Bürgermeister vergibt Publikumspreis für beste Schauspielerin der Gandersheimer Domfestspiele

Finale mit Roswitha-Ring für „Evita“ Franziska Schuster

Finale Festspielfreuden für Bürgermeister Ehmen: Zum Spielzeitende überreichte das scheidende Stadtoberhaupt Roswithas Ring 2014 an Schauspielerin Franziska Schuster.

BAD GANDERSHEIM (cmf) – Ring frei: Als beste Schauspielerin der 56. Gandersheimer Domfestspiele wurde am Sonntag Franziska Schuster von Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen mit dem prestige-trächtigen Roswitha-Ring der Stadt ausgezeichnet. Bei dem seit 1975 ausgelobten Preis fielen diesmal 2.415 Publikumsstimmen auf die 28-jährige Musical-Spezialistin

Franziska Schuster spielte die Hauptrolle in 20 durchweg ausverkauften Aufführungen des Erfolgsstücks „Evita”. Sie stemmte außerdem die Rollen der kurfürstlichen Geliebten „Emilie” und Dienerin „Sophie” in der Uraufführung von „Gefährliche Liebschaften”. In der Erstadaption von „Maria, ihm schmeckt’s nicht!” zeigte sie „die junge Ursula”. Bei zwei Uraufführungen ist der Roswitha-Ring für die Gewinnerin ein besonderer Beleg ihrer Berufungsleistung.

Intendant Christian Doll lobte in seiner Würdigung, welch „magische” Bühnenkraft Franziska Schuster entfalte: Sie richte ihre Aufmerksamkeit auf alle Mitspieler, Akteure und Kleinigkeiten, sie agiere sehr energiereich und könne die Zuschauer in ihren Bann ziehen und mitreißen. „Sie wirkt immer wach, bleibt handelnd. Ganze Welten spielen sich ab in ihrem Gesicht”, schwärmte der Festspielchef, der die preiswürdige Publikumsgunst vorausgeahnt hatte. Dabei sei die „Evita”-Rolle durchaus ein Wagnis gewesen, aber „wir haben Dir das alle zugetraut”. Nicht umsonst habe er über sechs Monate hinweg 50 E-Mails mit ihrem Agenten ausgetauscht, um sie aus Wien nach Bad Gandersheim zu lotsen. Da sei es sogar um einzelne Probentage gegangen, weil Termine mit dortigen Verpflichtungen kollidierten. Zum Festspiel-Finale fabrizierten die Mimen für die preisverdächtigen Elf eigens ein kurzweiliges Potpourri lebendiger Theater-Poesie – mit Pfiff, Charme und augenzwinkernden Frivolitäten, mit einer Prise Melancholie und viel vom Flair der Gandersheimer Bühnenwelt. Fürs Publikum war es eine einzigartige Zugabe, die so gar nicht im Programmheft steht.

Letzte Ring-Verleihung auch für Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen, der die Domfestspiele während seiner gesamten Amtszeit begleitet und zum „Leuchtturm regionaler Kultur” mitgestaltet hat. Für den „wunderbaren Festspielsommer” mit hochwertigem Open-Air-Erlebnis müsse allen Mitwirkenden, allen öffentlichen und privaten Unterstützern gedankt werden, dem Förderverein und der Festspiel-Gesellschaft. „Großes Theater mit hohem Erlebniswert, das die Stadt der ersten deutschen Dichterin weiter belebt und so Leben und Alltag aller beflügelt”, sagte Ehmen. Seine Amtsnachfolgerin Franziska Schwarz übernimmt im November seine Festspiel-Funktionen.

Intendant Doll wirbelt nach klarer Vertragsverlängerung längst an der neuen Spielzeit. Erstmals nannte er jetzt drei der vier Stücke, die 2015 gespielt werden. Die Ankündigung von „Jesus Christ Superstar” und den „Comedian Harmonists” sorgte schon Sonntag für eruptiven Beifall von den Rängen – wie beim Wunschkonzert. Als Kinderstück gibt es „Eselhundkatzehahn” frei nach den Bremer Stadtmusikanten aus Grimm’scher Feder.

Franziska Schuster hätte sogar Chancen, ihren Sieg zu wiederholen. Das wäre noch keiner Vorgängerin geglückt, sagte Doll im Beisein der Ring-Trägerinnen Angelika Bartsch (2008) und Petra Welteroth (2013). Weil 2015 nur ganz wenige weibliche Rollen zu besetzen sind, bleibt für ein Ring-Double nur „Maria-Magdalena“ bei der Rückkehr von „Jesus Christ Superstar”.

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