotzdem die gleichen Fische wie heute. Eindrucksvoll waren auch die Berichte und Dokumente aus den 1960er und 1970er Jahren zum hochwassertauglichen Ausbau der Ilme oder dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Salzderhelden und dem damit einhergehenden Verlust der sich schlängelnden „alten Leine“ und des Salzgrabens im heutigen Poldergebiet. Der Einbecker Fischereiverein erhob bei jeder dieser Maßnahmen vehement und hartnäckig seine Stimme, damit die Belange der Fische Beachtung fanden, wurde damals aber so gut wie nie gehört. Ebenso machten die in dieser Zeit teils mehrmals im Jahr auftretenden Fischsterben durch versehentliche oder vorsätzliche Abwassereinleitungen und andere Unfälle die Verletzlichkeit der Gewässerlebensräume deutlich. Und im Regelfall waren es die AnglerInnen, die solche Vorfälle als erstes entdeckten und manchmal auch Schlimmeres verhindern konnten.

Am Glücksrad konnte gedreht oder das Geschick und Können beim Zielwerfen auf die Arenbergscheibe („Casting“) gezeigt werden. Die Preise wurden dankenswerterweise von vielen lokalen Firmen gesponsert. Die Kleinsten konnten im Pool ihre ersten (Holz)-Fische fangen, eine Schätzfrage, bei der das Gewicht von Angelbleien zur Diskussion stand, lud zum Mitmachen ein. Für das leibliche Wohl sorgten eine bunte Auswahl leckerer Kuchen, die aus dem Kreis der Mitglieder gespendet wurden, sowie Deftiges vom Grill und am Getränkestand gab es frisch gezapftes Pils oder eine eiskalte Cola. Dieser Tag der offenen Tür wird in ähnlicher Form nun fester Bestandteil des jährlichen Terminplans sein.

Informationen zum Fischereiverein Einbeck e.V., seinen vielfältigen Aktivitäten und zum Leben in den Einbecker Gewässern gibt es auf der Vereinswebsite unter www.fischereiverein-einbeck.de.

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